Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
04.01.2016, aktualisiert: 13.11.2019

Plötzlicher Herztod sendet meistens Vorzeichen

Der plötzliche Herztod kommt meist nicht ganz so überraschend, wie viele denken. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen kündigt er sich Tage oder Wochen vor dem Ereignis durch Symptome wie Brustschmerzen oder Atemnot an.
Plötzlicher Herztod meist nicht ohne Vorwarnung

Der plötzliche Herztod trifft oft scheinbar gesunde Menschen

Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 100.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Vor allem in der Lebensmitte schlägt er zu, bei Männern häufiger als bei Frauen. Und da er oft Menschen ereilt, die als sportlich und gesund gelten, kommt er meistens sehr überraschend. Doch Forscher vom Cedars-Sinai Heart Institut in Los Angeles konnten nun zeigen, dass in mehr als der Hälfte der Fälle durchaus Vorzeichen vorhanden waren, die meistens nur nicht richtig gedeutet wurden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in den Annals of Internal Medicine.

Brustschmerzen und Atemnot können Herztod ankündigen

Durch Befragungen der Angehörigen und Sichtung der Krankenakten konnten die Forscher feststellen, dass bei 53 Prozent der Betroffenen vor dem plötzlichen Herztod Warnsignale aufgetreten waren. Dabei handelte es sich am häufigsten um Brustschmerzen, gefolgt von Kurzatmigkeit, Schwindel, Ohnmachtsanfällen und Herzrasen. Die Vorlaufzeiten waren dabei zum Teil sehr lang, in manchen Fällen sogar bis zu vier Wochen.

Bei fast allen Patienten waren die Symptome auch am Tag vor dem plötzlichen Herzstillstand aufgetreten, doch die meisten ignorierten die Zeichen. Dabei hätte ihnen unter Umständen das Leben gerettet werden können. Von den Patienten, die aufgrund der Vorzeichen einen Notarzt gerufen hatten, überleben rund 32 Prozent den plötzlichen Herzstillstand. Bei den Patienten, die nicht auf die Warnsignale reagierten, blieben nur sechs Prozent am Leben.

 

Symptome immer ernst nehmen

Brustschmerzen oder Atemnot, die ohne erkennbaren Grund auftreten, sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, so Studienautor Sumeet Chug. Man solle daher unbedingt sofort einen Arzt aufsuchen. Neben einem drohenden Herzstillstand könnten die Symptome auch einen bevorstehenden Herzinfarkt ankündigen.

Der plötzliche Herztod ist meistens eine Folge von Herzrhythmusstörungen. Der Herzmuskel kontrahiert sich nicht mehr synchron und der Kreislauf bricht zusammen. Es kommt zur Sauerstoffunterversorgung des Gehirns, zur Bewusstlosigkeit und schließlich bei fehlenden Gegenmaßnahmen zum Tod. Mit Hilfe eines Defibrillators kann das Herz zwar wieder zum Schlagen gebracht werden – doch außerhalb von Krankenhäusern sterben die meisten Patienten trotzdem.

Plötzlicher Herztod kommt auch bei Sportlern vor

Auch bei Sportlern gibt es immer wieder Fälle von plötzlichem Herztod. Dies scheint dann besonders überraschend zu sein. Doch völlig gesund waren die Betroffenen vorher nicht. Meisten liegt eine unerkannte Herzkrankheit vor, wie beispielsweise ein angeborener Herzfehler. Bei etwas älteren Sportlern sind es fast immer verengte Herzkranzgefässe aufgrund von Ablagerungen, die zum Herztod führen.

Der Grund: Da sich während der sportlichen Betätigung der Herzschlag beschleunigt und der Blutdruck steigt, kann es zu Verletzungen der Gefäße kommen. Um diese zu reparieren, werden Blutgerinnsel gebildet, welche die bereits verengten Herzkranzgefäße weiter verstopfen. Die mögliche Folge: Herzinfarkt, Kammerflimmern und plötzlicher Herztod.

Auch eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kann zum plötzlichen Herztod führen. Sie entsteht meistens nach einer Infektion der oberen Atemwege. Daher ist es wichtig, sich nach einer Erkältung lange genug zu schonen und erst wieder mit dem Sport zu beginnen, wenn man völlig gesund ist. Ist es bereits zu einer Myokarditis gekommen, muss sogar mehrere Monate auf sportliche Anstrengung verzichtet werden. Um Risiken auszuschließen, sollten Leistungssportler ihre Herzgesundheit beim Kardiologen überprüfen lassen.

Foto: © hriana - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Oft hat Herzrasen harmlose Ursachen. Dennoch sollten Anfälle von Herzrasen, für die kein konkreter Grund wie körperliche Anstrengung ausgemacht werden kann, ärztlich abgeklärt werden. Denn in einigen Fällen können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Kopfbälle gehören zu den coolsten Spieltechniken im Fußball – doch sie haben ihren Preis. Eine Studie aus Schottland zeigt: Das Risiko für Profifußballer, später an neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder Demenz zu erkranken, ist dreieinhalb mal so hoch wie bei der Allgemeinbevölkerung. Ein Spielertyp ist besonders in Gefahr.


Viele Eltern meinen es gut, wenn sie vor ihren Kindern über eine Demenz bei deren Großeltern nicht sprechen. Sie wollen sie nicht belasten. So schwer es für Kinder ist, diese Erkrankung zu verstehen – so sehr spüren sie, dass etwas nicht stimmt. Experten raten deshalb zu einer kindgerechten Offenheit.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin