Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
03.03.2017

Nemolizumab gegen Neurodermitis mit Erfolg getestet

Hautärzte des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben mit Erfolg eine neue Substanz gegen Neurodermitis getestet: Nemolizumab wirkte besonders gegen den Juckreiz.
Neurodermitis

Bei Neurodermitis wird die Haut trocken, rot und rissig

Die Neurodermitis kommt häufig vor. Kleinkinder trifft es besonders oft, mit meist mildem Verlauf. Fast jedes vierte Kind erkrankt vorübergehend. Erwachsene sind seltener, dafür oft schwerer betroffen.

Bei der Neurodermitis (atopische Dermatitis) verändert sich sichtbar die Haut. Sie entzündet sich, wird rot und brüchig. Dazu kommen die subjektiven Beschwerden des Patienten: wie fühlt er sich, wie schläft er, wie sehr juckt die Haut. Auch die Lebensqualität der Patienten kann durch die Erkrankung eingeschränkt sein. Unlängst wurde unter Beteiligung von LMU-Dermatologen ein neues Medikament erprobt, das vor allem die objektiven Symptome wesentlich verbessert.

Größte Probleme: Juckreiz und Schlaflosigkeit

An der neuen Phase-II-Studie nahmen 264 Patienten am Klinikum der Universität München sowie in Krankenhäusern in Japan, Polen und den USA teil. Die Neurodermitis dieser Patienten war mit Salben, Cremes und anderen Mitteln nicht in den Griff zu bekommen, wobei Juckreiz und Schlaflosigkeit die größten Probleme darstellten.

Ein Teil der Patienten bekam den neuen Wirkstoff namens Nemolizumab einmal monatlich unter die Haut gespritzt. Der Rest der Patienten erhielt ein Placebo ohne Wirkstoff. Nemolizumab blockiert den Rezeptor für Interleukin 31, ein Botenstoff des Immunsystems, der letzlich das Jucken auslöst.

 

Nemolizumab gegen Neurodermitis mit Erfolg getestet

Fazit nach Ende der dreimonatigen Studiendauer: „Im Vergleich zu den Placebo-Patienten spürten die mit Nemolizumab behandelten Studienteilnehmer erheblich weniger Juckreiz“, sagt Andreas Wollenberg, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie in einer Mitteilung der LMU. „Sie schliefen länger und besser, weil sie sich nachts weniger kratzen mussten.“ Der Effekt trat rasch ein. Nach ein paar Wochen besserten sich auch die objektiven Beschwerden der Neurodermitis.

Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Nebenwirkungen wurden kaum beobachtet. Allerdings lassen sich in einer Phase-II-Studie nur häufige Nebenwirkungen nachweisen. Um auch seltene Nebenwirkungen statistisch zu erfassen, braucht es eine größere Phase-III-Studie, bei der das Medikament an vielen hundert Patienten getestet wird. Diese ist bereits geplant.

Foto: casi/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Dermatologie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Neurodermitis

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin