Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Richtig lüften in Corona-Zeiten

Samstag, 8. August 2020, aktualisiert: 20.11.2021 – Autor:
Grundsätzlich verringert eine permanente Erneuerung der Raumluft durch Lüftungsanlagen die Gefahr infektiöser Aerosole stärker als manuelles Lüften, sagt der Berliner Aerosolforscher Martin Kriegel. Weil die meisten Menschen kein Gefühl dafür hätten, wann Raumluft verbraucht sei, gelte: Es muss viel öfter gelüftet werden, als man denkt.
Frau mit Corona-Maske am offenen Fenster

Ansteckungsgefahr durch Aerosole in geschlossenen Räumen: Man kann nicht oft genug lüften. – Foto: ©Halfpoint - stock.adobe.com

Im Winter verlagert sich das Leben wieder mehr in die Innenräume. Damit steigt auch die Sorge vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus in Schulen, Büros oder Einkaufszentren. Doch was kann man tun, um das Risiko möglichst klein zu halten? „Stellen Sie eine ausreichende Frischluftzufuhr von außen durch freie oder technische Lüftung sicher“, heißt es in einer aktuellen Empfehlung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). „Richtiges und fachgerechtes Lüften von Gebäude-Innenräumen bewirkt eine wirksame Verringerung der Konzentration von Viren, die zum Beispiel durch Sprechen, Niesen oder Husten ausgeschiedenen werden. Dies senkt das Infektionsrisiko in Räumen, die von mehreren Personen genutzt werden.“

CO2 in der Luft: Indikator auch für Corona-Aerosole

Schon vor der Coronavirus-Pandemie galt: Sobald sich ein Mensch in einem geschlossenen Raum aufhält, belastet er die Luftqualität, indem er permanent Kohlendioxid (CO2) ausatmet, ein giftiges Gas, und Sauerstoff verbraucht. Zusätzlich dazu atmet man – je nach Belastung – auch eine unterschiedlich große Menge an Aerosolen aus, die potenziell mit Krankheitserregern belastet sein können, die dann von anderen Personen eingeatmet werden. Die Verbreitung infektiöser flüssiger Schwebeteilchen in der Luft („Aerosole“) steigt damit im Grundsatz parallel zum CO2-Gehalt.

 

Meisten Menschen fehlt Gefühl für CO2-Gehalt der Luft

„Zahlreiche Studien zeigen, dass die meisten Menschen kein Gefühl dafür haben, wann und wie oft gelüftet werden muss, um die CO2-Konzentration unterhalb des Grenzwertes zu halten. Vom Gefühl her wird Fensterlüftung den Lüftungsanlagen häufig vorgezogen. Aber: In der Regel ist bei Fensterlüftung die Luftqualität deutlich schlechter. Wir verbinden oft die Temperatur im Raum mit der Luftqualität. Das ist aber völlig falsch“, sagt Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietsche-Instituts der TU Berlin. Da lange nicht alle Arbeitsstätten, Büros oder Schulen über Lüftungsanlagen verfügen, empfiehlt der Wissenschaftler dringend, die Leitfäden zur Fensterlüftung zu beachten – zum Beispiel vom Umweltbundesamt und die Arbeitsstättenrichtlinie ASR 3.6.

Großes Corona-Risiko in kleinen, schlecht belüfteten Räumen

„Wendet man diese Regeln an, wird man feststellen, dass viel öfter gelüftet werden muss, als man denkt", sagt Aerosolforscher Kriegel. Eine gute Hilfe für das Erlernen eines normalen Lüftungsverhaltens seien zum Beispiel CO2-Messungen in geschlossenen Räumen. Diese zeigten an, wann der Grenzwert der CO2-Konzentration überschritten wird. „Parallel zu der CO2-Konzentration steigt auch die Belastung mit Aerosolen, die man nicht so einfach messen oder wahrnehmen kann. Somit ist die CO2-Messung ein guter Indikator für die richtige Frischluftzufuhr.“ Ein Übertragungsrisiko mit Sars-CoV-2 besteht nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vor allem bei „längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen“.

Objektiver Maßstab für Luftqualität in Innenräumen: die Pettenkofer-Zahl

Als gut belüftet gelten Räume, die die Pettenkofer-Zahl einhalten, die unter anderem in der Arbeitsstättenrichtlinie ASR 3.6 festgeschrieben ist. Die sogenannte Pettenkofer-Zahl gibt es seit 130 Jahren; sie ist ein Maßstab für die Einschätzung der Luftqualität in Innenräumen und taxiert den Grenzwert für gute Luft in Innenräumen mit 1000 ppm (Parts per Million) Kohlendioxid an.

Unvermeidliche viele Leute in einem Raum? „CO2-Ampeln“ helfen, Luftqualität einzuhalten

„Die Generell sollte darauf geachtet werden, dass sich möglichst wenige Personen gleichzeitig in einem Raum aufhalten“, so der Rat der Berufsgenossenschaft BGW. Kann eine hohe Belegungsdichte in Innenräumen nicht vermieden werden, ist demnach eine Überprüfung der Luftqualität sinnvoll. Hierbei wird die CO2-Konzentration mithilfe von CO2-Messgeräten oder -Ampeln gemessen, die bei zu hohem CO2-Wert Alarm schlagen. Wie schon gesagt: Steigt der C02-Anteil in der Luft durch menschliches Ausatmen, steigt parallel dazu die Menge potenziell infektiöse Aerosole. „In Nicht-Pandemiezeiten sind bis zu 1.000 ppm CO2 akzeptabel. Dieser Wert sollte in Zeiten einer Pandemie immer unterschritten werden,“ heißt es bei der BGW weiter.

Richtig lüften mit Fensterlüftung

Die Berufsgenossenschaft gibt für die Fensterlüftung ohne Raumlufttechnik folgenden Rat: In Corona-Zeiten sollten Büro-, Veranstaltungs- und Seminarräume alle 20 Minuten für mindestens fünf bis zehn Minuten gelüftet werden. Dabei ist die Stoßlüftung mit weit geöffneten Fenstern und am besten auch mit zusätzlich weit geöffneten Türen am effektivsten.

Richtig lüften mit raumlufttechnischen Anlagen

„Minimieren Sie bei Raumlufttechnischen Anlagen den Umluftbetrieb“, heißt es dazu bei der BGW. „Wenn möglich, verzichten Sie ganz darauf. Kann ein Umluftbetrieb nicht vermieden werden, sollten nach Möglichkeit höhere Filterstufen eingesetzt werden (zum Beispiel von Klasse F7 auf F9), sofern technisch möglich können auch HEPA-Filter der Klassen H13 oder H14 verwendet werden.

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Coronavirus , Prävention , Betriebliches Gesundheitsmanagement
 

Weitere Nachrichten zum Thema COVID-19-Prävention

24.06.2020

Häufiges Händewaschen strapaziert die Haut. Deshalb sollten die Hände möglichst oft eingecremt werden. Eine Händedesinfektion soll insgesamt schonender sein und außerdem Keime noch besser abtöten, sagen Experten.

25.08.2020, aktualisiert: 23.09.2020

Wie genau sich das Coronavirus SARS-CoV-2 über Aerosole in Innenräumen ausbreitet, ist immer noch nicht genau erforscht. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass auch die Luftfeuchtigkeit eine Rolle spielen könnte. Das könnte vor allem im kommenden Winter zu Problemen führen.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Nase ist dicht, man kriegt schwer Luft, es drückt und schmerzt: Wer eine Erkältung oder Grippe hat, hat oft auch eine Nasennebenhöhlen-Entzündung. Was kann man tun, um diese normalerweise harmlose, aber unangenehme Atemwegserkrankung zu behandeln?


Husten gehört zu den Symptomen einer virale Atemwegsinfektion. Er kann mehrere Wochen andauern und die Lebensqualität beeinträchtigen. Forscher stellten fest, dass ein Extrakt der südafrikanischen Kapland-Pelargonie gegen Husten hilft.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin