. Neurologische Erkrankungen

Parkinson: Verhaltensstörung durch Dopaminagonisten tritt häufig auf

Bei Parkinson-Patienten kann es als Nebenwirkung der Medikamente häufiger zu einer Verhaltensstörung kommen als gedacht. Vor allem Dopaminagonisten sind dafür verantwortlich.
roulette, glücksspiel, spielsucht, kasino

Dopaminagonisten können die Impulskontrolle stören und zu Suchtverhalten führen

Bei Parkinson-Patienten kann es als Nebenwirkung der Medikamenten-Therapie häufiger zu einer Verhaltensstörung kommen als gedacht. Das Risiko, eine Impulskontrollstörung zu entwickeln, beträgt fast 50 Prozent. Das ergab eine Studie von Forschern des Hôpital Pitié-Salpêtrière in Paris.

Längstens fünf Jahre lang beobachteten die Wissenschaftler eine Kohorte von 411 Parkinson-Patienten mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren. Die Verhaltensstörungen in Form von Spiel-Sucht, Kaufsucht oder Hypersexualität betrafen fast die Hälfte der Probanden und waren abhängig von Dosis und Dauer der Therapie.

Botenstoff Dopamin muss ersetzt werden

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung. Sie ist gekennzeichnet durch motorische Symptome wie  Zittern, Langsamkeit und Steifheit. Ursache ist das Absterben jener Nervenzellen im Gehirn, die den wichtigen Botenstoff Dopamin produzieren. Behandelt wird sie unter anderen mit L-Dopa oder Dopaminagonisten.

Inbesondere bei den Dopaminagonisten wurde bereits über Verhaltensstörungen berichtet. Die Häufigkeit wurde bislang auf etwa 15 Prozent geschätzt. Die französischen Forscher kommen zu einem anderen Ergebnis. Für ihre Studie wurden die Patienten einmal im Jahr von einem Neurologen untersucht, der die Symptome der Krankheit, die Art der Behandlung und das Vorhandensein von Verhaltensstörungen dokumentierte.

 

Parkinson: Verhaltensstörung durch Dopaminagonisten häufig

Die Verhaltensstörungen zeigte sich häufiger als gedacht. Zu Beginn der Studie wiesen 20 Prozent der Parkinson-Patienten Impulskontrollstörungen in Form von Essstörung (11 Prozent), zwanghaftem Sexualverhalten (9 Prozent), zwanghaftem Einkaufen (5 Prozent) und Spielsucht (4 Prozent) auf. Nach fünf Jahren waren bereits 33 Prozent der Patienten davon betroffen.

Bei den Patienten, die beim Eintritt in die Studie keine Impulskontrollstörungen hatten, entwickelte sogar fast die Hälfte (46 Prozent) innerhalb von fünf Jahren Verhaltensstörungen. Bei Patienten, die mit einem Dopaminagonisten behandelt wurden, waren es 52 Prozent. Bei Patienten, die ein anderes Medikament erhielten, 12 Prozent.

Nach dem Absetzen können die Symptome verschwinden

Darüber hinaus wurde eine signifikante Beziehung zwischen der kumulativen Dosis von Dopaminagonisten und dem Auftreten von Verhaltensstörungen beobachtet. Das Fazit der Forscher: Bei der Behandlung sollte sorgältig auf entsprechende Auffälligkeiten geachtet werden. Nach dem Absetzen der Dopaminagonisten können die Symptome verschwinden. Die Studie wurde im Fachmagazin Neurology veröffentlicht.

Foto: Kai Krueger/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Parkinson
 

Weitere Nachrichten zum Thema Parkinson

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Listerien, EHEC-Erreger, Campylobacter – in Fleisch und Wurstprodukten stecken jede Menge Krankheitserreger. Das Zoonosen-Monitoring 2017 zieht eine unappetitliche Bilanz. Dabei wurden nur Stichproben ausgewertet. Die Wahrheit könnte noch viel schlimmer sein.
Das Medulloblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der meist im Kleinkindes- und Kindesalter auftritt. Forscher der Universität Bonn haben nun gemeinsam mit einem internationalen Team eine Form der Erkrankung identifiziert, die besonders gute Heilungschancen aufweist. Unter Umständen kann man den Betroffenen zukünftig mit einer deutlich schonenderen Behandlung helfen als bisher.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35 10717 Berlin, Mehrzweckraum (EG)
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.