Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Phagen als Alternative zu Antibiotika im Test

Bakterielle Infektionen wurden über Jahrzehnte erfolgreich mit Antibiotika behandelt. Mittlerweile haben sich resistente Erreger herausgebildet, die nicht mehr auf die Wirkstoffe ansprechen. Forscher interessieren sich daher wieder für eine in Vergessenheit geratene Therapie-Form, die Bakteriophagen oder Phagen.
Phagen oder Bakteriophagen landen auf einem Bakterium

Mit Phagen genannten Viren lassen sich Bakterien bekämpfen

Phagen sind Viren, die Bakterien vernichten. Sie injizieren ihre Erbsubstanz in ein Bakterium, das produziert daraufhin so lange Phagen, bis es platzt und weitere Bakterien-Vernichter freisetzt. Die Phagen, die überall in der Natur vorkommen, sind jeweils auf eine bestimmte Bakterien-Art spezialisiert. Ihr Vorteil: Anders als Antibiotika greifen sie nützliche Bakterien im Darm nicht an.

In osteuropäischen Ländern, Russland, Polen und vor allem Georgien hat die Behandlung mit Phagen Tradition. Entdeckt wurden sie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, doch durch den Siegeszug des Penicillin wurde dieser Ansatz im westlichen Europa viele Jahrzehnte nicht weiterverfolgt. Doch nun könnten gebraucht werden, wenn Antibiotika nicht mehr helfen. Offiziell zugelassen sind Phagen in der EU noch nicht, bislang fehlen entsprechende Studien.

Phagen statt Antibiotika bei Verbrennungsopfern

Mit Phagoburn startet jetzt eine randomisierte und kontrollierte klinische Phase I/II-Studie, an der 220 Patienten mit schweren Verbrennungen teilnehmen, aus Krankenhäusern in Frankreich, Belgien und der Schweiz. Um Infektionen vorzubeugen, wird die eine Hälfte der Patienten wie üblich mit antibakteriell wirkendem Silbersulfadiazin behandelt, die andere mit einem Phagen-Cocktail.

Dies soll Krankenhauskeime und vor allem antibiotika-resistente Bakterien außer Gefecht setzen, speziell geht es um Escherichia Coli und Pseudomonas aeruginosa. „Infektionen sind die häufigste Todesursache bei Patienten mit Verbrennungen", sagt Studien-Autor Dr. Patrick Jault, Leiter der Anästhesie am Percy-Militärkrankenhaus (Clamart).

 

Phagen für den Einsatz bei COPD oder Mukoviszidose?

Die Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) des Leipniz-Institutes in Braunschweig unterhält eine Phagen-Bank, sie können dort bestellt und für Studien genutzt werden, neue Phagen-Sorten werden im Phagenfänger-Projekt gesucht. Aktuell befasst sich die DSMZ mit Phagen gegen Bakterien der Burkholderiales, die in Biofilmen der Lunge von Patienten mit COPD und Mukoviszidose eine Rolle spielen.

Foto: elvira gerecht

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antibiotika-Resistenzen

31.08.2018

Die Entdeckung des Penicillins vor 90 Jahren war ein Meilenstein der Medizingeschichte. Diese glückselige Ära könnte bald vorbei sein. Antibiotikaresistenzen könnten bis 2050 zur größten weltweiten Gesundheitsbedrohung werden, prognostizieren Experten.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Was haben die Seychellen, Monaco und Äquatorialguinea gemeinsam? Leute von dort sind in Deutschland so selten, dass sie selbst von einer Anerkennung als Minderheit Lichtjahre entfernt sind. Vergleichbar ergeht es den Patienten mit „Seltenen Erkrankungen“ im medizinischen Bereich. Dabei sind 6.800 dieser Krankheiten bekannt – und fünf Prozent der Deutschen davon betroffen.


Gleich drei Metaanalysen klinischer Studien haben gezeigt, dass eine Vitamin D-Supplementierung mit einer Verringerung der Sterberate an Krebs um etwa 13 Prozent einherging. Wie das DKFZ nun errechnet hat, könnte durch eine regelmäßige Vitamin D-Einnahme aller Deutschen über 50 Jahre möglicherweise bis zu 30.000 Krebstodesfälle pro Jahr vermieden und mehr als 300.000 Lebensjahre gewonnen werden – bei gleichzeitiger Kostenersparnis.
 
Kliniken
Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.

Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin