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19.04.2021

Schädlich ist vor allem das Rauchen von Zigaretten

Nikotin ist eine psychotrope Substanz und macht abhängig. Der Organismus wird aber nicht vom Nikotin, sondern von anderen Schadstoffen im Zigarettenrauch geschädigt. Mediziner sehen darin ein gefährliches Gemisch und fordern eine neue Bewertung von verbrennungsfreien Alternativen.
Die meisten Raucher wollen gar nicht mit dem Rauchen aufhören. Ein Umstieg auf E-Zigaretten ist aus Sicht der Thrombose Initiative e.V. die harmlosere Alternative

Die meisten Raucher wollen gar nicht mit dem Rauchen aufhören. Ein Umstieg auf E-Zigaretten ist aus Sicht der Thrombose Initiative e.V. die harmlosere Alternative

Jeder weiß, dass Rauchen schädlich ist. Und trotzdem tun es hierzulande rund 17 Millionen Menschen. Ein Großteil hat gar keine Ambitionen, mit dem Rauchen aufzuhören. So zeigt die DEBRA-Studie – eine wiederkehrende stichprobenartige Befragung der Bevölkerung zum Rauchverhalten -, dass drei Viertel der Raucher gar nicht auf das Rauchen verzichten wollen. Knapp 90 Prozent haben in den letzten zwölf Monaten keinen ernsthaften Rauchstoppversuch unternommen. Die Mahnungen und Warnungen verhallen also, weil der Kick durchs Rauchen offenbar die verstandesmäßigen Bedenken überwiegt.

Nikotin aktiviert das Belohnungssystem

Neben einer gewissen oralen Befriedigung ist es das Nikotin, das Rauchen für viele so attraktiv macht. Nikotin ist eine psychotrope Substanz, die stark aufs vegetative Nervensystem wirkt. Inhaliert gelangt es in weniger Sekunden über den Blutkreislauf ins Gehirn. Es werden vermehrt die Botenstoffe Noradrenalin, Adrenalin und Vasopressin ausgeschüttet, die wiederum das Belohnungssystem aktivieren. Gleichzeitig verengen sich Blutgefäße, der Blutdruck steigt, das Herz schlägt schneller. Auf diese Weise wirkt Nikotin kurzfristig anregend und leistungssteigernd. Es hat aber auch eine beruhigende Wirkung, weshalb gerade bei Stress und Ärger häufig zur Zigarette gegriffen wird.

Medizinisch gehört Rauchen zu den psychischen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen. Damit ist es sogar in der Internationalen statistische Klassifikation der Krankheiten zu finden( ICD F17.0). Auch das Abhängigkeitssyndrom durch Tabak hat einen eigenen ICD-Schlüssel (ICD F17.2).

 

Andere Schadstoffe schädigen den Organismus

Während das Nervengift Nikotin sozusagen für die Abhängigkeit zuständig ist, ist es das Verbrennen von Tabak, das Rauchen so extrem schädlich macht. Im Zigarettenrauch wurden bislang Hunderte giftige Substanzen identifiziert. Sie schädigen nicht nur die Lungen, sondern auch viele andere Organe und die Blutgefäße, wo sich Teer anreichert. Atherosklerose mit alle all ihren Folgen, COPD und last but not least Krebs stehen auf der langen Liste der Folgeerkrankungen des Rauchens.

Thrombose Initiative für verbrennungsfreie Alternativen

Wegen dieser enormen Krankheitslast, fordern Experten der Thrombose Initiative komplementäre Maßnahmen gegen das Rauchen. In einer Medienmitteilung sprechen sich die Mediziner ganz klar für mehr „öffentliche Aufklärung über eine mögliche Schadensminderung durch verbrennungsfreie Alternativen“ aus. Mit verbrennungsfreien Alternativen sind E-Zigaretten und Tabak-Erhitzer gemeint. Zur Rauchentwöhnung sind diese Alternativen in der Wissenschaft heftig umstritten. Doch die Thromboseexperten, denen unter anderem Prof. Dr. Ute Mons von der Uniklinik Köln PD Dr. Tobias Rüther LM Universitätsklinik München angehören, gehören zu den Befürwortern. 

Strategie der Risikoreduktion gefordert

„Es existieren inzwischen umfassende Daten, unter anderem vom Bundesinstitut für Risikobewertung und internationalen Instituten, welche den um etwa 95 Prozent reduzierten Schadstoffgehalt im Dampf von E-Zigaretten und Tabakerhitzern gemessen und Risikopotenziale im Vergleich zu Verbrennungszigaretten bewertet haben“, schreiben die Mediziner. Der Vorteil der möglichen Risikoreduktion durch E-Zigaretten und Tabakerhitzer sei gerade für die besonders gefährdeten Raucher belegt. Jedoch werde dieser Vorteil immer wieder gegen den ebenso bedeutsamen Jugend- und Nichtraucherschutz ausgespielt, „obwohl Primärprävention und Risikoreduktion sich gegenseitig verstärken können.“

Die Mediziner appellieren darum an Fachgesellschaften und die Politik, neuere Konzepte der Schadensminimierung stärker in den Fokus zu nehmen und mit traditionellen Ansätzen der Rauchprävention zu kombinieren. Ohne eine solche Strategie werde der Gedanke der Risikoreduktion ("Harm Reduction") nicht umgesetzt.

Foto: © Adobe Stock/nito

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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