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Omikronwelle: In diesen Berufen droht Personalmangel

Freitag, 22. Juli 2022 – Autor:
Trotz Maskenpflicht in medizinischen Einrichtungen sind die Mitarbeiter von Arztpraxen mehr als doppelt so oft von Coronainfektionen betroffen wie alle – und häufiger als die im Krankenhaus. Die AOK warnt vor Personalengpässen auch in anderen Berufen und Branchen.
Medizinische Fachangestellte mit Corona-Gesichtsschutzschild.

Innerhalb der medizinischen Berufe sind Mitarbeiter von Arztpraxen stärker von Corona-Infektionen betroffen als ihre Kollegen in Krankenhäusern, zeigen Daten der AOK-Nordost für Berlin. – Foto: AdobeStock/DC Studio

Im ersten Halbjahr haben sich dreimal so viele Menschen in Deutschland mit Covid-19 infiziert wie im gesamten Jahr zuvor, registrieren Krankenkassen. Krankenhäuser und Robert-Koch-Institut (RKI) melden stark gestiegene Zahlen bei Corona-Intensivpatienten und Todesfällen. Der Grund: die hochinfektiöse Omikron-Variante des Coronavirus. Die Folgen für die Funktionsfähigkeit verschiedener Branchen der Volkswirtschaft hat jetzt die AOK-Nordost für ihr Territorium untersucht – und prognostiziert Personalmangel auch an unerwarteten Stellen, sollten die Infektionszahlen weiter steigen.

Bisher verschonte Bereiche des Gesundheitswesens jetzt auch betroffen

„Die Omikron-Sommerwelle führt zu Personalengpässen an Krankenhäusern und Flughäfen“, heißt es in einer Mitteilung der AOK-Nordost. „Doch in Berliner Kitas und Arztpraxen haben die Beschäftigten ein noch weitaus höheres Risiko, an Corona zu erkranken.“ Auch in Bereichen des Gesundheitswesens, die bislang noch nicht im Fokus stünden, drohe mit steigenden Corona-Infektionszahlen ein Personalmangel.

 

Kita-Erzieherinnen: Höchstes Covid-19-Infektionsrisiko

Kita-Erzieherinnen hatten in diesem Jahr von allen Berufsgruppen in Berlin das höchste Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren.  15,9 Prozent aller bei der AOK-Nordost versicherten Berliner Erzieherinnen meldeten sich von Januar bis Mai dieses Jahres wegen einer ärztlich diagnostizierten Corona-Infektion bei der Arbeit krank. Erzieherinnen fielen damit rund 2,2-mal so häufig wegen Corona bei der Arbeit aus als der Durchschnitt der Beschäftigten. Im Schnitt fielen in den ersten fünf Monaten des Jahres 7,1 Prozent der Berliner AOK-Versicherten wegen einer Corona-Infektion im Job aus. In Berlin ist rund jeder Fünfte bei der AOK Nordost versichert, die Ergebnisse sind damit annähernd repräsentativ.

Hohes Infektionsrisiko in Arztpraxen am Empfang

Auch medizinische Fachangestellte, die in Arztpraxen am Empfang arbeiten, hatten mit 14,5 Prozent in Berlin ein sehr hohes Corona-Infektionsrisiko – trotz weiterhin bestehender Maskenpflicht in medizinischen Einrichtungen.  Berliner Arztpraxen sind damit mutmaßlich noch weitaus stärker von coronabedingten Personalausfällen betroffen als Berliner Krankenhäuser. Denn Beschäftigte in der Krankenpflege fielen mit einer Quote von 7,9 Prozent in diesem Jahr nur rund halb so oft wegen einer Covid-19-Infektion aus wie medizinische Fachangestellte.

Von Corona besonders betroffene Berufe – die Top Ten

  1. Kinderbetreuung (2,2-mal so oft krankgeschrieben wie der Durchschnitt aller Berufsgruppen)
  2. Medizinische Fachangestellte (2-mal so oft krankgeschrieben)
  3. Sozialverwaltung (2-mal so oft krankgeschrieben)
  4. Papierverarbeitung (1,9-mal so oft krankgeschrieben)
  5. Bankkaufleute (1,9-mal so oft krankgeschrieben)
  6. Physiotherapie (1,8-mal so oft krankgeschrieben)
  7. Führungskräfte Krankenpflege, Rettungsdienst, Geburtshilfe (1,8-mal so oft krankgeschrieben)
  8. Heilerziehungspflege, Sonderpädagogik (1,8-mal so oft krankgeschrieben)
  9. Sozialarbeit, Sozialpädagogik (1,7-mal so oft krankgeschrieben)
  10. Steuerberatung  (1,7-mal so oft krankgeschrieben)

In den Top Ten dominieren Gesundheits- und pädagogische Berufe

In den Top Ten der am häufigsten von Covid-19-Krankschreibungen betroffenen Berufsgruppen in Berlin dominieren weitere Gesundheitsberufe und pädagogische Berufe, also Jobs, bei denen die Beschäftigten engeren Kontakt zu anderen Menschen haben: Ein hohes Corona-Infektionsrisiko haben demnach Physiotherapeuten (13 Prozent), Führungskräfte in der Krankenpflege, dem Rettungsdienst und der Geburtshilfe (12,7 Prozent), Heilerziehungspfleger, die behinderte Menschen unterstützen (12,4 Prozent) sowie Sozialarbeiter (11,8 Prozent).

Erstmals auch Büro-Jobs in den Corona-Top-Ten

In den Top 10 finden sich in diesem Jahr aber auch Bürojobs: Berufe in der Sozialverwaltung, in der Steuerberatung sowie Bankkaufleute. Im Jahr 2020 waren solche Bürojobs laut AOK noch nicht in den Top 10 finden. „Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die Omikron-Varianten weitaus ansteckender sind als frühere Corona-Varianten und sich deshalb stärker in Großraumbüros verbreiten – und das in diesem Jahr weniger im Home-Office gearbeitet wurde als in früheren Phasen der Pandemie.“

AOK-Chefin: Auch an Flughäfen und in Büros drohen Personalausfälle

„Unsere Datenanalyse zeigt, dass angesichts steigender Omikron-Infektionszahlen nicht nur in Krankenhäusern und an Flughäfen, sondern auch in Kitas, Arztpraxen und in vielen Büroberufen mit einer steigenden Zahl an Personalausfällen zu rechnen ist. Die Bundesregierung sollte sich nun zeitnah auf eine neue Rechtsgrundlage für Corona-Schutzmaßnahmen einigen, damit im Hinblick auf den Herbst zielgenaue Schutzmaßnahmen möglich sind. Aber auch Arbeitgeber sind aufgerufen, die Erfahrungen der vergangenen Monate auszuwerten und geeignete Schutzmaßnahmen für ihre Belegschaften zu ergreifen.“ sagt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost.

Hauptkategorie: Corona
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