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20.02.2013

Neue Genmutation beim schwarzen Hautkrebs entdeckt

Schwarzer Hautkrebs ist besonders gefürchtet, da er schon sehr früh zur Metastasierung neigt. Nun haben Wissenschaftler eine bislang unbekannte genetische Ursache für das maligne Melanom entdeckt. Die neue Spur könnte den Weg zu neuen Behandlungsverfahren weisen.
Neue Genmutation beim Schwarzen Hautkrebs entdeckt

Schwarzer Hautkrebs: Bei der Diagnose oft schon metastasiert

Das Unsterblichkeitsenzyms Telomerase spielt offenbar eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom). Das jedenfalls fanden Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und von der Universität Duisburg-Essen heraus, als sie eine Familie untersuchten, in der 14 Angehörige am bösartigen schwarzen Hautkrebs erkrankt waren. Alle Familienmitglieder wiesen eine identische Veränderung im Telomerase-Gen auf. Telomerase wird auch als „Unsterblichkeitsenzym“ bezeichnet, da es bei der Zellteilung die Chromosomenenden vor dem Abbau und damit die Zelle vor Alterung und Tod schützt. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift „Science“ berichten, entsteht durch die vererbte Genmutation in der Schalterregion des Telomerase-Gens eine Bindungsstelle für Proteinfaktoren, die das Gen übermäßig aktivieren. Die mutierten Zellen bilden in der Folge Zellen vermehrt Telomerase und werden dadurch quasi unsterblich.

Schwarzer Hautkrebs: Unsterblichkeitsenzym „Telomerase“ spielt Schlüsselrolle bei der Entstehung

Allerdings ist nur jeder zehnte Fall von bösartigem schwarzem Hautkrebs familiär bedingt. 90 Prozent aller Melanom-Fälle gehen auf äußere Einflüsse – meist Sonnenstrahlung - zurück. Deshalb fahndeten die Wissenschaftler auch bei den nicht-erblichen Melanomen nach veränderten Telomerase-Genen und wurden fündig: Auch in den Gewebeproben der nicht-erblichen Melanome fanden sich sehr häufig Veränderungen im Telomerase-Genschalter, die zu einer übermäßigen Telomerase-Aktivität führten.

„Wir glauben nicht, dass das Telomerase-Gen in Melanomen rein zufällig verändert ist, sondern dass es sich dabei um eine so genannte Treiber-Mutation handelt, die die Krebsentstehung ankurbelt“, sagt Prof. Dr. Rajiv Kumar vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Dafür spreche auch die überraschende Häufigkeit der Veränderung. Das Telomerase-Gen ist das am häufigsten mutierte Gen beim Melanom. 74 Prozent aller bereits metastasierten Melanome tragen die Veränderung in sich. „Das hatten wir nicht erwartet, da der schwarze Hautkrebs bereits gründlich genetisch analysiert worden ist. Dabei ist diese Mutation aber offenbar immer übersehen worden“, meint Rajiv Kumar.

 

Angriffspunkt für neue Behandlungsverfahren

Prof. Kumar und sein Kollege Prof. Dr. Dirk Schadendorf von der Universitätshautklinik Essen gehen davon aus, dass die Ergebnisse wegweisend für die Entwicklung neuer Behandlungsverfahren sind. Denn die Entdeckung von Genmutationen in Krebszellen ist die Basis, um neue zielgerichtete Medikamente entwickeln zu können. Erst kürzlich kam ein neues Medikament zur Behandlung des Melanoms auf den Markt. Der Wirkstoff zielt auf eine bestimmte Veränderung im so genannten B-RAF-Gen. Diese Genmutation ist etwa für die Hälfte aller Melanome charakteristisch.

Auch gegen Telomerase sind bereits Wirkstoffe entwickelt worden. Einige davon werden zurzeit bei anderen Krebsarten in klinischen Studien geprüft. Eine Blockade des Unsterblichkeitsenzyms Telomerase könne möglicherweise auch das Wachstum von bösartigen Hauttumoren bremsen, so die Hoffnung der Krebsforscher.  

Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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