Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

NTRK-Genfusion: Krebsmittel Larotrectinib erhält Zulassungsempfehlung für die EU

Larotrectinib von Bayer hat eine Zulassungsempfehlung für die Europäische Union bekommen. Das gegen eine NTRK-Genfusion gerichtete Krebsmittel wäre das erste Medikament in der EU mit einer tumor-unabhängigen Indikation.
Larotrectinib, NTRK-Genfusion

Larotrectinib hemmt TRK-Fusionsproteine. Das neu Krebsmedikament könnte bald in der EU zugelassen werden

Nach Zulassungen in den USA, Kanada und Brasilien wird das Krebsmittel Larotrectinib vermutlich bald auch in der Europäischen Union zugelassen. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP, Committee for Medicinal Products for Human Use) hat soeben eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen. Larotrectinib wäre das erste Medikament in der EU mit einer tumor-unabhängigen Indikation. Der sogenannte TRK-Inhibitor wurde zur gezielten Behandlung von Tumoren mit einer NTRK-Genfusion entwickelt. Eine NTRK-Genfusion kann prinzipiell jedem soliden Tumor bei Kindern und Erwachsenen zugrunde liegen, insgesamt ist diese Veränderung aber eher selten.

NTRK-Genfusion ist ein seltenes Target bei soliden Tumoren

Für betroffene Patienten mit lokal fortgeschrittenen, metastasierten oder inoperablen soliden Tumoren könnte die Therapie mit dem zielgerichteten Medikament zusätzliche Lebensjahre bedeuten. In klinischen Studien wurde Larotrectinib in 29 verschiedenen Histologien untersucht, darunter Lungen- und Schilddrüsenkrebs, Melanom, Darmkrebs Bauchspeicheldrüsenkrebs, Gallengangskarzinome Sarkome und Hirntumore wie das Glioblastom.

 

Ansprechen mitunter länger als drei Jahre

Basis für die jetzt erfolgte Zulassungsempfehlung waren Studien mit insgesamt 102 Patienten mit einem Tumor des zentralen Nervensystems. 72 Prozent der Patienten sprachen auf das Mittel an, darunter 16 Prozent vollständig und 55 Prozent partiell. Zum Zeitpunkt der primären Datenanalyse war die mediane Dauer des Ansprechens noch nicht erreicht worden, wobei die Ansprechdauer zwischen mehr als 1,6 und mehr als 38,7 Monaten lag. Bei 75 Prozent der Patienten, die auf das Medikament ansprachen, dauerte das Ansprechen 12 Monate oder länger an. 88 Prozent der behandelten Patienten lebten noch ein Jahr nach dem Beginn der Behandlung. Die mediane Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung bzw. zum Tod (medianes progressions-freies Überleben, PFS) war zum Zeitpunkt der Datenanalyse ebenfalls noch nicht erreicht.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten Anämie, Gewichtszunahme, Fatigue, Schwindelgefühl, Parästhesie, Übelkeit, Myalgie und erniedrigte Leukozytenzahl. Drei Prozent der Patienten mussten die Behandlung aufgrund von unerwünschten Nebenwirkungen abbrechen.

Spezielle Diagnostik erforderlich

TRK-Fusionstumore entstehen, wenn sich  eines der neurotrophen Tyrosin-Rezeptor-Kinase (NTRK)-Gene sich auf abnorme Weise mit einem anderen, nicht zusammenhängenden Gen verbindet. Dadurch wird ein anomales Protein, das TRK-Fusionsprotein, aktiv, das zu unkontrolliertem Zellwachstum führt. Die Diagnostik erfolgt mit speziellen Testmethoden, etwa dem Next Generation Sequencing.

Ob Larotrectinib in der EU zugelassen wird, wird die Europäische Kommission in den nächsten Monaten entscheiden.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hirntumor , Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Krebstherapie

25.02.2016

Der rote Faden des Deutschen Krebskongress 2016 ist die 4P-Medizin: präventiv, personalisiert, präzise und partizipativ. Bis das neue Konzept verwirklicht wird, ist allerdings noch ein dickes Brett zu bohren, wie am ersten Kongresstag zu hören war.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Sie wiegen so viel wie unser Gehirn und viel mehr als unser Herz – und sind genauso lebenswichtig: die Darmbakterien. Sie verdauen unser Essen, entsorgen Giftstoffe und schützen uns als Teil des Immunsystems vor Krankheitserregern. Mit seiner Ernährung hat es der Mensch selbst in der Hand, ob er dieses unsichtbare „Organ“ schwächt – oder stärkt.

Für Babys ist liebevolle Berührung existenziell: um sich geborgen zu fühlen, physisch und psychisch zu gedeihen und später normale Beziehungen eingehen zu können. Zwischenmenschliche Berührung wirkt auf sie wie ein sanftes Arzneimittel: Sie verlangsamt den Herzschlag, baut Stress ab und führt im Körper zu Entspannung.

 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin