. Manipulationen bei Organtransplantation

Prüfer stellen 14 Verstöße im Deutschen Herzzentrum fest

Insgesamt 14 Falschangaben oder Manipulationen im Zusammenhang mit Organtransplantationen haben die Prüfungs- und Überwachungskommissionen am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) festgestellt. Das geht aus dem heute veröffentlichten Prüfbericht hervor. Anders als bei dem Skandal um Lebertransplantationen in Göttingen sind dabei aber offenbar nicht Privatversicherte bevorzugt wurden.
Verdacht auf Manipulationen bei Transplantationen am Deutschen Herzzentrum bestätigt

Prüfbericht bestätigt Manipulationen bei Organspenden am Deutschen Herzzentrum Berlin

In den Jahren 2010 bis 2012 hat das DHZB dem Bericht zufolge insgesamt 14 mal gegen die Richtlinien zur Organtransplantation verstoßen. Viele der Falschangaben und Manipulationen führten dazu, dass Patienten auf der Warteliste für ein Spenderherz die höchste Dringlichkeitsstufe „High Urgency“ erhielten. Die Prüfungen anhand der Patientenunterlagen zeigten verschiedene Arten von Auffälligkeiten. Meist ging es um die Verordnung der Wirkstoffe Dobutamin und Milrinon. Eine bestimmte Dosis dieser Wirkstoffe rechtfertigt eine High-Urgency-Listung.

Herzzentrum: Falsche Medikamentendosierung angegeben

Bei vier Patienten wurde dem Bericht zufolge in den Anträgen auf die höchste Dringlichkeitsstufe die Dobutamin-Dosis höher angegeben als sie laut Patientenakte tatsächlich verabreicht wurde. Bei manchen dieser Patienten und einigen weiteren konnten die Prüfer zudem nicht ausschließen, dass die laut Patientenakte verabreichte Dosis ohne medizinische Notwendigkeit kurzfristig erhöht wurde, damit sie den High-Urgency-Status erreichen. Die dokumentierten hämodynamischen Werte der Patienten rechtfertigten aus Sicht der Prüfer die kurzfristigen Dosissteigerungen nicht. „Auch die anwesenden Ärzte vermochten nicht anzugeben, aus welchen Gründen eine derartige Steigerung medizinisch indiziert sein könnte“, heißt es in dem Prüfbericht. Die beschuldigte Oberärztin war den Einladungen der Kommission nicht gefolgt.

In weiteren Fällen wurde laut Prüfbericht der Wirkstoff Milrinon kurzzeitig höher dosiert, ohne dass die hämodynamischen Werte der Patienten eine Notwendigkeit dafür angezeigt hätten. Weil die bei der Prüfung anwesenden Ärzte des Herzzentrums auch dafür keine Begründung angeben konnten, geht die Kommission davon aus, dass die Dosis mit dem Ziel gesteigert wurde, die höchste Dringlichkeitsstufe für den Patienten zu erreichen.

Zufall und Versehen ausgeschlossen

Bei manchen Patienten hat das Herzzentrum laut Prüfbericht Infektionen angegeben, die nicht laut Krankenakten bestanden. Einem Patienten wurde beim Transplantations-Antrag ein Rechtherzversagen attestiert, für das die Prüfer in den Krankenakten keine Anhaltspunkte fanden. Die Prüfer nehmen an, dass das Herzzentrum gezielt manipuliert hat. Im Prüfbericht heißt es, sie gingen angesichts der Anzahl der Verstöße und der Vorgehensweise „nicht davon aus, dass es sich um zufällige oder versehentliche Fehler handelt“.

Dabei ist das Deutsche Herzzentrum bislang ein Einzelfall. Im Zusammenhang mit Herztransplantationen haben die Prüfungs- und Überwachungskommissionen sonst keine Auffälligkeiten entdeckt. Allerdings sind noch nicht alle Prüfungen abgeschlossen. Insgesamt haben die Prüfer nun 33 Transplantationszentren untersucht. Bei Nieren-, Pankreas- und kombinierten Nieren-Pankreas-Transplantationen stellten keine Hinweise auf gezielte Manipulationen fest.

Foto: St.Op. - Fotolia

Hauptkategorie: Berlin

Weitere Nachrichten zum Thema Organspende

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Prof. Dr. Volkmar Falk über die Neuausrichtung des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB), die große Nachfrage nach minimal-invasiven Herzoperationen und die Aufarbeitung des Berliner Transplantationsskandals.
. Weitere Nachrichten
Stress löst bei der Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) einen depressionsartigen Zustand aus. Dieser ließ sich durch Lithium oder Zucker beheben. Dies ergab eine Studie von Neurobiologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

KommRum e.V., Schnackenburgstr. 4, 12159 Berlin-Friedenau
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.