. Neue Therapieoption

Nervenschrittmacher stellt Clusterkopfschmerz ab

Mit einem Nervenschrittmacher können Ärzte neuerdings Clusterkopfschmerz zu Leibe rücken. Das neue Therapieverfahren wurde weltweit bei 400 Patienten eingesetzt und schwächt in zwei Drittel der Fälle den unerträglichen Kopfschmerz ab.
Wenn bei Clusterkopfschmerz nichts mehr hilft: In Düsseldorf wurden die ersten Nervenschrittmacher implantiert

Wenn bei Clusterkopfschmerz nichts mehr hilft: In Düsseldorf wurden die ersten Nervenschrittmacher implantiert

Hinter einseitigem, bohrendem Kopfschmerz, der meist um das Auge herum auftritt, kann ein sogenannter Clusterkopfschmerz stecken. Cluster bedeutet, dass es Phasen mit ganz vielen Attacken gibt. Zwischenzeitlich gibt es oft lange beschwerdefreie Intervalle. Bisher werden Clusterkopfschmerzen mit Schmerzmitteln wie Triptanen behandelt. Manchmal kann auch eine Sauerstoffmaske helfen. Nicht alle Patienten sprechen zu jeder Zeit gleich gut darauf an.

Patienten, die unter therapieresistentem Clusterkopfschmerz leiden, stellen Ärzte nun eine neue Therapieoption in Aussicht: einen Nervenschrittmacher. Dabei handelt es sich um ein Fingernagelgroßes Implantat, das Spezialisten in einer Operation hinter den Oberkieferknochen setzen. Dort befinden sich der Trigeminus-Nerv und sein Nervenknoten namens Ganglion sphenopalatinum (SPG), der als Auslöser für den Clusterkopfschmerz gilt. Während einer Schmerzattacke kann der Patient den Stimulator per Fernbedienung aktivieren und der Schmerz schwächt sich ab – oder verschwindet manchmal sogar ganz.

Zwei Drittel der Patienten profitieren vom Nervenschrittmacher

Dass das neue Verfahren funktioniert, zeigen Daten de Pathway Ch-1 Studie. Bei zwei Dritteln der Patienten wurde der Schmerz beseitigt oder die Attacken verkürzt und auch die Zahl der Schmerzattacken vermindert. Langzeitbeobachtungen zeigen, dass die Behandlung nachhaltig ist.

Gute Erfahrungen hat auch Professor Thomas Klenzner von der HNO-Klinik des Universitätsklinikum Düsseldorf mit dem Nervenstimulator gemacht. Bei zehn seiner Patienten wurde das Implantat erfolgreich eingesetzt. „Vier Wochen nach der Operation berichteten die Patienten über einen Rückgang der Anfallshäufigkeit und der Schmerzstärke“, erklärt der stellvertretende Klinikdirektor. Die Operation wird in Düsseldorf von HNO-Ärzten gemeinsam mit Neurochirurgen durchgeführt. Der Eingriff erfolgt durch die Mundhöhle, so dass äußerlich keine Narben sichtbar sind.

 

Invasives, anspruchsvolles Verfahren

„Das operative und technische Procedere ist anspruchsvoll und erfordert eine umfangreiche Vorbereitung und Training“, betont der Experte. Für jeden Patienten werde anhand eines virtuellen 3D-Modells des Schädels das passende Modell ausgewählt. Während der Operation erfolge dann eine Probestimulation.

Obwohl die neue Nervenstimulation ein invasives Verfahren ist und die Schmerzattacken nicht zu hundert Prozent beseitigen kann, glaubt der Experte aus Düsseldorf, dass „die SPG-Stimulation ihren Platz in der klinischen Versorgung finden wird.“

Weltweit wurde der Nervenschrittmacher rund 400 Patienten implantiert, darunter zehn Patienten aus Düsseldorf.

Foto: © K.- P. Adler - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kopfschmerzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kopfschmerz

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Zum Welt-Diabetestag gibt es schlechte Nachrichten für Frühstücksmuffel: Epidemiologische Studienhaben gezeigt, dass der Verzicht auf ein Frühstück mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist. Umgekehrt scheint regelmäßiges Frühstücken vor der Zuckerkrankheit und Übergewicht zu schützen.
Die Seborrhoische Dermatitis zeichnet sich durch einen schuppigen und häufig juckenden Ausschlag im Gesicht und auf der Kopfhaut aus. Dermatologen haben nun herausgefunden, dass der Transkriptionsfaktor JunB eine Schlüsselrolle bei der Entstehung dieser Erkrankung spielt. Sie hoffen, dass sich daraus neue Therapieansätze entwickeln lassen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.