Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
21.06.2020

Neuer Fleischersatz mit natürlichem Vitamin B 12 soll vegetarische Ernährung verbessern

Vegetarische Ernährung liegt voll im Trend. Und es gibt gute Gründe, auf Fleisch zu verzichten. Soja ist allerdings keine nachhaltige Alternative. Forscher basteln jetzt an einem besseren Fleischersatz, der natürliches Vitamin B 12 und D enthalten soll.
Eine vegane Fleischalternative nutzt Obst- und Gemüsereste. Durch bestimmte Gärungsprozesse entsteht natürliches Vitamin B12

Eine vegane Fleischalternative nutzt Obst- und Gemüsereste. Durch bestimmte Gärungsprozesse entsteht natürliches Vitamin B12

Schreckliche Massentierhaltungsbedingungen, Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen - immer mehr Menschen vergeht der Appetit auf Fleisch. Laut aktuellen Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind sechs Prozent der Bundesbürger Vegetarier oder Veganer – Tendenz steigend. Viele Menschen verringern zudem ihren Fleischverbrauch. Damit schlagen sie gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Sie tun etwas, für die Tiere, die Umwelt und für ihre Gesundheit.

Soja geht auf Kosten des Regenwalds

Die Industrie hat das Potenzial erkannt und füllt die Supermarktregale mit Fleischersatzprodukten wie Weizenbratlingen oder herzhaften Spezialitäten aus Soja. Soja ist jedoch fast genauso wenig nachhaltig wie Fleisch, weil für dessen Anbau Regenwald gerodet werden muss und Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

 

Vegetarier und Veganer müssen Vitamin B12 ersetzen

Pflanzliche Ernährung gilt zwar generell als viele gesünder, enthält aber kein Vitamin B12, das bei vielen Vorgängen im menschlichen Körper eine wichtige Rolle spielt. Vegetarier und Veganer müssen vor allem dieses Vitamin durch entsprechende B-Präparate ersetzen und auch auf ihre Eisen- und Vitamine-D-Werte achten. Vitamin B ist ausschließlich in Fleisch enthalten, Vitamin D dagegen hauptsächlich in Fisch.

Neuer Fleischersatz enthält natürliche Vitamine

Eine neue Fleischalternative der Hochschule Hamm-Lippstadt soll nun beide Vitamine enthalten. Dafür werden Pilze, Obst- und Gemüsereste, zum Beispiel aus der Saftproduktion, fermentiert und mit Hilfe von ultraviolettem Licht eine in den Pilzen enthaltene natürliche Substanz zu Vitamin D2 umgewandelt. „Darüber hinaus reichern Mikroorganismen das Produkt auf natürliche Weise mit B12 an und machen so die Zugabe künstlicher Vitamine überflüssig“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Thomas Kirner. Es entstehe eine protein- und vitaminreiche vegane Biomasse, die man zu einem leckeren Fleischersatz weiterverarbeiten könne.

Regionale Obst- und Gemüsereste verwertet

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit 425.000 Euro, das die Hochschule Hamm-Lippstadt in Kooperation mit Quh-Lab Lebensmittelsicherheit (Siegen) und Oltmer Food Consulting (Edewecht) durchführt. „Mit diesem Verfahren kann die Versorgung mit lebenswichtigen Vitaminen bei rein pflanzlicher Ernährung leichter sichergestellt werden“, erläutert der DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. "Durch das Verwenden regional anfallender Reststoffe aus der Getränke- und Lebensmittelproduktion können diese nutzbar gemacht, lange Transportwege vermieden und der ländliche Raum aufgewertet werden."

Im Labor soll die Methode bereits erfolgreich getestet worden sein. Jetzt müssen die Forscher noch einen einheitlichen Prozess zu entwickeln, damit der Fleischersatz auch immer die Vitamine enthält, die er verspricht.

Foto: © Adobe Stock/Karoline Thalhofer

Autor: ham
Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Vegetarisceh Ernährung

15.02.2020

Vegetarier leiden weniger oft an Übergewicht, bekommen seltener einen Herzinfarkt und leisten einen Beitrag zum Klima- und Tierschutz, indem sie die Fleischindustrie nicht in Anspruch nehmen. Obst, Gemüse, Salat und Nüsse zu essen hat aber noch einen weiteren Vorteil: mehr Erfolg im Liebesleben.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Der Wirkstoff Nusinersen zur Behandlung von spinaler Muskelatrophie (SMA) hat nach Einschätzung des IQWiG einen erheblichen Zusatznutzen für Kinder mit SMA Typ1. Die Kinder mit einem frühen Krankheitsbeginn profitieren demnach von einer lebensverlängernden Behandlung.

Der AstraZeneca-Impfstoff ist jetzt auch für Senioren zugelassen. Damit könnten die älteren Corona-Risikogruppen schneller durchgeimpft werden. Über Härtefalle, die aus ärztlicher Sicht eine vorzeitige Impfung benötigen, entscheidet in Berlin eine neue Clearingstelle.

Frust-Essen, mehr Alkohol, unfreiwillige Häuslichkeit, weniger Bewegung: Die COVID-19-Pandemie hinterlässt auch bei Gesunden ihre Spuren. 43 Prozent der Verbraucher haben zugenommen – um 5,5 Kilo im Schnitt. Bei jedem Siebten sind es sogar 10 Kilo oder mehr. Das zeigt eine INSA-Umfrage des rbb für sein Sendegebiet Berlin/Brandenburg.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin