Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
04.05.2012

Neue Therapieoption für Bluthochdruck-Patienten

Wenn mit Medikamenten keine ausreichende Blutdrucksenkung mehr möglich ist, kann eine Nierennerven-Deaktivierung helfen. 80 Prozent der Behandelten haben nach dem minimal invasiven Eingriff einen besseren Blutdruck.
Neue Therapieoption für Bluthochdruck-Patienten

Helios

Mit 35 Millionen Hypertonikern in Deutschland gehört die arterielle Hypertonie - der behandlungsbedürftige Bluthochdruck - zu den grossen Volkskrankheiten. Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga werden mehr als 70 Prozent der Hypertoniker nicht effektiv behandelt, das heisst sie erreichen keine guten Blutdruckwerte.

Bei mindestens einem Prozent der Hypertoniker liegt ein schwer einstellbarer Bluthochdruck vor, die so genannte therapierefraktäre arterielle Hypertonie. Diese Patienten erreichen trotz Einnahme von mindestens drei verschiedenen Blutdrucksenkern keine guten Blutdruckwerte, die laut Hochdruckliga unter 140 / 90 mm Hg liegen sollten. Viele Patienten müssen bis zu fünf verschiedene Medikamente nehmen und trotzdem ist der Blutdruck nicht gut eingestellt. Bei so vielen Medikamenten kommt es häufig zu unerwünschten Nebenwirkungen, die die Behandlung sogar gefährden können.

Blutdruck senken: Alternativen

Ein nicht adäquat eingestellter Blutdruck bedeutet für die Patienten aber auf Dauer ein erhebliches gesundheitliches Risiko. "Patienten mit dauerhaft unkontrolliertem Blutdruck sind einem erhöhten Risiko von schweren Herz-Kreislauf-Krankheiten ausgesetzt", betont Prof. Dr. Rüdiger Blindt Herzspezialist und Leiter des Herzkatheterlabors von Kardio Bremen.

Patienten mit einer therapierefraktären arteriellen Hypertonie steht heute eine vielversprechende, alternative Möglichkeit zur Verfügung, um den Blutdruck effizient zu senken: die Nierennerven-Deaktivierung, auch renale Sympathikusdenervierung genannt. Das Verfahren ist neu: Seit 2009 wurden weltweit erst mehrere Hundert dieser Eingriffe durchgeführt.

 

Feinste Nervengeflechte rund um die Nierenschlagader werden verödet

Bei dem minimal-invasiven Eingriff wird über die Leistenschlagader im Oberschenkel ein Katheter zunächst in die eine, dann in die andere Nierenarterie geschoben. Dort werden Wärmeimpulse gesetzt, mit denen die sympathischen Nervenfasern entlang der Nierenarterien zerstört werden. Dabei werden weder die Blutgefässe noch die Gefässinnenhaut verletzt. Danach wird der Katheter wieder entfernt, im Körper bleibt kein Implantat zurück.

Nach Angaben von Prof. Dr. Martin Hausberg, Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga, erreichen mehr als 80 Prozent der behandelten Patienten durch den Eingriff eine dauerhafte Blutdrucksenkung. "Wichtig ist, dass die Nierennerven-Deaktivierung nicht die medikamentöse Bluthochdrucktherapie ersetzt. Fast alle behandelten Patienten müssen auch nach dem Eingriff täglich mehrere blutdrucksenkenden Medikamente einnehmen", so Prof. Hausberg. Die Nierennerven-Deaktivierung erlaube aber zusammen mit der medikamentösen Therapie eine ausreichende Blutdruckeinstellung. Die derzeit bekannte Komplikationsrate sei äusserst gering.

Nierennerven-Deaktivierung als dauerhafte Lösung

Der Hochdruck-Spezialist betont aber, dass sich das Verfahren der Nierennerven-Deaktivierung derzeit noch im experimentellen Stadium befindet. Die Zahl der bislang im Rahmen von Studien behandelten Patienten ist vergleichsweise gering und Langzeitdaten gibt es noch nicht.

Vorerst ist die renale Denervation nur für Patienten mit massiv erhöhten Blutdruckwerten zugelassen, die bei denen ein schwer einstellbarer Bluthochdruck nachgewiesen wurde und eine sekundäre Hypertonie ausgeschlossen wurde. Voraussetzung ist auch, dass ihre Nierengefässe normal ausgebildet sind und die Nierenfunktion nicht wesentlich eingeschränkt ist.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Bluthochdruck
 

Weitere Nachrichten zum Thema Bluthochdruck

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Alkohol ist ein Zellgift, das offenbar auch Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass sich selbst bei ansonsten gesunden Menschen das Risiko für Vorhofflimmern signifikant erhöht. Demnach haben schon kleine Mengen einen negativen Effekt.

Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin