Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Nebenwirkungen von Magensäureblockern nicht unterschätzen

Sonntag, 15. Januar 2017 – Autor:
Magensäureblocker sind ein Blockbuster. Jetzt mehren sich Hinweise, dass eine langfristige Einnahme zu mehr Nebenwirkungen führt, als bislang bekannt. Ärzte raten, den Magenschutz nur bei richtiger Indikation anzuwenden.
Magensäureblocker können langfristig die Darmflora verändern. Darum sollten sie nur bei strenger Indikation eingenommen werden

Magensäureblocker können langfristig die Darmflora verändern. Darum sollten sie nur bei strenger Indikation eingenommen werden – Foto: Zerbor - Fotolia

Sie werden bei Reflux, Magengeschwüren und anderen säureassoziierten Magenerkrankungen eingesetzt: Magensäureblocker gehören zu den meist verkauften Arzneimitteln in Deutschland. 2015 wurden rund 3,7 Milliarden Tagesdosen davon verordnet. Viele Patienten nehmen den Magenschutz aus guten Gründen langfristig ein. Doch nun mehren sich Hinweise auf unerwünschte Nebenwirkungen. Beobachtet wurden vor allem ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche sowie Veränderung der Darmflora. Verschiedene Untersuchungen zeigten auch, dass die Rate an Darminfektionen mit Erregern wie Clostridium difficile oder Campylobacter nach langfristiger Einnahme zunahm.

Unkritischen Einsatz hinterfragen

Allerdings scheint die Datenlage im Moment noch nicht eindeutig zu sein. „Bei vielen der vermuteten Nebenwirkungen ist die Studienlage bislang noch dürftig und teils auch widersprüchlich“, sagt Professor Dr. med. Christian Trautwein, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Dennoch sollten die aktuellen Hinweise Anlass dazu geben, die bislang recht unkritische Verschreibung und Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren zu überdenken.

Magensäureblocker werden oft auf eigene Faust bei Aufstoßen, Völlegefühl oder Übelkeit eingenommen. Auch bei Reizmagen werden sie verordnet. Aus Sicht des Magen-Darm-Spezialisten besteht die Gefahr, dass daraus eine Dauereinnahme wird, die vor dem Hintergrund der Nebenwirkungen nicht gerechtfertigt sei. Außerdem sei bekannt, dass ein abruptes Absetzen es bei manchen Patienten zu einer überschießenden Produktion von Magensäure führe. „Dann treten die Symptome, gegen die das Medikament eingenommen wurde, eine gewisse Zeit lang sogar noch verstärkt auf“, warnt Trautwein. Dies führe nicht selten dazu, dass Patienten das Medikament dann weiter einnehmen und langfristig dabei bleiben.

 

Nur unter ärztlicher Aufsicht

Auf keinen Fall sollten die Medikamente langfristig, also länger als acht Wochen, ohne ärztliche Überwachung eingenommen werden. Außerdem muss die Diagnose stimmen. Laut DGVS sind Magensäureblocker angebracht bei Refluxkrankheit, der gastroduodenalen Ulkuskrankheit, Barrett-Ösophagus oder des Zollinger-Ellison-Syndroms. In manchen Fällen ist auch ihr Einsatz als Magenschutz sinnvoll und wichtig, etwa wenn bestimmte Schmerzmittel wie Acetylsalicylsaure oder nichtsteroidale Antirheumatika eingenommen werde. Bei anderen Indikationen sollte der Arzt das Nutzen-Risiko-Verhältnis gründlich abwiegen, bevor er einen Magensäureblocker verschreibt.

Foto: © Zerbor - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Magen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Magensäureblocker

25.01.2017

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) reduzieren die Bildung von Magensäure. Langfristig eingenommen werden sollten sie nur auf Rat des Arztes. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hin.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Plötzlicher Herzstillstand: Für zufällig Anwesende oder Angehörige ist das selbst eine Extremsituation. Aus Aufregung oder aus Angst davor, etwas falsch zu machen, wird oft gar nichts gemacht. Dabei kommt es hier wirklich auf Minuten an – und durch entschlossenes Handeln kann man Leben retten. Eine App der Deutschen Herzstiftung begleitet Laien dabei, im Herznotfall richtig zu reagieren.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin