. Alzheimer

Sartane schützen vor Demenz

Bluthochdruckpatienten, die mit Sartanen behandelt werden, entwickeln seltener eine Demenz als andere. Dies bestätigt eine aktuelle Studie, die in den Archives of Neurology veröffentlicht wurde.
Sartane gegen Demenz

Sartane können einer Demenz vorbeugen

Chronischer Bluthochdruck muss unbedingt gut eingestellt werden, da er zur Schädigung sämtlicher Gefäße und des Herzens führen kann und das Risiko für Herz- und Hirninfarkte vergrößert. Doch eine effektive Behandlung des Blutdrucks schützt offenbar nicht nur Herz und Gefäße. Auch eine Demenz tritt seltener auf, wenn der Blutdruck nachhaltig gesenkt wird. Dies konnten mehrere Studien nachweisen.

Dieser Schutzeffekt konnte vor allem für die Gruppe der sogenannten Angiotensin-Rezeptor-Blocker (Sartane) gezeigt werden. Sartane werden oft verschrieben, wenn andere Blutdruckmittel wie ACE-Hemmer nicht ausreichend wirken oder zu starke Nebenwirkungen verursachen. Vor allem der Reizhusten, der eine häufige Nebenwirkung bei ACE-Hemmern darstellt, tritt bei den Sartanen seltener auf.

Blutdrucksenkung reduziert Demenzrisiko

Generell führen Blutdrucksenker dazu, dass das Risiko für die Entwicklung einer Demenz gesenkt wird. Einer der Gründe dafür ist vermutlich das reduzierte Schlaganfallrisiko, denn ein Schlaganfall erhöht das Risiko für eine Demenz deutlich. Bei den Sartanen zeigen sich allerding noch weitere günstige Effekte, die nicht bei allen Antihypertensiva in gleichem Maße nachweisbar sind.

Um die Auswirkungen der Sartane auf das Gehirn zu untersuchen, haben nun Forscher um Dr. Ihab Hajjar von der Universität von Südkalifornien in Los Angeles die Daten aus Gehirnautopsien von 890 Bluthochdruckpatienten analysiert. Für alle Patienten lagen auch Daten zu neuropsychologischen Tests und geriatrischen Diagnosen aus der Zeit vor ihrem Tod vor. Von den 133 Verstorbenen, die eine Therapie mit Sartanen erhalten hatten, konnte bei 41 Prozent eine Alzheimerdemenz festgestellt werden. Von den 577 Hypertonikern, die andere Blutdrucksenker erhalten hatten, waren 53 Prozent betroffen, und bei den180 Patienten, deren Bluthochdruck gar nicht behandelt wurden, waren es sogar 62 Prozent.

 

Kognitive Defizite unter Sartanen am geringsten

Zudem war der Anteil derjenigen Patienten, die vor ihrem Tod keinerlei kognitive Defizite aufgewiesen hatten, mit 14 Prozent bei den Sartanen am größten. Bei den Betroffenen, die mit anderen Blutdrucksenkern behandelt wurden, war dieser Anteil mit zehn Prozent etwas niedriger und bei der Gruppe ohne Therapie am geringsten (sechs Prozent). Auch bei ihrem letzten kognitiven Test hatten die mit Sartanen behandelten Patienten am besten abgeschnitten. Ihr Wert lag mit durchschnittlich 20 Punkten signifikant über dem Wert der Personen mit anderen Antihypertensiva (16,6 Punkte) und ohne Blutdrucksenkung (15,7 Punkte).

Die Befunde aus den Gehirnbiopsien konnten diese Befunde weitgehend bestätigen. Hierzu wurde unter anderem die Dichte der Alzheimerplaques in bestimmten Hirnregionen ermittelt. Je nach verwendeten Kriterien und Berücksichtigung von Alter und anderen Risikofaktoren war eine definitive Alzheimerdiagnose bei den Hypertonikern mit Sartanen um 32 bis 35 Prozent seltener als bei Hochdruckpatienten mit anderen Therapeutika und um 40 bis 45 Prozent seltener als bei Hypertonikern ohne Therapie. Damit waren die Ergebnisse aus den Autopsien noch deutlicher als die aus den neuropsychologischen Tests. Die Studienautoren berichten zudem, dass sich in Tiermodellen die Amyloidablagerung unter Sartanen um den Faktor Vier reduzieren ließ. Ein ähnlicher Effekt konnte bei anderen Blutdrucksenkern bisher nicht beobachtet werden.

Foto: bilderstoeckchen - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin , Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz-Kreislauf-System , Bluthochdruck , Cholesterin , Demenz , Alzheimer
 

Weitere Nachrichten zum Thema Demenz

| Viele demenzerkrankte Menschen werden nicht fachgerecht diagnostiziert. Dabei ist eine möglichst frühe Diagnose wichtig, um alle therapeutischen Möglichkeiten auszuloten. Zudem können Symptome, die auf eine Demenzerkrankung hinweisen, ganz andere Ursachen haben, die festgestellt werden sollten.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wird seit wenigen Tagen ein Impfstoff gegen die Coronavirus-Erkrankung am Menschen getestet – an 30 freiwilligen Frauen und Männern zwischen 18 und 55 Jahren. Studienleiterin Marylyn Addo, die viele seit der ersten Coronawelle aus Talkshows im Fernsehen kennen, sagt: „Bisher verlief alles erwartungsgemäß und nach Plan“.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.