Pflege: Entlastungsbetrag kaum genutzt

Ein Jahr nach der letzten Pflegereform sind viele Leistungen noch nicht bekannt. Der neu eingeführte Entlastungsbetrag von 125 Euro wird zum Beispiel bislang kaum genutzt.
Verbesserte Leistungen für Pflegebedürftige gehen im Pflegedschungel vielfach unter

Verbesserte Leistungen für Pflegebedürftige gehen im Pflegedschungel vielfach unter

Im Januar 2017 trat die letzte Pflegereform in Kraft. Neben den Pflegegraden wurden auch neue Leistungen für Pflegebedürftige eingeführt. Doch viele Angebote der Pflegekassen sind den Betroffenen gar nicht bekannt, wie jetzt eine Umfrage des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) unter 900 Pflegenden zeigt. Danach fühlen sich 33 Prozent der Befragten nicht sehr gut informiert – bei den Leistungen für sich selbst monieren sogar 44 Prozent Informationsdefizite. Folglich werden auch Angebote teilweise nicht genutzt. Der neue monatliche Entlastungsbetrag von 125 Euro in der häuslichen Pflege wurde zum Beispiel in 70 Prozent der Fälle nicht in Anspruch genommen. Dabei steht das Geld allen Pflegebedürftigen mit einem Pflegegrad zu, die zu Hause versorgt werden. Davon kann etwa Betreuungspersonal der Caritas engagiert werden, wobei die Pflegekasse direkt mit dem Anbieter abrechnet – eine Barauszahlung ist nicht möglich.

„Fühlen uns nicht gut informiert“

„Pflegende Angehörige berichten von Verbesserungen seit den Reformen. Zugleich steht zu befürchten, dass die Leistungsausweitungen noch nicht in erhofftem Maße in der häuslichen Pflege angekommen sind“, erklärt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Seiner Ansicht nach müssten die Angebote besser bekannt gemacht werden, und zwar über Beratung. „Wer weiß, welche Leistungen man bekommen kann und sie dann gezielt nutzt, kann die Pflege bestmöglich organisieren. Pflegeberatung und Pflegeschulungen sind darum sehr wichtig“, erklärte er.

Pflegeberatung ebenfalls unbekannt

In Deutschland haben Versicherte einen Anspruch auf kostenlose Pflegeberatung. In jedem Bundesland ist die Beratung allerdings etwas anders organisiert, so dass auch hier viel Unwissen besteht, wo man sich überhaupt unabhängig beraten lassen kann. In Berlin sind die Pflegestützpunkte eine Anlaufstelle. Generell beraten aber auch die Pflegekassen, die zu den Krankenkassen gehören. Sie müssen auch über unabhängige Beratungsstellen informieren.

Dass pflegende Angehörige eben auch Informationsangebote noch zu selten nutzen, bestätigt auch die ZQP-Studie: Pflegeberatung haben deutlich weniger als die Hälfte (42 Prozent) der Befragten genutzt. Einen kostenlosen Pflegekurs besucht haben sogar nur 8 Prozent der Pflegenden. „Das ist mit Sicherheit viel zu wenig, gerade angesichts der besonderen gesundheitlichen Belastungen, denen pflegende Angehörige oft ausgesetzt sind“, sagt Suhr.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Pflege , Gesundheitspolitik
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