. Neues Projekt der Betriebskrankenkassen

Notfallhilfe bei Herzstillstand sollte selbstverständlich sein

Wer in Deutschland einen Herzstillstand erleidet, kann nur selten auf die Hilfe umstehender Laien hoffen. In Skandinavien es das dagegen fast selbstverständlich, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand beherzt einzugreifen und zu helfen. Das Vorbild soll jetzt auch in Deutschland Schule machen.
Notfallhilfe bei Herzstillstand

Hand aufs Herz: Laien üben die Herzdruckmassage.

Nur jeder Dritte führt in Deutschland im Notfall eine Herzdruckmassage durch. Damit ist der Anteil der Laienhelfer   zwar schon höher als vor neun Jahren. Damals war Deutschland nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) mit einer Laien-Reanimationsquote von 16 Prozent europäisches Schlusslicht. Aber es ist immer noch zu wenig. In Skandinavien ist die Quote mit 70 Prozent jedoch heute noch mehr als doppelt so hoch.

Nach diesem Vorbild will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gemeinsam mit 13 Fachgesellschaften, Vereinen und Hilfsorganisationen im Nationalen Aktionsbündnis Wiederbelebung auch in Deutschland die Laienhilfe bei Notfällen stärken. „Jeder von uns kann zum Lebensretter werden“, appellierte Gröhe. Wiederbelebung sei einfacher, als viele denken.

BKKen wollen Notfallhilfe bei Herzstillstand selbstverständlich machen

Was Laien tun können, wenn in ihrer Nähe jemand einen Herzinfarkt erleidet, will ein Projekt der Betriebskrankenkasse Verkehrsbauunion (BKK VBU) nun bundesweit vermitteln. Das bundesweite Projekt zur Laien-Reanimation ist unter dem Motto „Unsere Herzenssache: Laienwissen stärken – Leben retten“ Ende Juni gestartet. Andrea Galle, Vorständin der BKK VBU, vertritt die Meinung, dass Reanimation durch Laien „ein Wissens-Muss in allen Lebensbereichen ist und noch stärker in der Gesellschaft etabliert sein sollte“. Die Krankenkasse geht mit gutem Beispiel voran: In der BKK VBU haben bereits alle 1000 Mitarbeiter eine Schulung für „Reanimation durch Laien“ durchlaufen. Zusätzlich sind alle Standorte der BKK mit Defibrillatoren ausgestattet worden.

Das Projekt sieht vor, dass zunächst weitere Betriebskrankenkassen das Konzept der BKK VBU übernehmen. Danach wollen die BKKen die Schulungen in Firmen, Kitas, Schulen und Sportvereine tragen, mit denen sie kooperieren.

 

BKKen: Erste-Hilfe-Kurse sollten Kassenleistung werden

Wenn jemand einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet, zählt jede Sekunde. Deshalb ist Laienhilfe in diesem Fall so wichtig. 50.000 Menschen erleiden diesen Notfall hierzulande pro Jahr außerhalb eines Krankenhauses. „Nur 10 Prozent überleben, weil erste Hilfe unterbleibt und wesentliche Minuten vergehen, bis der Notarzt eintrifft. Ein Grund dafür ist, dass das wichtige Thema Notfallrettung durch Laien in Deutschland so gut wie gar nicht in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird“, so Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes. Es müsse selbstverständlich werden, dass jeder im Notfall helfen kann, fordert er. Dabei ist aus seiner Sicht auch der Gesetzgeber gefordert: „Erste-Hilfe-Kurse sollten selbstverständlich eine Leistung der Krankenkassen werden“, so Knieps und Galle übereinstimmend.

 

Foto: MIKA-fotografie Berlin, BKK VBU

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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