. Krebs-Nachrichten

Rätselhafter Anstieg von Schilddrüsenkrebs bei jungen Frauen

Schilddrüsenkrebs ist bei jüngeren Frauen stark im Ansteigen. Langzeitstudien belegen jedoch eine fast normale Lebenserwartung. Die Heilungsrate liegt bei über 95 Prozent.
Schilddrüsenkrebs macht sich durch Knotenbildung im Halsbereich bemerkbar. Die Heilungschancen sind gut

Schilddrüsenkrebs macht sich durch Knotenbildung im Halsbereich bemerkbar. Die Heilungschancen sind gut

Schilddrüsenkrebs wird sich neben Brustkrebs in den nächsten fünf Jahren zu den am schnellsten wachsenden Krebserkrankungen bei jüngeren Frauen entwickeln. Zu dieser Einschätzung kommt der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN). Hintergrund ist, dass in allen Industrienationen die Fälle von bösartigem Schilddrüsenkrebs steigen. Junge Frauen sind besonders häufig betroffen. In Deutschland erhielten im Jahr 2000 rund 2.700 Frauen die Diagnose Schilddrüsenkrebs, 2013 waren es schon 4.200 Frauen.

Bessere Diagnostik entdeckt das Schilddrüsenkarzinom früher

Mediziner können sich die Zunahme bislang nicht vollständig erklären. „Zwar gab es einen regionalen und zeitlich begrenzten Anstieg der Erkrankungsraten im Umkreis der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, dies erklärt aber nicht den weltweiten Anstieg“, sagt Professor Dr. med. Matthias Schmidt, BDN-Experte und Nuklearmediziner an der Universitätsklinik Köln. „Das mag eher an einer verbesserten Diagnostik liegen, denn der Ultraschall hilft, tumorverdächtige Knoten frühzeitig zu erkennen“, vermutet Schmidt.

Eine Langzeitstudie der Universitätsklinik Würzburg über einen Zeitraum von 30 Jahren zeigt unterdessen, dass die betroffenen Frauen mit einer normalen Lebenserwartung rechnen können. Der Krebs kehrt nur bei weniger als fünf Prozent zurück. „Damit erreichen die Patienten eine Lebenserwartung, die mit der gesunder Menschen vergleichbar ist“, betont Nuklearmediziner Schmidt. 

Kombinations-Therapie bringt normale Lebenserwartung

Die hohen Heilungsraten sind einer Therapie aus Operation plus Radiojodtherapie zu verdanken. Bei diesem Behandlungskonzept wird zunächst die Schilddrüse chirurgisch entfernt. Übrig gebliebene Tumorreste werden durch die nachfolgende Bestrahlung mit radioaktivem Jod 131 zerstört. Das Jod nehmen die Patienten meist in Form einer Kapsel ein. Da die Schilddrüse als einziges Organ des menschlichen Körpers die Fähigkeit hat, Jod in ihren Zellen hochkonzentriert anzureichern, lagern sich die radioaktiven Substanzen ausschließlich in diesem Gewebe ab und zerstören es. Andere Organe wie etwa der Magen oder die Speicheldrüsen erhalten nur eine geringfügige Strahlendosis, die unschädlich ist. Die Radiojodtherapie wird schon seit fast 70 Jahren angewendet und gilt als nebenwirkungsarm. Auch im Langzeitverlauf erweist sie sich als sicher.

Foto: © underdogstudios - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schilddrüsenerkrankungen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Keine Altersgruppe wächst so schnell wie die der Hochbetagten. Viele, die auf die 100-Jahre-Marke zusteuern, verfügen über eigene Ideen und Strategien für ein gutes Altern. Die Wissenschaft, kritisiert jetzt eine der wenigen Altersforscherinnen, habe dies bisher aber so gut wie übersehen.
Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung. Betroffene haben unter anderem Schwierigkeiten mit der sozialen Interaktion und neigen zu stereotypen Verhaltensmustern. Nun hat eine Studie gezeigt, dass der Einsatz von Neurofeedback dazu beitragen kann, die Symptome zu lindern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Evangelisches Geriatriezentrum Berlin gGmbH, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin

Anzeige
 

. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Kliniken
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.