. Neue Therapie gegen ADHS: Elektrische Ströme sollen Aufmerksamkeit aktivieren

Neue Therapie gegen ADHS: Hirnstimulation soll Aufmerksamkeit verbessern

In Deutschland wird eine neue Therapie gegen ADHS entwickelt: Die Transkranielle Elektrische Neurostimulation soll genau die Hirnareale aktivieren, die bei ADHS-Betroffenen gestört sind: Dort wo die Aufmerksamkeit verortet ist, werden leichte elektrische Ströme hingeleitet.
ADHS, Hirnstimulation

Hilfe ADHS! An der Uni Oldenburg wird gerade die Transkranielle Elektrische Neurostimulation entwickelt

Personen mit ADHS haben Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Aufgabe zu lenken. Deswegen tun sich zum Beispiel betroffene Kinder schwer, längere Zeit stillzusitzen. Ärzte verschreiben dann oft  Ritalin, was höchst umstritten ist. Denn viele werden das Medikament Jahrzehntelang weiternehmen.

Eine Alternative zur medikamentösen Therapie sind Hirnstimulationen. Verschiedene Ansätze werden gerade entwickelt oder erprobt. Darunter die invasive Tiefe Hirnstimulation, die aber einen operativen Eingriff erforderlich macht. Und die schonendere Transkranieller Elektrischer Neurostimulation, bei der die Elektroden nur vorübergehen außen am Kopf befestigt werden. Das Verfahren wird gerade an der Universität Oldenburg in Zusammenarbeit mit der Firma neuroConn und etlichen anderen Partnern entwickelt und vom Bundesforschungsministerium (BMBFfür drei Jahre mit knapp 1,3 Millionen Euro gefördert.

Hirnareale werden elektrisch aktiviert

„Die verminderte Aufmerksamkeit geht bei ADHS-Patienten mit einer verminderten Aktivität bestimmter Gebiete des Gehirns einher“, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Christoph Herrmann von der Uni Oldenburg. Hier könnte die sogenannte transkranielle elektrische Hirnstimulation Abhilfe schaffen. „Die Idee hinter diesem Verfahren ist, mit sehr schwachen elektrischen Strömen die für die Aufmerksamkeit relevante Hirnaktivität von außen gezielt zu beeinflussen“, so Herrmann.

 

Forschung beginnt erst

In einem ersten Schritt ermitteln die Wissenschaftler mit Hilfe der Elektroenzephalographie (EEG) an einzelnen, nicht von ADHS betroffenen Probanden, welche Hirnaktivität bei ihnen für die Aufmerksamkeit verantwortlich ist. Aus diesen Experimenten leiten die Forscher die Parameter für die eigentliche Hirnstimulation ab. Diese soll bei ADHS die entsprechende Aktivität des Gehirns wieder auf ein gesundes Maß bringen. Die Forscher erhoffen sich, auf diese Weise auch die Aufmerksamkeit der Patienten zu verbessern.

Ergänzendes Verfahren

„Künftig könnte dieser technologische Therapieansatz eine Alternative beziehungsweise Ergänzung zu den bereits vorhandenen medikamentösen und psychotherapeutischen Ansätzen bieten“, sagt Herrmann. Ziel des Vorhabens ist zunächst, ein Gerät zu entwickeln, mit dem die Wissenschaftler die Wirksamkeit prinzipiell zeigen können. Diesen Demonstrator werden die Projektpartner anschließend in mehreren Studien zunächst bei gesunden Probanden und später auch bei ADHS-Patienten testen.

Übrigens zeigte unlängst eine Studie der Universität Regensburg, dass Sport bei ADHS helfen kann. Dabei war es egal, ob Jungens Fußball spielten oder Mädchen turnten. Der positive Effekt auf die Aufmerksamkeit tritt demnachbei jeder Sportart auf.

Foto:  © grafikplusfoto - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: ADHS , Neurowissenschaften
 

Weitere Nachrichten zum Thema ADHS

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Schichtarbeit, Jetlag, Alter: Störungen im Melatonin-Haushalt können zu Schlafproblemen führen und damit die Gedächtnisleistung beeinträchtigen. Nach einer Studie der Universität Louisiana enthalten Pistazien deutlich mehr Melatonin als viele andere Früchte. Außerdem: Pflanzenstoffe, die die Behandlung von Typ-2-Diabetes unterstützen können.
Viele Epilepsie-Patienten profitieren von modernen Antikonvulsiva. Doch die Medikamente helfen nicht immer in ausreichender Weise. Sinnvoll könnte dann eine Operation sein. Diese Möglichkeit wird jedoch immer noch selten angeboten - zu selten, wie einige Experten finden.
Das Robert Koch-Institut verzeichnet einen Rückgang der HIV-Neuinfektionen: 2018 haben sich demnach 100 Personen weniger mit dem Aids-Virus infiziert als im Vorjahr. Ob die HIV-Präexpositionsprophylaxe – kurz PrEP – dahintersteckt, kann noch nicht mit Sicherheit beantwortet werden.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.