Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
08.10.2020

Nobelpreis für Berliner Forscherin, die Genschere Crispr/Cas9 entdeckte

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an eine Berliner Forscherin: Prof. Emmanuelle Charpentier, Direktorin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene, wird für ihre Entdeckung der Genschere Crispr/Cas9 ausgezeichnet.
Prof. Emmanuelle Charpentier

Prof. Emmanuelle Charpentier leitet in Berlin die Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an eine Berliner Forscherin: Prof. Emmanuelle Charpentier, Direktorin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene, wird für ihre Entdeckung der Genschere Crispr/Cas9 ausgezeichnet. Sie teilt sich den Preis mit Jennifer Doudna, Molekularbiologin an der University of California, Berkeley.

"Die Auszeichnung unterstreicht die Bedeutung der Grundlagenforschung im Bereich der Mikrobiologie", sagte Charpentier in einer Mitteilung des Max-Planck-Instituts. In der Medizin, Biotechnologie und Landwirtschaft gilt die Crispr/Cas9-Technologie als Revolution. Mit diesem Werkzeug lässt sich jede beliebige Gensequenz in den Zellen lebender Organismen -  Pflanzen, Tiere, Menschen - verändern.

Mit Crispr-Cas9 wehren Bakterien Angriffe von Viren ab

Crispr/Cas9 ist in den 2000er Jahren entdeckt worden - und zwar als ein adaptives Immunsystem von Bakterien, um Angriffe von Viren abzuwehren. Im Jahr 2011 veröffentlichte Emmanuelle Charpentier eine Studie, in der sie die Aktivierung von Crispr/Cas9 im Bakterium Streptococcus pyogenes beschrieb. Nach einem Viren-Angriff baut das Bakterium Viren-Erbgut in sein Erbgut ein. Greift das Virus erneut an, wird dessen Erbgut erkannt und zerschnitten.

Ein Jahr später konnten die Forscher zeigen, dass Crispr/Cas9 DNA sequenzspezifisch schneiden kann. Das System wurde dann zu einem präzisen Genwerkzeug entwickelt, das fehlerhafte DNA korrigieren kann, ähnlich einer Textbearbeitungssoftware, die Tippfehler in einem Dokument bearbeitet oder korrigiert.

 

Crispr/Cas9 zur Bekämpfung von Krankheiten einsetzen

Wie genau das Crispr/Cas9-System die DNA gezielt ansteuert, sowie ein Leitfaden, wie es als vielseitiges genetisches Werkzeug zur Veränderung des Erbguts verwendet werden kann, hat Emmanuelle Charpentier 2012 zusammen mit der US-Forscherin Jennifer Doudna in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Im medizinischen Bereich wird es in den nächsten Jahren darum gehen, die Crispr/Cas9-Technologie in sichere und effektive Therapien für schwerwiegende Erkrankungen zu überführen, wie zum Beispiel die Sichelzellanämie, für die es aktuell keine Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Nobelpreis für Berliner Forscherin, die Genschere Crispr/Cas9 entdeckte

Forscher weltweit haben Crispr/Cas9 seither weiterentwickelt. Mit zwei US-Forschern gibt es derzeit einen Streit um Patent-Rechte. Ein chinesischer Wissenschaftler gab an, damit das Erbgut von Embryonen verändert zu haben, was als unethisch kritisiert wurde.

Nobelpreis für Berliner Forscherin, die Genschere Crispr/Cas9 entdeckte: Charpentier studierte Biochemie, Mikrobiologie und Genetik an der Universität Pierre und Marie Curie (jetzt Universität Sorbonne) in Paris, und promovierte dort mit Forschungsarbeiten, die sie am Institut Pasteur durchführte. Nach Stationen in den USA, Wien - wo sie habilitierte - Schweden, Braunschweig und Hannover kam sie nach Berlin.

Foto: Max-Planck-Institut

Autor: bab
 

Weitere Nachrichten zum Thema Genschere

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Im Profi-Sport wird den Zellbausteinen seit ein paar Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Durch spezielle Trainingsmaßnahmen und Nahrungsergänzungsmittel lässt sich die körperliche Leistungsfähigkeit offenbar enorm steigern.

Mitarbeiter im Gesundheitswesen kämpfen an vorderster Front: Viele kamen während der Pandemie an die Grenzen dessen, was Menschen aushalten können. Eine Studie der Universität Bonn zeigt: Besonders in einer Berufsgruppe haben Ängste und Depressionen behandlungsbedürftige Dimensionen erreicht.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin