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22.09.2017

Polyamine sollen Gedächtnisfunktion verbessern

Es wäre doch zu schön, wenn es das „Superfood“ gebe, das uns vor Demenz und Alzheimer schützt. Altersforscher sind jetzt Polyaminen auf die Spur gekommen. Besonders ein Vertreter, der etwa in Weizenkeimen steckt, soll vielversprechend sein.
Beugen Weizenkeime Gedächtnisverlust vor? Neurowissenschaftler untersuchen jetzt das darin enthaltene Spermidin

Beugen Weizenkeime Gedächtnisverlust vor? Neurowissenschaftler untersuchen jetzt das darin enthaltene Spermidin

Demenz ist ein Schreckgespenst. Fast jeder zweite hat Angst, einmal selbst vom geistigen Abbau betroffen zu sein. Insofern stellen sich viele die Frage, wie man vorbeugen kann – zum Beispiel mit einer gesunden Ernährung. Auch die Forschung beschäftigt sich damit. Großes Potenzial, geistigem Abbau vorzubeugen, schreiben Neurowissenschaftler aktuell Polyamiden, insbesondere Spermidin zu. Erste Studiendaten legen nach Auskunft von Professor Agnes Flöel die Vermutung nahe, dass sich das Stoffwechselprodukt positiv auf die Gehirnfunktion und geistige Fähigkeiten auswirkt.  „Wir haben in einer eigenen kleinen Studie die Wirkung von natürlichem Spermidin, das aus Weizenkeimen gewonnen und in Kapseln verpackt worden war, auf Lernen und Gedächtnis untersucht“, erklärt die Neurowissenschaftlerin, die von der Charité an die Universität Greifswald gewechselt ist.“ „Dabei konnten wir zeigen, dass sich Gedächtnisleistungen bereits nach dreimonatiger Einnahme tendenziell verbessern, bei sehr guter Verträglichkeit der Kapseln.“

Spermidin entsorgt den Müll aus Gehirnzellen

Spermidin kann über Lebensmittel, vor allem Weizenkeimen von außen zugeführt werden. Doch eigentlich handelt es sich um ein körpereigenes Produkt des Zellstoffwechsels, der eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung von Zellprozessen spielt. Genauer gesagt sorgt Spermidin für den Selbstreinigungsprozess der Zelle, bei dem zum Beispiel krankheitserregende Eiweiß-Ablagerungen abtransportiert werden. Wissenschaftler nennen diesen Mechanismus Autophagie. 2016 wurde für die Entdeckung desselben der Nobelpreis für Physiologie verliehen.

Die von Flöel beobachteten Gedächtnisverbesserungen könnten also genau auf diesen Selbstreinigungsprozess zurückzuführen sein. Ihre Untersuchungen dazu werden augenblicklich in einer sehr viel größeren Studie an der Charité fortgesetzt. Die Berliner „SmartAge“-Studie sucht aktuell noch weitere Studienteilnehmer im Alter zwischen 60 und 90 Jahren, die nach eigener Einschätzung an einer Gedächtnisverschlechterung leiden oder sich diesbezüglich Sorgen machen.

 

Ausgewogene Ernährung momentan das Beste

Kommt also bald die Super-Pille fürs Gehirn? Flöel ist skeptisch. „Nahrungsergänzungsmittel können nie eine ausgewogene Ernährung ersetzen“, sagt sie. Grundsätzlich sei es günstig, viel Obst, Gemüse und ungesättigte Fettsäuren zu sich zu nehmen und beim Zucker zu sparen. „Außerdem spielt es eine Rolle, wie viel man isst“, ergänzt Flöel. „In Studien führte eine Kalorienrestriktion, vor allem der Reiz des Fastens, zu besseren Gedächtnisleistungen.“

Foto: © tanja_riedel - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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