. Periphere Durchblutungsstörungen

pAVK und Diabetes: Immer noch zu viele Amputationen

Durchblutungsstörungen der unteren Extremitäten durch pAVK oder Diabetes ziehen jedes Jahr rund 50.000 Amputationen nach sich. Dabei könnten viele dieser irreversiblen Eingriffe vermieden werden.
Bei peripheren Durchblutungsstörungen werden nicht immer alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft. Viele Amputationen sind daher überflüssig

Bei peripheren Durchblutungsstörungen werden nicht immer alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft. Viele Amputationen sind daher überflüssig

Die gute Nachricht zuerst: In den vergangenen Jahren ist Zahl der Major-Amputationen bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) leicht gesunken. Unter einer Major-Amputation versteht man eine Amputation oberhalb der Knöchelregion, etwa des ganzen des Unterschenkels. Zeitgleich wurden mehr Minor-Amputationen durchgeführt, also die Abtrennung einzelner Zehen oder des Vorfußes. So paradox es klingt, ist das ist ein Fortschritt, denn je weniger vom Fuß abgetrennt werden muss, desto besser können die Patienten laufen.  Gründe für die Senkung der Anzahl von Major-Amputationen sind laut der Deutschen Gesellschaft für Angiographie und Gefäßmedizin (DGA) ein Bewusstseinswandel innerhalb der Ärzteschaft, die verstärkte interdisziplinäre Kooperation und eine bessere und frühere Revaskularisation.

50.000 Amputationen pro Jahr!

Dennoch hält die Fachgesellschaft die Zahl von 50.000 Amputationen für zu hoch. Ein guter Teil könne vermieden werden, teilte Geschäftsführer Dr. Michael Lichtenberg mit. „Da jede Form der Amputation ein Mortalitätsrisiko mit sich bringt, gilt es auch, die Zahl von Minor-Amputationen zu verringern“, sagte er. PAVK-Patienten seien Hochrisikopatienten für Amputationen jeder Art, deshalb sei rasche und exakte gefäßmedizinische Expertise in Diagnostik und Therapie absolut wichtig. Ebenso sei das Einholen einer Zweitmeinung zur Vermeidung von Amputationen von herausragender Bedeutung. Nicht zuletzt ginge mit einer Reduzierung von Amputationen auch eine Senkung der Sterberate einher.

Dass noch nicht alles getan wird, um Amputationen zu vermeiden, zeigen aktuelle Daten aus Deutschland. 40 Prozent der Amputationen werden bei Patienten mit kritischer Extremitätenischämie durchgeführt, obwohl zuvor keine adäquate Bildgebung also eine CT/MR-Angiographie erfolgt ist. Der Anteil der Amputationen ohne eine vorige Revaskularisationsmaßnahme, etwa durch einen minimalinvasiven Kathetereingriff oder eine Bypass-OP, ist sogar noch höher.

Jeder fünft weiß nichts von seiner pAVK

In Deutschland leiden etwa 4,5 Millionen Menschen an Durchblutungsstörungen der Beine und des Beckens. Der Oberbegriff dafür ist periphere arterielle Verschlusskrankheit - kurz PAVK. Bei Diabetikern kommt es im Rahmen des Diabetischen Fußsyndroms ebenfalls zu Durchblutungsstörungen in Beinen und Füßen. Eine große bundesweite Studie hat gezeigt, dass jeder fünfte vom Hausarzt untersuchte Patient über 65 Jahre eine PAVK im beginnenden oder sogar fortgeschrittenen Stadium hat - ohne davon zu wissen.

Foto: © ottoblotto - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gefäßerkrankungen , Diabetes

Weitere Nachrichten zum Thema pAVK

| Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefässmedizin e.V. (DGA) wurde am 29. September für ihre Aufklärungskampagne "Verschlusssache PAVK" mit dem Health Media Award 2011 ausgezeichnet. Die Kampagne klärt über die gefährliche und oftmals unterschätzte Durchblutungsstörung der Beine und des Beckens (PAVK) auf.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.