Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Rückenoperationen werden oft zu früh empfohlen

Operationen an der Wirbelsäule oder an der Bandscheibe werden oft zu früh empfohlen. Das zeigt ein Projekt der AOK Nordost zur Zweitmeinung bei Rückenoperationen.
Rückenoperationen

Nach gründlicher Diagnostik entfallen viele Rückenoperationen.

Seit 2015 können Rückenschmerzpatienten, die bei der AOK Nordost versichert sind, das Versorgungsprogramm Rücken Spezial nutzen, wenn ihr Arzt ihnen eine Operation an der Wirbelsäule oder an der Bandscheibe empfiehlt. Bei dem Programm arbeitet die Krankenkasse mit verschiedenen spezialisierten und interdisziplinären Rückenzentren in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammen.

Das Angebot sieht ein sogenanntes Zweitmeinungsverfahren vor. Die Patienten werden zu einem Diagnostiktag in eines der beteiligten Rückenzentren einbestellt und dort von einem Facharzt, einem Physiotherapeuten und einem Schmerzpsychotherapeuten untersucht. Die drei Experten beraten gemeinsam über die weiteren Schritte. Ihre Untersuchungsergebnisse und eine Therapieempfehlung besprechen sie mit den Patienten.

Drei von vier empfohlenen Rückenoperationen vorerst vermieden

Auf der Grundlage dieser mehrstündigen Diagnostik und Beratung soll der Patient eine informierte Entscheidung treffen können, ob er sich operieren lassen will oder nicht. In bestimmten Fällen empfehlen die Experten auch eine intensive, fachübergreifende Therapie. Sie kann ambulant im Rückenzentrum selbst durchgeführt werden.

Die Krankenkasse hat nun die bisherigen Ergebnisse des Projektes ausgewertet. Seit dem Programmstart haben insgesamt 470 Patienten in den drei Bundesländern das Zweitmeinungsverfahren wahrgenommen. Etwas mehr als ein Drittel wurde in die Auswertung einbezogen. Denn bei ihnen ist seit dem Diagnostiktag schon mehr als ein Jahr vergangen.

Die AOK Nordost stellte fest, dass ein Jahr nach dem Diagnostiktag fast drei Viertel der Patienten nicht an der Wirbelsäule oder Bandscheibe operiert werden mussten. 60 Programmteilnehmer haben eine Therapie im Rückenzentrum durchlaufen. Von ihnen kamen den Angaben zufolge sogar über 90 Prozent mindestens ein weiteres Jahr ohne Rückenoperation aus.

 

Kasse sieht Alternativen für Rückenoperationen

Die Krankenkasse sieht sich durch dieses Ergebnis darin bestätigt, dass das Versorgungsprogramm Rücken Spezial sinnvoll ist. „Das Ergebnis zeigt, dass wir mit unserem Rücken Spezial-Programm im wahrsten Sinne des Wortes den richtigen Nerv getroffen haben“, so Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost. Sie warnt davor, dass jede Operation mit Risiken verbunden sei und daher gut überlegt sein sollte. „Manchmal ist das Skalpell der einzige Weg, oftmals eben aber auch nicht, wie die aktuelle Auswertung unseres Zweitmeinungsprogrammes jetzt noch einmal bestätigt hat“, so Stoff-Ahnis.

Foto: Syda-Productions – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Rückenschmerzen , Orthopädie , Psychotherapeuten , Schmerzen , Wirbelsäule
 

Weitere Nachrichten zum Thema Rückenoperationen

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
In Deutschland gibt es ein weltweit einmaliges System von mehr als 12.000 Betriebsärzten – eine Option, um die schleppend laufende Breitenimpfung gegen COVID-19 in Schwung zu bringen. Eine große Mehrheit der Beschäftigten würde ein Impfangebot ihres Arbeitgebers begrüßen. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV.


Alkohol kann im weiblichen Körper schneller Schäden anrichten als im männlichen. Darauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März hin. So kommt es bei Frauen leichter zu alkoholbedingten Leberschäden. Als besonders schädlich gilt auch das Trinken in der Schwangerschaft.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin