. Hirntumorforschung

Neues 3-D Zellkulturmodell verspricht weniger Tierversuche

Dem Hirntumor beim Wachsen zusehen, neue Medikamente testen: Mit einer 3D-Zellkulturtechnik soll dies jetzt unter realistischen klinischen Bedingungen möglich sein. Viele Tierversuche könnten künftig entfallen.
Macht Vorgänge in Gliomen sichtbar: die neue 3D-Zellkulturtechnik VOGIM

Macht Vorgänge in Gliomen sichtbar: die neue 3D-Zellkulturtechnik VOGIM

Versuchstiere gelten in der medizinischen Forschung als unverzichtbar. Doch die eine oder andere Entwicklung trägt dazu bei, zumindest die Zahl der verwendeten Tiere zu reduzieren. Das versprechen jetzt auch Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg. Im Fachjournal „ONCOTARGET“ berichtet das Forscherteam um den Neurowissenschaftler PD Dr. Nicolai Savaskan von einer neuen 3D-Zellkulturtechnik namens VOGiM (Vascular Organotypic Glioma Impact Model). Das neue Modell soll in der Lage sein, die Vorgänge des Wachstums von Hirntumoren einschließlich der Gefäßneubildung direkt in Echtzeit unter klinisch realistischen Bedingungen zu studieren, und zwar ohne aufwändige Tierversuche. Auch die Wirkungen und Nebenwirkungen neuer Medikamente und Therapien lassen sich den Forschern zufolge damit direkt analysieren, „schneller und besser als mit Hilfe von konventionellen Zellkulturtechniken“, wie Studienleiter Dr. Nic Savaskan betont.

Gliomwachstum in Echtzeit im Blick

„Auch wenn mit dem VOGiM nicht komplett auf Tierversuche verzichtet werden kann, ist dies eine großartige Plattform“, so Savaskan. „Mit ihr können neue Medikamente und Moleküle auf ihre Wirksamkeit gegen Gliome, also Tumore des zentralen Nervensystems, reproduzierbar und relativ zügig getestet werden.“ Ebenso könnten die Nebenwirkungen so gut wie jeden Medikaments können damit erforscht werden.

Bei dem Modell kommen Gewebeproben von Nagetierhirnen zum Einsatz, die mit Tumorzellen mit fluoreszierenden Reportergenen infiziert werden. Im Experiment werden dann das Wachstum von Tumorzellen und Blutgefäßen, Reaktionen des Immunsystems, das Absterben von Zellen beobachtet sowie der Einfluss von Medikamenten auf diese Entwicklungen getestet.

 

Das Ziel sind neue Medikamente

Das Forscherteam will die Methode nutzen, um neue Hybridmoleküle aus der Pflanzen- und Tierwelt zu überprüfen und damit rasch neue Behandlungsstrategien für Gliome zu entwickeln. Die Ergebnisse der Studie „A versatile ex vivo technique for assaying tumor angiogenesis and microglia in the brain“, wurden in ONCOTARGET 2015.DOI: 10.18632/oncotarget.6550 veröffentlicht.

Foto ©FAU: Das zeigt VOGiM: Tumor-induzierter Zelltod und die Tumorzonen 1 und 2. Dargestellt ist der Tumor in grün, geschädigte Neuronen in rot und Zellkerne in blau

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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