. Pille der 4. Generation

Rechtsstreit gegen Bayer-Pille "Yasminelle! kann dauern

Am Donnerstag wurde der Zivilprozess gegen Bayer wegen der Antibabypille Yasminelle eröffnet. Die Klägerin behauptet, durch die Einnahme der Pille eine Lungenembolie erlitten zu haben. Die Richter wollen nun Sachverständige einschalten und haben den Prozess auf das kommende Jahr vertagt.
Bayer steht wegen seiner Antibabypille Yasminelle  in Deutschland vor Gericht

Bayer steht wegen seiner Antibabypille Yasminelle in Deutschland vor Gericht

Es ist wie David gegen Golliath: Eine 31-jährige Frau verklagt den Pharmakonzern Bayer auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Die Klägerin behauptet, durch die Einnahme der Pille Yasminelle eine lebensbedrohliche Lungenembolie bekommen zu haben. Am Donnerstag wurde der Prozess am Landgericht Waldshut-Tiengen eröffnet. Doch eine Einigung scheint vorerst nicht in Sicht, da bei Parteien auf ihren Positionen beharren. Die Richter wollen nun mindestens zwei Sachverständige bestellen. Der Prozess wurde auf das kommende Jahr vertagt.

Drospirenon in der Kritik

Die Verhütungspille, die unter den Produktnamen Yaz, Yasmin und Yasminelle in Deutschland vertrieben wird, gehört zu den Pillen der vierten Generation. Diese stehen wegen der höheren Thromboserisiken seit Jahren in der Kritik. Presseberichten zufolge musste Bayer in den USA bereits 1,9 Milliarden Dollar an mindestens 9.000 Frauen zahlen, allerdings ohne eine Verantwortung anzuerkennen.

Konkret geht es um den Wirkstoff Drospirenon, der das Thromboserisiko verdoppeln soll. Entsprechende Warnhinweise finden sich auch in der Packungsbeilage von Bayer. Dennoch hält der Pharmakonzern die Klage für unbegründet. Bei korrekter Einnahme ginge keine Gefahr von der Pille aus, sagte ein Sprecher.

 

Dem BfArm wurden 16 Todesfälle gemeldet

Der Anwalt der Klägerin Martin Jensch aus Coburg verlangt unterdessen Schadensersatz und Schmerzensgeld in Höhe von rund 200.000 Euro für seine Mandantin. Nützlich für seine Argumentation könnte ein Bericht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sein, wonach dem Institut in den letzten 15 Jahren 480 Verdachtsfälle mit venösen Embolien gemeldet wurden, darunter 16 Todesfälle.

Die Klägerin Felicitas Rohrer hatte nach ihrer Lungenembolie im Jahr 2011 die Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter (SDG) gegründet. Der Verein kämpft unter anderem dafür, dass Pillen mit diesem Wirkstoff vom Markt genommen werden.

 Foto: © thingamajiggs - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibabypille , Thrombose
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pille

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Der Schlaganfallexperte Dr. Ingo Schmehl über die kurze Zeitspanne für die Akuttherapie und warum viele Patienten ihren Schlaganfall verschlafen.
 
. Weitere Nachrichten
Eine Vergrößerung der Schilddrüse - etwa durch eine Überfunktion - lässt sich durch eine Tastuntersuchung und eine Sonografie per Ultraschall feststellen. Um die Funktion der Schilddrüse zu überprüfen, ist aber ein Szintigramm nötig.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.