Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
28.10.2019

Neue Therapie gegen kreisrunden Haarausfall in Erprobung

Wissenschaftler untersuchen derzeit eine neue Therapie gegen kreisrunden Haarausfall. Nanopartikel könnten die Medikamente direkt in die Haarfollikel schleusen.
Kreisrunder Haarausfall ist belastend. Eine neue Therapie setzt auf Nanopartikel

Kreisrunder Haarausfall ist belastend. Eine neue Therapie setzt auf Nanopartikel

Frauen können genauso davon betroffen sein wie Männer: Rund zwei Prozent der Weltbevölkerung leiden an kreisrundem Haarausfall. Ursache für den unumkehrbaren Haarverlust, den Mediziner „Alopezia Areata“ nennen, sind Entzündungen auf der Kopfhaut. Hierbei werden Botenstoffe freigesetzt, die den Haarfollikeln mitteilen, keine Haare mehr zu produzieren.

Betroffene bekommen meist Kortisonpräparate in Form von Tabletten oder Haarwassern verschrieben, manchmal auch stärkere Mittel. Die Medikamente verursachen jedoch oft starke Nebenwirkungen. Wissenschaftler der Universität des Saarlandes erproben darum eine neue, nebenwirkungsärmere Therapie. Der Ansatz: Biologisch abbaubare Nanopartikel könnten die Wirkstoffe direkt in die Haarfollikel bringen, also an jenen Ort, wo die Haar verankert sind und der Haarschaft produziert wird. Auf diese Weise könnten möglichst viele Wirkstoffe in die Haarfollikel eindringen, die Arzneimittelbelastung würde aber reduziert, meint Professor Claus-Michael Lehr vom Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS).

Nanopartikel in Haarfollikel der Kopfhaut geschleust

Dass es überhaupt möglich ist, Nanopartikel in Haarfollikel der Kopfhaut einzuschleusen, haben die Forscher jetzt erstmals in einer Studie an gesunden Probanden als auch an Patienten mit kreisrundem Haarausfall zeigen können. Hierfür wurden die bio-kompatiblen Nanopartikel mit einem fluoreszierenden Farbstoff markiert. „Wir konnten zeigen, dass das, was für Unterarme und die Haut des Schweineohrs gilt, auch für das Haupthaar zutrifft – selbst dann, wenn das Haar erkrankt ist und der Haarschaft nicht mehr vorhanden ist“, fasst Claus-Michael Lehr die Ergebnisse zusammen.

Mittels dermatologischer Untersuchungen, bei denen die Haut mikroskopisch bis in tiefere Schichten untersucht wird, fanden die Forscher heraus, dass im Haarfollikel ein Wirkstoffdepot angelegt wird, in dem das verkapselte Medikament gut gegen äußere Einflüsse wie Waschen geschützt ist. „Die Nanopartikel lagern sich im oberen Teil der Haarfollikel ab. Wir nehmen an, dass sie das Medikament kontrolliert freisetzen und dass es von dort an den Grund des Haarfollikels diffundiert und von den follikulären Epithelzellen und Immunzellen aufgenommen wird“, erläutert der Leiter der Hautklinik Thomas Vogt.

 

Nächste Untersuchung mit echtem Wirkstoff

Ein echter Wirkstoff gegen war in dieser Studie allerdings noch nicht dabei, lediglich ein Placebo. In einer Folgestudie wollen die Forscher die Nanopartikel nun erstmals mit einem Wirkstoff gegen kreisrunden Haarausfall beladen, und das neue Nanomedikament mit dem nackten Wirkstoff vergleichen.

Die Arbeit ist ein Kooperationsprojekt von Forschern des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), des Fachbereichs Pharmazie der Universität des Saarlandes und Medizinern des Universitätsklinikums. Publiziert wurde sie im Journal of Investigative Dermatology.

Foto: © Siam - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Haut
 

Weitere Nachrichten zum Thema Haarausfall

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Der Wirkstoff Nusinersen zur Behandlung von spinaler Muskelatrophie (SMA) hat nach Einschätzung des IQWiG einen erheblichen Zusatznutzen für Kinder mit SMA Typ1. Die Kinder mit einem frühen Krankheitsbeginn profitieren demnach von einer lebensverlängernden Behandlung.

Der AstraZeneca-Impfstoff ist jetzt auch für Senioren zugelassen. Damit könnten die älteren Corona-Risikogruppen schneller durchgeimpft werden. Über Härtefalle, die aus ärztlicher Sicht eine vorzeitige Impfung benötigen, entscheidet in Berlin eine neue Clearingstelle.

Frust-Essen, mehr Alkohol, unfreiwillige Häuslichkeit, weniger Bewegung: Die COVID-19-Pandemie hinterlässt auch bei Gesunden ihre Spuren. 43 Prozent der Verbraucher haben zugenommen – um 5,5 Kilo im Schnitt. Bei jedem Siebten sind es sogar 10 Kilo oder mehr. Das zeigt eine INSA-Umfrage des rbb für sein Sendegebiet Berlin/Brandenburg.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin