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Regierungserklärung zum Coronavirus: Aus Epidemie ist eine Pandemie geworden

Virologen sprechen schon längst von einer Pandemie. Nun hat auch Jens Spahn erklärt: "Aus der Coronaepidemie in China ist eine weltweite Pandemie geworden." Der Höhepunkt sei noch nicht erreicht, betonte der Bundesgesundheitsminister in seiner Regierungserklärung.
Spahn am 4. März im Deutschen Bundestag: „Aus der Coronaepidemie in China ist eine weltweite Pandemie geworden“

Spahn am 4. März im Deutschen Bundestag: „Aus der Coronaepidemie in China ist eine weltweite Pandemie geworden“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat am Mittwoch vor dem Deutschen Bundestag eine Regierungserklärung zur Bekämpfung des Coronavirus abgegeben. „Aus der Coronaepidemie in China ist eine weltweite Pandemie geworden“, sagte er.

Nach zahlreichen weltweiten Infektionen und dem starken Ausbruch in Südkorea, Japan, dem Iran und Norditalien habe auch in Deutschland eine Epidemie begonnen. Trotz aller Bemühungen habe eine Ausbreitung des Virus in Deutschland nicht verhindert werden können. 

Bis Anfang letzter Woche habe es 16 infizierte Patienten in Deutschland gegeben, nun seien es schon 240. Die Situation sei weiterhin sehr dynamisch. „Der Höhepunkt der Ausbreitung ist noch nicht erreicht“, prophezeite Spahn. Es gehe derzeit vor allem darum, die Ausbreitung des Virus in Deutschland zu verlangsamen und einzudämmen. 

Weitere Einschränkungen sind zu erwarten

Das werde auch weitere Einschränkungen im Alltag bedeuten wie etwa Quarantänemaßnahmen, Absagen von Großveranstaltungen oder das Schließen von Schulen. „Das kann und das wird Stress auslösen“, betonte Spahn. Die Bürger rief er daher zur Besonnenheit auf. „Die Sicherheit der Bevölkerung geht im Zweifel vor, auch vor wirtschaftliche Interessen.“  

Gleichzeitig versicherte er, „Wir sind gut vorbereitet“, was bedeute, flexibel auf die Entwicklungen reagieren zu können und die Maßnahmen anzupassen.

 

Nächste Eskalationsstufe

In der nächsten Eskalationsstufe werde der Fokus darauf liegen, die (medizinischen) Kapazitäten auf Patienten zu konzentrieren, bei denen schwerere Krankheitsverläufe auftreten, so Spahn weiter. Die Abläufe in den Kliniken und Praxen würden dann entsprechend angepasst und die Kräfte im Gesundheitswesen auf die akute Lage fokussiert. „Das wird stellen- und phasenweise auch zu Stress im System führen“, betonte Spahn. Planbare medizinische Eingriffe würden dann verschoben. Die große Mehrheit der Infizierten mit gar keinen oder leichten Symptomen werde dann gebeten, sich zu Hause auszukurieren.

Datenlücke zum Virus

In seiner Regierungserklärung ging Spahn auch auf die Gefährlichkeit des Coronavirus ein. Anders als zunächst vermutet seien nicht wie bei den bekannten SARS-Viren vor allem die unteren Lungenflügel betroffen. „Nun hat sich herausgestellt, dass die Viruslast besonders im Rachenraum sehr hoch ist. Das macht für die Frage der Ansteckungswahrscheinlichkeit und damit für die Beurteilung des Risikos einen großen Unterschied.“ Andererseits sei der Erreger aber deutlich weniger ansteckend als zum Beispiel der von Masern und die übergroße Mehrheit der Infektionen verlaufe symptomfrei bis milde. Doch augenblicklich könne niemand eine abschließende Beurteilung und Bewertung des Virus abgeben. „Dafür gibt es weltweit noch nicht genug Daten.“

Virologe: Coronavirus zehnmal tödlicher als die Grippe

Der Virologe Prof. Alexander Kekulé vom Universitätsklinikum Halle-Wittenberg hält das Virus Sars-Co-V2 indes für gefährlicher als die Grippe. Die Sterblichkeit sei etwa zehnmal so hoch, erklärte er in der „Hart Aber fair“ Sondersendung zum Coronavirus am Montag. „Wir erleben Fälle, dass sich normal gesunde Menschen im mittleren Lebensalter anstecken -wie etwa eine 40-jährige Krankenschwester - und wenige Tage später tot sind.“ Bei der gewöhnlichen Influenza sei das die extreme Ausnahme. „Aber bei diesem Virus kommt das vor.“

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin , Corona
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