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Qualität in Krankenhäusern steigt trotz einzelner Probleme

Die deutschen Krankenhäuser versorgen ihre Patienten in den meisten Bereichen gut und mitunter immer besser. Das zeigt der Qualitätsreport 2014 zur stationären Versorgung in Akutkliniken, den das AQUA-Institut heute vorgelegt hat. Doch der Report zeigt auch schwerwiegende Qualitätsprobleme.
Klinikqualität steigt, Probleme bleiben

Die Qualität hinter Krankenhaustüren wird stellenweise besser - das bestätigt die externe Messung.

Probleme mit der Versorgungsqualität gibt es demnach in der Herzchirurgie, bei Frühgeburten und bei der Behandlung der Brustkrebsvorstufe DCIS. In diesen Bereichen entspricht die Behandlung den Angaben des AQUA-Instituts zufolge zum Teil nicht den Leitlinien.

So schätzen die Experten die Versorgung in der Geburtshilfe und Neonatologie im Großen und Ganzen zwar als gut bis sehr gut ein. Sie bemängeln aber, dass bei Frühgeburten oft keine Pädiater zur Versorgung der Babys anwesend sind. Die Fachleute des AQUA-Instituts kritisieren daher Strukturprobleme und eine fehlende Regionalisierung.

Zu viele Lymphknotenentnahmen bei Brustkrebsvorstufe DCIS

Auch die Brustkrebsbehandlung wird insgesamt positiv bewertet. Handlungsbedarf sehen die Experten jedoch nach wie vor bei der Lymphknotenentnahme bei DCIS. Diese Brustkrebsvorstufe streut meist nicht. Daher empfehlen die S3-Leitlinien, dass bei weniger als fünf Prozent der betroffenen Patientinnen die Lymphknoten entfernt werden sollen. Tatsächlich wurden sie 2014 aber bei 14,07 Prozent der Patientinnen entfernt. In den Vorjahren war der Wert noch höher (2012: 18,1%, 2013: 16%).

Die meisten Probleme stellten die Experten aber im Zusammenhang mit dem Einsatz von Herzschrittmachern, Defibrillatoren und bei der Aortenklappenchirurgie fest. Hier stimmt die Indikationsstellung oft nicht. Das heißt die Eingriffe werden vorgenommen, obwohl sie medizinisch nicht nötig wären oder sie werden nicht vorgenommen, obwohl sie angezeigt wären. „Anlass hierfür können beispielsweise Fehlanreize in der Vergütung sein oder Schwächen bei den Strukturen beziehungsweise Prozessen in den Krankenhäusern“, so das AQUA-Institut.

 

„Umfassendste Darstellung von Krankenhausqualität“

Das Institut misst im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses jedes Jahr die Qualität in Krankenhäusern. Dazu müssen die Kliniken umfangreiche Daten liefern. „Der Report ist die umfassendste Darstellung zum Stand der Qualität in deutschen Krankenhäusern“, sagt Professor Joachim Szecsenyi, Geschäftsführer des AQUA-Instituts. Die Ergebnisse für das vergangene Jahr beruhen auf rund 3,2 Millionen Datensätzen von bundesweit 1557 Krankenhäusern. Die Daten stellen die Qualität der Krankenhausversorgung für 30 verschiedene Behandlungsfelder – sogenannte Leistungsbereiche - dar. Zur Qualitätsmessung und –darstellung wurden insgesamt 416 Qualitätsindikatoren herangezogen. Bei 65 Indikatoren haben sich die Ergebnisse verbessert, bei 14 wurden sie schlechter, bei 330 blieben sie unverändert und sieben Indikatoren waren neu. „Insgesamt betrachtet, wird in den Krankenhäusern sehr gute Arbeit geleistet und dies sollte anerkannt werden“, so Szecsenyi.

Ein Beispiel: Die Qualität der Behandlung der ambulant erworbenen Pneumonie (Lungenentzündung) wird anhand von 17 Indikatoren erfasst. Bei 12 dieser 17 Indikatoren verzeichnet das AQUA-Institut eine positive Entwicklung. Probleme sehen die Experten aber bei der Bestimmung der Atemfrequenz bei der Aufnahme ins Krankenhaus.

Das AQUA-Institut hat den Bericht für 2014 zum letzten Mal vorgelegt. Ab 2016 soll der externe Qualitätsbericht zur Krankenhausversorgung vom neu geschaffenen IQTIG (Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen) erstellt werden.

Foto: Tiberius Gracchus - Fotolia.com

Foto: Tiberius Gracchus - Fotolia

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
 

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