. Studie am Tiermodell

Neue Erkenntnisse zur ketogenen Diät bei Krebs

Viel Fett, wenig Kohlenhydrate – so geht ketogene Diät. Aber hilft sie auch bei Krebs? Forscher aus Florida konnten jetzt neue Erkenntnisse gewinnen.
Ketogene Diät gegen Krebs: Am Tiermodell konnte das Tumorwachstum verlangsamt, aber nicht gestoppt werden

Ketogene Diät gegen Krebs: Am Tiermodell konnte das Tumorwachstum verlangsamt, aber nicht gestoppt werden

Die ketogene Diät gilt als Wunderwaffe gegen überflüssige Pfunde. Denn wird dem Körper eine wichtige Energiequelle, nämlich Kohlenhydrate, entzogen, muss er Fettreserven verbrennen. Auch Krebspatienten interessieren sich für diese Ernährungsform, weil der fast vollständige Verzicht auf Kohlenhydrate ein Aushungern des Tumors verspricht. Beweise für die Wirksamkeit bei Krebs stehen aber bislang noch aus.

Nun haben Forscher der Universität Florida den Einfluss einer leicht modifizierten ketogenen Diät an Mäusen mit Gliobastomen, einem bösartigen Hirntumor, untersucht. Die Ergebnisse wurden vor kurzem in der Fachzeitschrift „Clinical Cancer Research“ veröffentlicht. Die gute Nachricht vorweg: Eine Ernährung aus viel Fett mit wenig Kohlenhydraten half tatsächlich, das Tumorwachstum zu verlangsamen und das Überleben um 50 Prozent zu verlängern. Die schlechte: Heilen konnte die ketogene Diät die Hirntumore nicht. Zudem sind Ergebnisse vom Tiermodell nicht 1:1 auf den Menschen übertragbar. 

Tumorprogression verlangsamt

„Ein kurativer Ansatz ist die High-fat / Low-Carb Diät nicht“, meint Dr. Brent Reynolds, Professor am Lillian S. Wells Department für Neurochirurgie. „Dennoch waren unsere Ergebnisse im prä-klinischen Tiermodell so vielversprechend, dass wir im nächsten Schritt nun Patienten damit behandeln wollen.“ Vorteil dieser Behandlung sei, dass sie ohne großen Aufwand durchgeführt werden könne und keine Nebenwirkungen mache.

Modifizierte ketogene Diät ist einfacher für Patienten

In der Studie wurde dem fettreichen und kohlenhydratarmen Futter ein Derivat aus Kokosnussöl beigemischt. Dabei handelt es sich um ein besonderes mittelkettiges Triglycerid, das in der Lage ist, einige Kohlenhydrate als Energiequelle zu ersetzen. Nach Ansicht der Forscher hat das den Vorteil, dass Krebspatienten mehr Kohlenhydrate und Eiweiß essen können als bei einer üblichen ketogenen Ernährung. Das könnte die Diät verträglicher machen. „Wenn Sie krank sind und dann noch komplett auf kohlenhydrathaltige Lebensmittel verzichten müssen, kann das ziemlich belastend sein“, wird Reynolds in einer Mitteilung der Universität Florida zitiert. „Aber genau das ist unsere Idee: Eine wirksame Diät zu entwickeln, die sehr viel einfacher durchzuhalten ist.“

Dem Tumor wird der Zucker vorenthalten

Wie die modifizierte ketogene Diät genau wirkt, können auch die Forscher aus Florida bislang nicht genau erklären. Sicher scheint der Entzug einer wichtigen Energiequelle zu sein, denn Kohlenhydrate werden im Körper in Zucker umgewandelt und den brauchen Tumore zum Wachsen. „Ein Glioblastom verbraucht enorme Mengen an Energie und durch die diätetische Intervention wird der Nachschub an Zucker drastisch reduziert“, erklärt Reynolds. Daneben glauben die Forscher, dass ein Signalweg, der bei Krebs eine wichtige Rolle spielt, durch den veränderten Stoffwechsel beeinflusst wird.

Vorläufige Daten zeigen, dass die modifizierte ketogene Diät die Glioblastome sensibler gegenüber Strahlen- und Chemotherapie macht. Reynolds und sein Team hoffen nun, ähnliche Ergebnisse in einer klinischen Studie zu erzielen: besseres Therapieansprechen, verzögertes Tumorwachstum und längeres Überleben. Ihrer Ansicht nach könnten nicht nur Patienten mit Hirntumoren, sondern auch andere Krebskranke davon profitieren.

 Foto: © Liddy Hansdottir - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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