Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Rauchen beeinflusst Gene

Rauchen ist einer der Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dass es auch unsere Gene beeinflusst, konnten nun Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung zeigen. Besonders ein Gen, das an Entzündungsvorgängen beteiligt ist, wird durch Tabakkonsum aktiviert.
Rauchen, Gene

Rauchen aktiviert ein Gen, das bei Entzündungen eine Rolle spielt

90 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen und eine Vielzahl aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehen auf einen vermeidbaren Risikofaktor zurück: das Rauchen. Neue molekulare Details über die Folgen des Zigarettenkonsums haben nun Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) aufgedeckt: Demnach beeinflusst Rauchen auch unsere Gene. Der Prozess sei aber reversibel, sobald jemand mit dem Rauchen aufhöre.

Entzündungs-Gen wird bei Rauchern häufiger abgelesen

Das Team um Tina Haase und Prof. Tanja Zeller verglich in der Untersuchung die Daten von 1.292 Probanden einer großen Kohorten- Studie. Davon waren 593 Personen Nichtraucher, 477 ehemalige Raucher und 221 Raucher. Dabei zeigte sich, dass bei den Rauchern das Gen für den G-Protein-gekoppelten Rezeptor 15 (GPR15) wesentlich aktiver als bei Nichtrauchern. Der Rezeptor ist vor allem an Entzündungsvorgängen und der Neubildung von Blutgefäßen beteiligt. Je mehr Zigaretten jemand rauchte, desto häufiger wurde das Gen für GPR15 abgelesen.

Zwar kenne man die genaue Rolle von GPR15 noch nicht, meint Studienautorin Tina Haase. Jedoch sei klar, dass Rauchen einer der Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei und „diese zum Teil durch Entzündungsvorgänge verursacht werden.“

 

Prozess ist umkehrbar, wie Daten von Ex-Rauchern zeigen

Interessant sind die Daten der ehemaligen Raucher: Wer mit dem Rauchen aufgehört hatte, wies nach einiger Zeit auch wieder eine geringere Aktivität des GPR15-Gens auf. Bei den chronischen Rauchern blieb die Aktivität des Gens dagegen unverändert hoch. „Die gute Nachricht ist, dass sich dieser Prozess wieder umkehren lässt“, schließt Haase aus den Ergebnissen.“

Die langfristigen Auswirkungen des Rauchens gingen aus Datensätzen hervor, die zu Beginn der Studie und nach fünf Jahren erhoben wurden. Bei den ehemaligen Rauchern korrelierte die Abnahme der GPR15-Aktivität mit den Jahren seit dem Zigarettenverzicht, wobei die Aktivität in den ersten Jahren am stärksten abfiel.

Medikamente noch Zukunftsmusik

Noch haben die Ergebnisse keine Relevanz für die Versorgung. Die Wissenschaftler versprechen sich jedoch zwei Dinge davon: Einmal könnte die GPR15-Genaktivität als Biomarker eingesetzt werden, um das Rauchverhalten zukünftig genauer zu erfassen. Außerdem ließen sich G-Protein-gekoppelte Rezeptoren prinzipiell sehr gut medikamentös beeinflussen. In ferner Zukunft sei GPR15 ein spannendes Target, sagt die Herz-Kreislaufforscherin Haase, „gerade für die Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Rauchen , Herzinfarkt , Herz-Kreislauf-System
 

Weitere Nachrichten zum Thema Rauchen

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.


Wer spät am Abend viel und Schweres isst, schläft schlecht – und umgekehrt. Das ist bekannt. Eine Studie aus den USA an über 400 Frauen zeigt jetzt: Nicht nur der Zeitpunkt des Essens ist entscheidend, sondern auch die grundsätzliche Auswahl. Wer sich also konsequent gesund ernährt, kann dauerhaft leichter ein- und besser durchschlafen.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin