. Psychotische Störungen

Schizophrenie: Depot-Neuroleptika schon im frühen Stadium sinnvoll

Schon frühere Studien haben darauf hingewiesen, dass Depot-Neuroleptika die Rückfallrate bei Schizophrenie reduzieren können. Aktuelle Untersuchungen haben nun gezeigt, dass es schon nach der ersten Episode sinnvoll sein kann, die Depot-Spritzen zu geben.
Depot-Neuroleptika bei Schizophrenie

Mit den richtigen Medikamenten kann eine Schizophrenie erfolgreich behandelt werden

Schizophrenie-Patienten brechen ihre medikamentöse Therapie oft ab. Dadurch steigt aber das Risiko für einen Rückfall. Abhilfe können hier Depot-Präparate in Spritzenform schaffen. Doch obwohl dies seit langem bekannt ist, kommen die lang wirksamen Medikamente immer noch selten zum Einsatz. Viele Psychiater glauben offenbar, dass Depot-Neuroleptika nur bei besonders schlimmen Fällen von Schizophrenie angewendet werden sollten. Dass das nicht unbedingt stimmen muss, haben zwei aktuelle Publikationen gezeigt. Demnach kann es sogar sinnvoll sein, schon nach der ersten Schizophrenie-Episode ein Depot-Neuroleptikum zu geben.

Weniger Rückfälle mit Depot-Neuroleptikum

In einer Studie von Forschern um Dr. Kenneth Subotnik von der Universität in Los Angeles wurden 86 Patienten mit Schizophrenie oder verwandten Störungen nach der ersten psychotischen Episode mit Risperidon behandelt. Entweder erhielten sie das Medikament als tägliche Tablettendosis oder als Depot-Injektion alle zwei Wochen. Es zeigte sich, dass innerhalb eines Jahres 16 Patienten Rückfälle erlitten. Davon hatten nur zwei Probanden das Depot-Neuroleptikum erhalten, die anderen 14 Probanden hatten Tabletten eingenommen. Nach Angaben der Forscher war die Rückfallrate mit dem Depot-Neuroleptikum damit um 85 Prozent geringer als mit den Tabletten.

Das Depot-Neuroleptikum wurde auch besser vertragen als die orale Therapie; nur halb so oft beendeten die Patienten die Therapie wegen der Nebenwirkungen. Allerdings war der Unterschied nicht sehr hoch. In der Gruppe mit dem Depot-Neuroleptikum brach auch nur ein Patient die Therapie wegen mangelnder Wirksamkeit ab, in der Tabletten-Gruppe waren es sieben Probanden. Ein großer Teil der Unterschiede zwischen den beiden Gruppen ist nach Auffassung der Studienautoren darauf zurückzuführen, dass viele der Patienten mit oraler Therapie ihre Tabletten nur unregelmäßig einnahmen. Dies konnte anhand von Bluttests, Pillenzählen oder anderen Monitoringsystemen festgestellt werden.

 

Schizophrenie kann stabilisiert werden

In einer anderen Studie wurde das Medikament Paliperidon in einer Formulierung getestet, die nur noch alle drei Monate in den Muskel gespritzt werden muss. An der Studie von Forschern um Dr. Jorris Berwaerts von Janssen Research & Development in Titusville hatten über 300 Patienten teilgenommen; im Durchschnitt waren die Patienten seit zehn Jahren an einer Schizophrenie erkrankt. Mit dem Depot-Neuroleptikum kam es bei neun Prozent der Patienten zu einem Rückfall, unter Placebo waren es 29 Prozent. Auch wenn der Vergleich hier nur zu Placebo durchgeführt wurde und somit nicht die Wirksamkeit von Tabletten getestet wurde, liefert auch diese Studie Hinweise darauf, dass ein Depot-Neuroleptikum Schizophrenie-Patienten mit nur wenigen Injektionen im Jahr zuverlässig stabilisieren kann.

Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schizophrenie

| Trotz nachgewiesener Nebenwirkungen wie einer Schrumpfung des Gehirns attestieren Psychiater Neuroleptika einen großen Nutzen bei Psychosen. Im „American Journal of Psychiatry“ hat ein internationales Expertenteam nun die Vor- und Nachteile beleuchtet.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wird sie nicht rechtzeitig erkannt, endet eine Sepsis in der Regel tödlich. Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, dass die Anzeichen einer Sepsis häufig den Symptomen von harmlosen Infektionskrankheiten ähneln. Dennoch gibt es Hinweise für eine Sepsis, die mit den richtigen diagnostischen Maßnahmen zu erkennen sind.
Auffällig viele Leistungssportler nehmen Asthma-Medikamente ein. Eine Studie der Uni Ulm untersucht jetzt, ob die Sprays nicht doch eine Doping-ähnliche Wirkung haben. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) finanziert die Ulmer Studie mit 315.000 Dollar.
. Top-Termine
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.