Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Nahrungsergänzungsmittel: Vitamine und Mineralstoffe oft zu hoch dosiert

Montag, 7. September 2020 – Autor:
31 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer in Deutschland nehmen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel ein. Vitamine und Mineralstoffe sind darin oft zu hoch dosiert.
Multivitaminpräparate, Minderalstoffpräparate

In Multivitaminpräparaten steckt oft mehr drin, als gesund ist – Foto: ©Kunstzeug - stock.adobe.com

31 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer in Deutschland nehmen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel ein. Vitamine und Mineralstoffe sind darin oft zu hoch dosiert. Das kann mit Gesundheitsrisiken verbunden sein.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) veröffentlichte 2018 Höchstmengenvorschläge (HMV) für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Ob die im deutschen Einzelhandel angebotenen Nahrungsergänzungsmittel diese Höchstmengen aber tatsächlich einhalten, war nicht bekannt.

106 freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel untersucht

In einer Studie untersuchten Forscher der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und der HAW Hamburg beispielhaft Nahrungsergänzungsmittel aus dem stationären Einzelhandel. Der Beitrag ist in der Zeitschrift Aktuelle Ernährungsmedizin erschienen. 

Dafür nahmen die Wissenschaftler 106 freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel - darunter 30 Einzelvitaminpräparate, elf Einzelmineralstoffpräparate, 44 Multivitaminpräparate, elf Multimineralpräparate und zehn Multivitamin- und Multimineralstoffpräparate - aus einem Reformhaus, einem Supermarkt und zwei Drogerien hinsichtlich ihrer Mikronährstoffdosierungen unter die Lupe.

 

52 Prozent der Präparate überschritten HMV

Für die Analysen verglichen sie die Nährstoffangaben auf den Verpackungen der Präparate mit den jeweiligen HMV für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Ergebnis: Von 106 Nahrungsergänzungsmitteln wiesen 55 Präparate (52Prozent) eine Überschreitung bei mindestens einem Mikronährstoff auf.

Am häufigsten wurde die HMV bei Multivitamin- und Multimineralstoffpräparaten (80Prozent der Präparate) überschritten. Je nach Mikronährstoff lagen die relativen Abweichungen zwischen 20 Prozent (Kalium) und 700 Prozent (Vitamin B12) des HMV.

Nahrungsergänzungsmittel: Vitamine und Mineralstoffe zu hoch dosiert

Bei Nahrungsergänzungsmitteln waren Vitamine und Mineralstoffe also oft zu hoch dosiert. "Die Untersuchung zeigt, dass mehr als die Hälfte der untersuchten Nahrungsergänzungsmittel aus dem stationären Einzelhandel die Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe überschreiten. Das ist bedenklich, da mit dem Gebrauch von hoch dosierten Vitamin- und Mineralstoffpräparaten gesundheitliche Risiken einhergehen können, insbesondere wenn diese häufig eingenommen werden", resümiert Prof. Petra Lührmann.

Verbraucher sollten darum auf die möglichen Risiken hingewiesen werden. "Verbindliche Höchstmengen sowie EU-weite einheitliche Richtlinien für Mikronährstoff-Höchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln könnten daher sinnvoll sein", so Lührmann.

Foto: Adobe Stock/kunstzeug

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Nahrungsergänzungsmittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Nahrungsergänzungsmittel

21.05.2020

Rosenwurz (Rhodiola rosea) wird eine positive Wirkung gegen Stress nachgesagt. Doch die Studienlage ist nicht eindeutig genug, um eine Wirksamkeit zu belegen. Darauf weisen die Verbraucherzentralen und die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hin.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Eine deutliche Mehrheit der Deutschen unterstützt eine Impfpflicht gegen Covid-19 – vor allem für Erwachsene, aber auch für Kinder. Das zeigt eine Repräsentativbefragung der Universität Hamburg. Die Impfbereitschaft stieg zugleich um 4 auf 86 Prozent. Im Süden und Westen Deutschlands ist sie am stärksten. Und: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Misstrauen gegenüber dem Staat und dem Impfen.


Seit die Omikron-Variante grassiert, infizieren sich immer mehr Geimpfte. Forscher wollten wissen, ob sie besser vor Long-Covid geschützt sind als ungeimpfte Covid-19-Patienten.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin