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23.04.2020

Patienten mit COVID-19 weder zu früh noch zu spät beatmen

Patienten mit COVID-19 sollten weder zu früh noch zu spät beatmet werden. Das betont die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Experten hatten kritisiert, dass Patienten zu häufig intubiert und invasiv beatmet würden.
Beatmung, künstliche Beatmung, intubiert

Werden COVID-19-Patienten zu früh beatmet? Die Gesellschaft für Pneumologie bezog jetzt Position

Patienten mit COVID-19 sollten weder zu früh noch zu spät beatmet werden, das teilte die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) jetzt mit. Damit bezieht sie Position zu Experten-Kritik, dass Patienten zu häufig intubiert und invasiv beatmet würden. So meldete der Verband pneumologischer Kliniken (VPK), es gebe keine Hinweise darauf, dass eine Viruspneumonie durch SARS-CoV-2 unter invasiver Beatmung einen besseren Verlauf nimmt.

"Invasive Beatmung grundsätzlich schlecht"

Es sei damit zu rechnen, dass viele Patienten zu früh intubiert werden. Spontanatmung mit und ohne Beatmungsunterstützung sollte aber so lange wie möglich erhalten werden, so der VPK. Nach Zahlen aus Italien, Großbritannien und New York starb ein Großteil der beatmeten COVID-19-Patienten. "Für Patienten ist eine invasive Beatmung grundsätzlich schlecht", sagte VPK-Präsident Dr. Thomas Voshaar in der FAZ. Voshaar ist Chefarzt der Lungenklinik am Krankenhaus Bethanien in Moers.

 

Bei 20 Prozent der Patienten Erkrankung der Lunge

"Nach aktuellem Kenntnisstand ist der Verlauf bei 80 Prozent der Betroffenen mild. Bei etwa 20 Prozent der positiv getesteten Personen entwickelt sich nach den aktuellen Studien dagegen eine Erkrankung der Lunge", sagt Prof. Michael Pfeifer, Präsident der DGP und Mitautor des Positionspapiers. Drei bis fünf Prozent der Infizierten müssen intensivmedizinisch betreut werden.

COVID-19 Erkrankte durchlaufen drei Phasen der Krankheit. In der ersten Phase, der frühen Infektion, äußert sich COVID-19 vor allem in Geschmacksstörungen, Halsschmerzen, Husten und in seltenen Fällen durch Durchfall. In der zweiten Phase greift das Virus auf die Lunge über und löst Entzündungen des Lungengewebes aus, die rasch dazu führen können, dass die Sauerstoffversorgung im Körper gestört ist. In dieser Phase ist die Gabe von Sauerstoff erforderlich. Die dritte Phase ist durch schwere Lungenschäden bis hin zum Organversagen gekennzeichnet. Spätestens in dieser Phase müssen viele Patienten apparativ unterstützt werden - bis hin zur kontrollierten Beatmung über einen Tubus (Schlauch).

Patienten mit COVID-19 weder zu früh noch zu spät beatmen

Patienten mit COVID-19 weder zu früh noch zu spät beatmen: "Entscheidend ist es, jede dieser Maßnahmen rechtzeitig zu ergreifen", sagt Dr. Michael Westhoff, stellvertretender Sprecher des Kompetenznetzwerks WeanNet und Mitautor des Positionspapieres. "Um festzustellen, in welcher Phase der Erkrankung sich ein COVID-19-Patient befindet und wie schwer sein Lungengewebe bereits geschädigt ist, muss ein Patient eingehend untersucht und im Verlauf engmaschig überwacht werden", so der Experte weiter.

Eine Röntgen- beziehungsweise CT-Untersuchung und Blutgasanalyse geben Aufschluss über das Ausmaß der Lungenschäden. Ein strenges Monitoring der Vital- und Blutwerte helfe dabei, die Entwicklung eines Lungenversagens, wie auch weiterer Organschädigungen festzustellen und frühzeitig behandeln zu können.

Heilungsprozess dauert danach eventuell länger

Die Fachgesellschaft tritt in ihrem Positionspapier Behauptungen entgegen, Patienten würde durch die Beatmung Schaden zugefügt. "Eine künstliche Beatmung löst nicht grundsätzlich bleibende Gesundheitsschäden an der Lunge aus", so Prof. Torsten Bauer, stellvertretender Präsident der DGP und Mitautor des Positionspapieres.

"Zwar gibt es Patienten, bei denen der Heilungsprozess nach einer solchen Beatmung länger dauert, einer vollständigen, möglicherweise durch Reha-Maßnahmen begleiteten Genesung steht jedoch in der Regel nichts im Wege." Bei schweren Verläufen von COVID-19 sei die Beatmung unabdingbar: "Sie ist eine lebensrettende Maßnahme für Menschen mit einer sehr schweren COVID-19-Erkrankung", betonen die DGP-Experten.

Foto: Adobe Stock/CMP

Autor: bab
Hauptkategorie: Corona
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