. Tabakkonsum

Neue Leitlinie hilft, mit dem Rauchen aufzuhören

Bis zu 140.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an den Folgen des Rauchens. Die aktuelle S3-Leitlinie zur Therapie bei Nikotinabhängigkeit hat die Wirksamkeit verschiedener Methoden bewertet und gibt Tipps für den Weg aus der Abhängigkeit.
Rauchstopp

Eine Verhaltenstherapie kann beim Rauchstopp helfen

Rauchen stellt einen der häufigsten Gründe für einen vorzeitigen Tod dar. Allein 80 Prozent der Todesfälle wegen Lungenkrebs gehen auf den Tabakkonsum zurück. Zudem haben Raucher ein bis zu viermal höheres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Weitere durch Rauchen bedingte Todesfälle beruhen auf Atemwegserkrankungen und anderen Krebsarten als Lungenkrebs.

Neue Leitlinie für Rauchstopp

Eine neue Leitlinie hat nun verschiedene Therapieoptionen für den Weg zum Rauchstopp untersucht und zusammengestellt. Die Autoren stellen die Gefährlichkeit des Tabakkonsums neben die von Alkohol und fordern indirekt deutlich mehr Entgegenkommen durch das Gesundheitssystem. So können schon kurze Gespräche mit dem Hausarzt oder auch eine qualifizierte Telefonberatung wesentlich zur Tabakentwöhnung beitragen.

 

Rauchen regt das Belohnungssystem an

Beim Rauchen geht es nicht allein um die Aufnahme des Nikotins. Durch Rauchen wird über die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin auch das Belohnungssystem stimuliert. Das macht die Raucherentwöhnung besonders schwer. Die Wirkung des Rauchens kann hier Experten zufolge durchaus mit den Folgen von harten Drogen wie Amphetaminen oder Kokain verglichen werden. Das Rauchen wird wie eine Belohnung empfunden und vermittelt dem Raucher ein Wohlgefühl. Daher rauchen auch so viele Menschen nach der Arbeit oder nach einer anstrengenden Autofahrt.

Mit der Zeit setzt schon das Ritual, eine Zigarette anzuzünden und den Rauch auszublasen, Dopamin frei. Je länger jemand raucht, desto mehr Bindungsstellen für die körpereigenen Transmitter werden gebildet und desto stärker fällt die Entzugssymptomatik aus. Daher ist nach längerem Tabakkonsum meistens eine Verhaltenstherapie sinnvoll. Zusammen mit Nikotinersatzprodukten bietet sie die größten Erfolgsaussichten. Für die Nikotinersatztherapie stehen Kaugummis, Nikotinpflaster, Nasensprays, Nikotininhalatoren und sublinguales Nikotin zur Verfügung. Die Therapie sollte ungefähr acht bis zwölf Wochen durchgeführt und in dieser Zeit allmählich reduziert werden.

Medikamente zur Raucherentwöhnung umstritten

Auch rezeptpflichtige Arzneimittel wie Bupropion und Vareniclin stellen eine Option für die Raucherentwöhnung dar. Bupropion soll die Konzentration von Dopamin und Noradrenalin im zentralen Nervensystem steigern. Zu seiner Wirksamkeit gibt es allerdings kontroverse Daten. Vareniclin stimuliert nur teilweise die Ausschüttung von Dopamin, doch schon diese geringe Freisetzung reicht aus, um die Entzugssymptome zu reduzieren. Zudem kann Nikotin nicht mehr an den Rezeptor andocken, da er schon durch Vareniclin belegt ist. Die Folge: Der Raucher verspürt durch die Zigarette keinen Genuss mehr.

Als unterstützende Maßnahmen bei der Raucherentwöhnung werden oft Hypnose, Akupunktur und diverse andere Methoden angeboten. Die aktuelle Leitlinie rät weder zur Akupunktur noch zur Hypnosetherapie. Auch raten die Experten nicht zum Einsatz von E-Zigaretten, da über die inhalierten Substanzen noch zu wenige Daten vorliegen. Nur bei sehr starken Rauchern könnten sie eine Option darstellen.

Foto: © dvarg - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Rauchen

| Rauchen ist einer der Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dass es auch unsere Gene beeinflusst, konnten nun Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung zeigen. Besonders ein Gen, das an Entzündungsvorgängen beteiligt ist, wird durch Tabakkonsum aktiviert.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Oxidativer Stress in unseren Zellen beschleunigt das Altern und verringert die Lebenserwartung. Zink scheint eine schützende Funktion zu haben, wenn das Spurenelement mit bestimmten Lebensmitteln zum Beispiel Schokolade kombiniert wird. Das hat ein deutsch-amerikanisches Forscherteam jetzt herausgefunden.
Vitamin D stärkt nicht die Knochen: Es erhöht bei älteren Erwachsenen weder die Knochendichte noch schützt es vor Knochenbrüchen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Meta-Studie.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.