. Hyposensibilisierung

Neuer Weg gegen Nahrungsmittelallergie

Etwa fünf Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter einer Nahrungsmittelallergie. Bisher war eine Hyposensibilisierung kaum möglich. Jetzt haben Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts eine neue Methode entwickelt.
Nahrungsmittelallergie

Viele Menschen haben eine Allergie gegen Hühnereiweiß.

Weltweit nimmt die Zahl der Allergiker zu, insbesondere in Industrieländern. Von Nahrungsmittelallergien sind Schätzungen zufolge ungefähr fünf Prozent der Kinder und drei bis vier Prozent der Erwachsenen betroffen. Einige Untersuchungen gehen sogar von bis zu zehn Prozent der Bevölkerung aus, die eine Allergie gegen Lebensmittel aufweisen. Die häufigste Nahrungsmittelallergie in Deutschland ist die Milch- und Ei-Allergie.

Hyposensibilisierung bei Nahrungsmittelallergien

Bisher war bei Nahrungsmittelallergien eine Hyposensibilisierung mit Proteinextrakten wie bei einer Pollenallergie nicht etabliert, auch weil das Risiko eines anaphylaktischen Schocks zu hoch war. Daher galt es als  „Therapie der Wahl“ bislang, den Auslöser zu vermeiden. Nun haben Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) einen völlig anderen Weg der Hyposensibilisierung beschritten. Mit dem modifizierten Vacciniavirus Ankara (MVA), einem abgewandelten Impfvirus, das sich in vielen klinischen Prüfungen in der Infektionsmedizin bereits als sicher erwiesen hat, sollen die allergieauslösenden Antikörper in Schach gehalten werden.

Information des Allergens wird in körpereigene Zellen transportiert

Bei der etablierten Hyposensibilisierung wie beispielsweise gegen Gräserpollen werden die Allergenextrakte direkt verwendet. Mit Hilfe von MVA wird jedoch die genetische Information des Allergens, an das der Körper gewöhnt werden soll, in antigen­präsentierende Zellen des Körpers transportiert und erst dort in Protein übersetzt. Somit kommt bei der neuen Methode das Immunsystem erst bei der Präsentation von Allergenfragmenten auf der Oberfläche spezifischer Zellen mit dem Allergen in Kontakt. Dadurch sind schwere allergische Reaktionen wie bei der direkten Zufuhr des Allergens über die Nahrung nicht zu erwarten.

Die Forscher konnten zeigen, dass nach der Impfung von Mäusen mit MVA die massive Zunahme allergieauslösender IgE-Antikörper trotz Aufnahme des Allergens ausblieb. Zudem kam es nicht zu den sonst auftretenden entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut. Bei der Untersuchung der lokalen Immunantwort im Dünndarm konnten die Forscher darüber hinaus nachweisen, dass die unerwünschte Antwort der TH2-Helferzellen gehemmt und die gewünschte TH1-Helferzellantwort gefördert wurde. „Das ist das, was wir bei einer Allergiebehandlung sehen wollen, eine Suppression der IgE-Antwort und eine Erhöhung der TH1-Immunantwort“, erklärt Dr. Stephan Scheurer, Leiter des Fachgebiets „Rekombinante Allergentherapeutika“ des PEI. Die Wissenschaftler wollen nun in weiteren Studien prüfen, wie lange der Allergieschutz anhält und ob sich mit diesem Therapieansatz bereits vorhandene Allergien erfolgreich behandeln lassen.

Ursachen für Nahrungsmittelallergien noch unbekannt

Eine Allergie stellt meistens eine Antwort des Immunsystems auf das Eindringen körperfremder Substanzen (meist Proteine) dar. Der erste Kontakt mit der auslösenden Substanz, dem Allergen (=Antigen), verläuft ohne äußere Symptome; es kommt aber im Körper zur Bildung eines Antikörpers. Bei einem erneuten Kontakt verbinden sich dann Antigen und Antikörper und bewirken die Bildung von entzündungsfördernden Substanzen, die die allergische Reaktion hervorrufen.

Warum Nahrungsmittelallergien immer häufiger werden, ist noch nicht vollständig erforscht. Vermutet wird aber zum einen, dass das Immunsystem nicht ausreichend trainiert wird, da Kinder nur noch selten mit Infektionen in Berührung kommen. Einer anderen Vermutung zufolge ist die Tatsache, dass Menschen schon ab frühestem Säuglingsalter immer häufiger Stoffen wie beispielsweise Medikamenten, Kosmetika, exotischen Früchten und Gewürzen begegnen, der Grund für die Zunahme von Nahrungsmittelallergien.

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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