. Blick über die Grenzen

Pflege als Wertschöpfung statt als Kostentreiber

Die Nordischen Länder könnten beim Thema Pflege Vorbild für Deutschland sein. Das machte Dr. Cornelia Heintze, die gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Studie hierzu durchgeführt hat, auf der 1. Berliner Pflegekonferenz deutlich.

Selbständig bis ins hohe Alter - Skandinavien zeigt, wie.

„Wir sind in Deutschland sehr schnell geneigt, alles unter Kostenaspekten zu betrachten.“ Dr. Cornelia Heintze, die auf der von SpectrumK veranstalteten Konferenz über internationale Pflegesysteme referierte, wollte bewusst aber den Blick auf die Wertschöpfung lenken: „Ich kann genauso gut fragen, was ein System in der Lage ist zu leisten.“ Vorbildlich seien in dieser Betrachtung die nordischen Länder, bei denen der Output im Vordergrund stehe. Prinzipiell unterstützten die skandinavischen Länder, dass ältere Menschen so lange wie möglich selbständig leben können. So erhielten auch Menschen, die nur einen geringen Unterstützungsbedarf haben – wie zum Beispiel beim Einkaufen oder bei der Hausarbeit – Assistenzleistungen. „Wer hier in Deutschland Bedarf hat, bekommt hingegen keine Unterstützung.“ Auch würde der Grundsatz Reha vor Pflege bei den Nachbarn wirklich gelebt.

In Schweden werden pflegende Angehörige von der Kommune angestellt

Heintze sprach auch das Thema Angehörigenpflege an – und die Herausforderungen in Deutschland, Pflege und Beruf unter einen Hut zu bringen. „Da muss man nur mal nach Schweden schauen: Wer sich dort als Angehöriger entscheidet, die Pflege selbst zu übernehmen, kann einen Vertrag mit der Kommune schließen und bekomme dann Lohnersatzleistungen und einen Ersatzarbeitsplatz bei der Kommune.“ Das mache die Entscheidung deutlich leichter. Darüber hinaus seien in allen skandinavischen Ländern technische Assistenzsysteme weit verbreitet – und würden vom Staat bezahlt. „Insgesamt geben die nordischen Länder etwa das Dreifache der Deutschen für Pflegleistungen aus. 

Leistungen von der GKV in die Pflegeversicherung zu verlagern, ist der falsche Weg

Dabei wird ein großer Teil der Ausgaben sogar noch ins Gesundheitssystem verlagert.“ Im Gegensatz dazu versuche man in Deutschland, möglichst viele Leistungen in die Pflege zu verlagern, was insbesondere den Grundsatz Reha vor Pflege ad absurdum führe. Dr. Heintze: „Wir müssen hier in Zukunft sehr viel stärker auch eine integrative Gesamtbetrachtung machen – und vor allem überlegen, wie wir das Thema Pflege künftig betrachten wollen – als Kostentreiber oder als Wohlstandsfaktor.“ 

Foto: Fotolia

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Pflege

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Kognitive Defizite gelten im Alter in gewisser Weise als normal. Patienten mit Herzschwäche scheinen aber schon in jüngeren Jahren ein höheres Risiko für Gedächtnisstörungen zu haben. Eine aktuelle Studie bestätigt nun den Zusammenhang.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Praxis Dr. Becker, Wittenbergplatz 2, 10789 Berlin
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.