. Querschnittslähmung

Roboteranzug HAL verhilft Gelähmten zu mehr Mobilität

Bei einer Querschnittslähmung ist durch eine Verletzung im Rückenmark die Signalübertragung vom Gehirn zu den Muskeln gestört. Der Roboteranzug HAL soll helfen, die Signale so zu verstärken, dass Patienten wieder laufen können.
Roboteranzug verhilft zum Gehen

Ein neuartiger Roboteranzug soll Querschnittsgelähmten helfen.

Wieder gehen zu können, ist für Querschnittsgelähmte ein meist unerfüllbarer Traum. Der Roboteranzug HAL (Hybrid assistive limb) könnte Betroffenen jedoch zu mehr Mobilität verhelfen. Seit 2011 erprobt ein Expertenteam am Zentrum für Neurorobotales Bewegungstraining (ZNB) in Bochum das in Japan entwickelte Exoskelett. Erste positive Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlicht.

Eine Querschnittslähmung ist in der Regel die Folge von verletzten Nervenstrukturen im Rücken. Um eine Bewegung auszuführen, schickt das Gehirn ein Signal über das Rückenmark und die umliegenden Nerven in einen Muskel. Einem gelähmten Patienten stehen aber durch eine Verletzung nur abgeschwächte Signale zur Verfügung. Hier setzt der Roboteranzug HAL an.

Roboteranzug übernimmt Bewegung für den Patienten

HAL ist ein sogenanntes Exoskelett, also ein System, das dem Körper von außen eine zusätzliche Stabilitätsfunktion verleiht. Er nimmt die abgeschwächten Signale über Sensoren, die auf der Haut des Patienten befestigt sind, auf und verhilft durch einen Motor den Muskeln zur Bewegung. HAL übernimmt also durch die direkte Ankopplung an das eigene Nervensystem die Bewegung für den Patienten.

Über erste positive Ergebnisse berichteten die Forscher nun anhand eines Fallbeispiels: Ein 34-jähriger Mann war nach einem Arbeitsunfall querschnittsgelähmt und hatte nur noch geringe Restfunktionen bei der Bewegung und beim Berührungsempfinden. 77 Tage nach seinem Unfall wurde der Patient in das HAL-Trainingsprogramm aufgenommen; in den folgenden zwölf Wochen führte er täglich ein Gangtraining mit HAL durch. Die Forscher registrierten nach Abschluss des Trainings eine deutliche Verbesserung der Muskelfunktionen. Der Patient war immer weniger auf Hilfsmittel zur Mobilitätsunterstützung angewiesen und ist heute in der Lage, selbstständig an zwei Unterarmstützen zu gehen.

Forscher wollen Anwendung von HAL ausbauen

Inwieweit ein gelähmter Patient nach der Therapie wieder selbständig laufen kann, hängt von der Art seiner Verletzung ab. HAL soll helfen, die Restfunktionen, die der Patient besitzt, auszubauen. Das bedeutet aber nicht, dass der Patient nach der Therapie wieder ganz normal gehen kann.

In Deutschland ist das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil die einzige Klinik, an der der Roboteranzug erprobt wird. In Japan stehen ähnliche Anzüge in etwa 200 geriatrischen Rehazentren zur Verfügung. Langfristiges Ziel ist es, HAL in Deutschland auf den Markt zu bringen, damit er möglichst vielen Menschen als Therapieinstrument helfen kann. Bevor die Anwendung allerdings in das Abrechnungssystem der Krankenkassen aufgenommen wird, müssen weitere Daten vorliegen. Die Berufsgenossenschaften erkennen den Roboteranzug bereits jetzt als Therapieinstrument an; Verhandlungen mit anderen Krankenkassen laufen noch.

 Foto: © RioPatuca Images - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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