. Herz-Kreislauf-System

Schlaganfall: Mehr Patienten für Lyse zulassen?

Ein Schlaganfall wird mit der systemischen Thrombolyse behandelt. Der Patient erhält ein Blutgerinnsel-auflösendes Medikament. Zugelassen ist die Lyse nur für die ersten 4,5 Stunden nach dem Ereignis. Doch bei jedem fünften Patienten ist der genaue Zeitpunkt unbekannt.
Notfalleinsatz

Die Lyse als Schlaganfall-Therapie ist nicht bei allen Patienten zugelassen

Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn die Symptome beim morgendlichen Erwachen aus dem Schlaf bemerkt werden. „In der täglichen Praxis wenden Neurologen die Thrombolyse unter sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken oft auch jenseits der Zulassung, also ‚off-label’, an“, erklärt Dr. Götz Thomalla, Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

„Wissenschaftliche Arbeiten zeigten, dass unter Verwendung multiparametrischer MRT das Alter einer ischämischen Läsion im Gehirn abgeschätzt werden kann“, so der Mediziner im Vorfeld der Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin im Februar in Wien. Damit lasse sich mit hoher Wahrscheinlichkeit feststellen, ob ein Patient sich noch in einem Zeitfenster befindet, in dem eine Thrombolyse effektiv und sicher ist.

Europäische Studie mit Schlaganfall-Patienten gestartet

Inzwischen gibt es eine zunehmende Anzahl von Publikationen zu Thrombolyse-Ergebnissen bei Patienten mit unbekanntem Zeitfenster. „Hier wurden bisher keine Häufungen schwerwiegender Komplikationen berichtet“, so Thomalla.

Um zu zeigen, dass die Lyse auch bei diesen Patienten eine gute Therapie-Option ist, haben europäische Forscher haben unter Leitung des UKE die WAKE-UP Studie gestartet. Sie wird in rund 60 Zentren in acht europäischen Ländern durchgeführt, mehr als die Hälfte der geplanten 800 Patienten wurden bereits in die Studie randomisiert.

 

Schlaganfall: Mehr Patienten für Lyse zulassen?

„Bei dem dem erwarteten positiven Ergebnis ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse  Eingang in die Leitlinienempfehlungen halten und unmittelbar die klinische Praxis verändern werden“, hofft Thomalla. Damit wären bei der Schlaganfall-Behandlung mehr Patienten für die Lyse zugelassen.

Von der Lyse ausgeschlossen sind derzeit auch Patienten, die über 80 Jahre alt sind oder stark erhöhte Blutzucker- oder Blutdruckwerte haben. Jedoch dürfen die Ärzte sich auch hier über die Ausschlusskriterien hinwegsetzen. Aktuelle Studien belegen die Wirksamkeit und Sicherheit der Lyse bei älteren Patienten, so dass es nach einer neuen Empfehlung keine Altersgrenze mehr für die Behandlung geben soll. Kontraindiziert ist die Lyse, wenn der Schlaganfall Folge einer Blutung im Gehirn ist.

Neben der Lyse spielt die mechanische Entfernung des Blutgerinnsels, die Thrombektomie, eine immer größere Rolle bei der Behandlung.

Foto: thomaslerchphoto/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz-Kreislauf-System
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schlaganfall

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Zum Welt-Diabetestag gibt es schlechte Nachrichten für Frühstücksmuffel: Epidemiologische Studienhaben gezeigt, dass der Verzicht auf ein Frühstück mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist. Umgekehrt scheint regelmäßiges Frühstücken vor der Zuckerkrankheit und Übergewicht zu schützen.
Die Seborrhoische Dermatitis zeichnet sich durch einen schuppigen und häufig juckenden Ausschlag im Gesicht und auf der Kopfhaut aus. Dermatologen haben nun herausgefunden, dass der Transkriptionsfaktor JunB eine Schlüsselrolle bei der Entstehung dieser Erkrankung spielt. Sie hoffen, dass sich daraus neue Therapieansätze entwickeln lassen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.