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Pflege-Roboter „Pepper“ wird in Senioreneinrichtung getestet

Er kann sprechen, tanzen und Witze erzählen: Der Pflege-Roboter „Pepper“ wird derzeit in einer Tagespflegeeinrichtung im Fränkischen getestet. Er wurde eigens für den Umgang mit Senioren geschult.
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Sebastian Hofheinz, Studentin Jennifer Blazejak und Dr. Rainer Wieching mit "Pepper" im Forschungswohnzimmer (v.l.)

Er kann sprechen, tanzen und Witze erzählen: Der Pflege-Roboter "Pepper" wird derzeit in einer Tagespflegeeinrichtung der Caritas Sozialstation St. Johannes im unterfränkischen Erlenbach getestet. Er wurde eigens für den Umgang mit Senioren geschult. Gefördert wird das Projekt vom bayerischen Gesundheitsministerium.

"Pepper" ist 1,20 Meter groß und bewegt sich auf Rollen. Seine Augen leuchten in verschiedenen Farben. Er ist nach dem Kindchenschema gestaltet, damit Menschen keine Scheu vor ihm haben. Wenn man ihm über den Kopf streicht, kichert er und sagt: "Ich bin heute so kitzelig."

Pflege-Roboter soll Pflegepersonal entlasten

"Wir wollen keine Roboter statt Pfleger, sondern die Pflegerobotik als deren Assistenten", sagt Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml. "Der Mensch muss stets im Mittelpunkt stehen. Technische und digitale Unterstützungsangebote dürfen die Menschlichkeit nicht verdrängen", betont die CSU-Politikerin.

Das Pflegepersonal soll entlastet werden, indem "Pepper" einfache, wiederkehrende Tätigkeiten übernimmt. Er hat Sensoren am Kopf und an den Fingern. Er kann mit Pflegebedürftigen und Pflegekräften kommunizieren, Emotionen anhand von Körpersprache, Mimik und Stimmlage interpretieren - und entsprechend reagieren.

 

"Pepper" geeignet für Umgang mit kognitiv eingeschränkten Menschen

"Pepper" kann sich mit älteren Menschen unterhalten, mit ihnen Rätsel raten, Musik spielen und ihnen die Zeit vertreiben, wenn das Pflegepersonal mit anderen Aufgaben beschäftigt ist. Er eignet sich ganz besonders für die Betreuung von kognitiv eingeschränkten Menschen.

In der Tagespflegeeinrichtung "Ursula Wiegand" wird nun zunächst das Personal im Umgang mit "Pepper" geschult. Wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird der Einsatz durch Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Während der Evaluation werden neue Applikationen entwickelt und deren praktische Anwendung in der Tagespflege fortlaufend getestet und weiter entwickelt.

Ältere Menschen mögen Gedächtnis-Spiele

Auf seinen Einsatz vorbereitet wurde "Pepper" in einem Forschungs-Wohnzimmer der Universität Siegen. Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien und Studierende aus dem Masterstudiengang Human Computer Interaction (HCI) brachten dem aus Japan importierten Roboter bei, auch im Deutschen auf Alltagssituationen zu reagieren.

"In Gesprächen mit den Senioren und den Pflegekräften haben wir erfahren, dass die älteren Menschen vor allem Gedächtnis-Spiele ausprobieren möchten, um sich die Zeit zu vertreiben. Also haben wir extra für diese Bedürfnisse etwas programmiert", erklärt Projektleiter Dr. Rainer Wieching.

Pflege-Roboter "Pepper" wird in Senioreneinrichtung getestet

"Uns ist besonders wichtig, dass wir mit den Nutzern sprechen, um deren Bedürfnisse und Alltagspraktiken zu erfahren. Wir können uns nur bedingt in ihre Welt hineinversetzen, also sagen die Senioren und Pflegekräfte uns, was sie sich wünschen und was ihr Leben einfacher machen kann", so Wieching weiter in einer Pressemitteilung.

Einen ersten Testlauf hat "Pepper" bereits hinter sich. Der Pflege-Roboter wurde in einer Senioreneinrichtung in Siegen-Weidenau getestet. Die Bewohner waren zunächst skeptisch. Dann ließen sie den Roboter ihr Alter schätzen. Dass er manchmal um Jahrzehnte daneben lag, sorgte für gute Laune - und die Berührungsängste schwanden, berichten die Forscher.

"Pepper" soll bei der Sturzprävention helfen

"Die Erfahrung zeigt, dass die Senioren schnell neugierig werden und merken, dass sie Spaß mit Pepper haben können. Dadurch steigt sofort die Akzeptanz", erzählt Wieching. Als Pepper begann zu tanzen, imitierten die Senioren die Armbewegungen - auch zu Tai-Chi-Übungen konnte der Roboter sie animieren.

"Pepper" soll den Senioren schließlich auch dabei helfen, körperliche Übungen zur Prävention von Stürzen durchzuführen. Er spricht sie an, motiviert sie zum Mitmachen, erklärt die Übungen und hilft mit Kommentaren oder Tipps.

Pflegekräfte müssen den Roboter einstellen

Entwickelt wurde der Roboter in Frankreich. In Japan ist er mittlerweile Massenware. "Pepper" arbeitet dort in Shops und Supermärkten, zeigt den Kunden den Weg zum Produkt oder informiert über Preise und Inhaltsstoffe. Im Vergleich dazu sind die Deutschen weniger technikaffin. "Deutsche fühlen sich eher durch die Technik bedroht und haben Angst, dass der Roboter wie im Science-Fiction Film dem Menschen gefährlich werden kann", so Wieching.

Damit der Roboter auf die speziellen Bedürfnisse der Pflege-Patienten eingehen kann, müssen die Pflegekräfte ihn über eine App einstellen. Der Roboter muss sich beispielsweise gegenüber einer dementen Person anders verhalten als bei jemanden, der nicht mehr gut gehen kann.

Ethische, rechtliche und soziale Fragestellungen

"Das Ziel muss sein, dass Laien ohne Programmier- oder IT-Kenntnisse Pepper bedienen und konfigurieren können", meint der Projektleiter. Daran arbeiten er und sein Team. Die Siegener kooperieren dabei mit der Fachhochschule Kiel und der Waseda Universität in Tokio.

"Wir müssen noch viel gemeinsam forschen, bis die Roboter uns semi-autonom oder sogar in Teilbereichen voll-autonom in der Pflege unterstützen können", sagt Dr. Wieching. Es gehe in der Zukunft dann viel mehr auch um ethische, rechtliche und soziale Fragestellungen, nicht nur um Robotik-Programmierung.

Foto: Universität Siegen

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