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20.03.2019

Organspende: Mehrheit der Deutschen lehnt Widerspruchslösung ab

Die Widerspruchslösung bei Organspenden ist politisch umstritten. Und was sagt die Bevölkerung? Nach einer aktuellen Umfrage lehnt die Mehrheit eine solche Regelung ab.
Organspende, Widerspruchslösung

Umfrage zur Organspende: Die Widerspruchslösung wird nur von einer Minderheit favorisiert

Wären Sie grundsätzlich bereit, Ihre Organe nach dem Tod zu spenden? Diese Frage hat die Schwenninger Krankenkasse 1.068 Bundesbürgern ab 18 Jahren gestellt. Gut 70 Prozent der Befragten antworteten mit Ja. Die repräsentative Umfrage zeigt, dass die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung durchaus groß ist. Bloß wollen die Menschen vorher gefragt werden: 56 Prozent der Befragten möchten der Organspende zu Lebzeiten ausdrücklich selbst zugestimmt haben. Eine Widerspruchsregelung, nach der jeder als Spender gilt, der eine Organspende nicht ausdrücklich ablehnt, wird mehrheitlich abgelehnt. Nur jeder Dritte stimmte einer Widerspruchslösung zu.

Baerbock hat verfassungsrechtliche Bedenken

Vergangene Woche meldete Grünen-Chefin Annalena Baerbock verfassungsrechtliche Bedenken an. "Die Widerspruchslösung ist ein tiefer Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Menschen", sagte die Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen letzten Donnerstag im ARD-Mittagsmagazin. In allen anderen Bereichen gelte immer aus dem Grundgesetz heraus der Ansatz, dass Menschen selbst aktiv werden müssten. "Nur hier, wo es wirklich um einen Eingriff in die eigenen Organe geht, will man das umkehren", kritisierte Baerbock, die auch Bundestagsabgeordnete ist.

Stattdessen schlägt die Grünen-Chefin vor, die Spendenbereitschaft aktiv abzufragen, etwa beim Abholen eines Personalausweises. "Die hohe Spendenbereitschaft, die da ist, sollten wir nicht mit einem Vorschlag kaputt machen, der die Menschen vor den Kopf stößt, sondern den vielen Menschen, die spenden wollen, das ganz einfach ermöglichen", ergänzte Baerbock,

 

Jeder zweite fühlt sich schlecht informiert

Allerdings zeigt die aktuelle Umfrage, dass sich jeder zweite schlecht über das Thema Organspende und den Hirntod schlecht informiert fühlt. Der Hirntod ist Voraussetzung für eine Organentnahme, aber für die meisten Menschen nicht begreifbar. Außerdem weiß jeder Dritte nicht, wie man zum Organspender werden kann. Und das, obwohl das Thema Organspende regelmäßig in den Medien ist.

„Seit Jahren wird über das Thema diskutiert – aber ganz offensichtlich an der Bevölkerung vorbei“, sagt Siegfried Gänsler, Vorsitzender des Vorstandes der Schwenninger Krankenkasse. „Zum einen muss die Politik die Menschen stärker mitnehmen in dieser ethisch so wichtigen Debatte. Zum anderen müssen wir alle Basisarbeit leisten und noch besser aufklären“, unterstreicht der Kassenchef.

Dabei ist in der Bevölkerung nicht nur die Bereitschaft zur Organspende da, sondern auch der Wunsch nach mehr Information zum Thema. So stimmten 70 Prozent der Befragten dem Vorschlag zu, regelmäßig von den Behörden nach der Bereitschaft zur Organspende gefragt zu werden, zum Beispiel bei der Beantragung eines Personalausweises.

Foto: Schwenniger Krankenkasse

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Berlin
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