. Depressive Herzpatienten

Nach Herzinfarkt: Antidepressiva genauso wichtig wie Herzmittel

Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung, die zusätzlich an einer Depression leiden, haben eine besonders kurze Lebenserwartung. Für sie ist eine gute antidepressive Therapie genauso wichtig wie die Behandlung mit Herzmitteln.
Nach Herzinfarkt: Antidepressiva genauso wichtig wie Herzmittel

JPC-PROD / fotolia.com

Die Gründe für die verkürzte Lebenserwartung sind vielfältig. Zum einen leiden Herz und Gefässe direkt unter den Folgen einer Depression, so dass es dadurch eine zusätzliche Belastung gibt. Wie Professor Christian Otte von der Charité Berlin Ende März 2012 auf der Veranstaltung "Psychiatrie Update" in Köln berichtete, ist bei depressiven Herzpatienten die Gefahr eines neuen Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls fast doppelt so hoch wie bei nichtdepressiven. Da Patienten nach einem Herzinfarkt aber häufig auch eine Depression entwickeln, kann es zu einem Teufelskreis kommen. Eine wirksame Therapie mit Antidepressiva ist also in zweifacher Hinsicht notwendig: zum einen, um die Depression zu bekämpfen, zum anderen, um die negativen Folgen für das Herz-Kreislaufsystem zu unterbinden.

Besonders gefährliche Depression

Es gibt aber noch weitere Gründe, warum eine Depression für Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung besonders gefährlich ist. Depressive haben insgesamt einen ungesünderen Lebensstil als andere. Sie rauchen überdurchschnittlich häufig und bewegen sich wenig. Beides wirkt sich negativ auf die Gesundheit des Herzens aus. Zudem zeigen depressive Patienten oft eine schlechte Compliance bei der Therapie. Einer Studie zufolge vergessen depressive Herzpatienten doppelt so häufig wie nichtdepressive, ihre Medikamente einzunehmen. Sogar dreimal so häufig nehmen sie die Medikamente unregelmässig oder in falscher Dosierung ein, und oft setzen sie sie auch ganz ab.

Der Hauptfaktor des erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos bei Depressiven scheint einer Studie mit 6.000 Herzpatienten zufolge aber der Bewegungsmangel zu sein. Es konnte gezeigt werden, dass die Sterberate bei den depressiven Patienten um 30 Prozent erhöht war, doch wenn sie zusätzlich noch körperlich inaktiv waren, erhöhte sich ihr Sterberisiko um das Dreifache. Bei Patienten, die nicht depressiv, aber körperlich träge waren, war die Mortalitätsrate immerhin um das Doppelte erhöht. Sowohl Depressionen als auch körperliche Inaktivität verschlechtern also die Prognose für Herzinfarkt-Patienten, in der Kombination sind beide Faktoren aber besonders fatal. Wenn hingegen depressive Patienten zu mehr Bewegung motiviert werden können, ist der positive Effekt ein doppelter: Durch körperliche Aktivität sinkt nicht nur das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, auch die Depressionssymptomatik geht unter Bewegung meist zurück.

 

Depreseeive Herzpatienten profitieren von einer Therapie

Dass eine gute antidepressive Therapie das Sterberisiko von depressiven Herzpatienten senken kann, wurde schon vor mehreren Jahren durch Studien belegt. So konnte in der SADHART-Studie gezeigt werden, dass die Herzinfarktrate um 30 Prozent und die Sterberate sogar um 61 Prozent niedriger war, wenn die Patienten den Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Sertralin anstelle von Placebo erhielten. In der ENRICHED-Studie konnte die Herzinfarktrate mit SSRI um 47 Prozent und die Sterberate um 41 Prozent gesenkt werden. 

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herzinfarkt , Herz , Depression , Antidepressiva , Psychische Krankheiten , Psychopharmaka
 

Weitere Nachrichten zum Thema Depression

| Patienten mit Depressionen haben zurzeit die Wahl zwischen einer Vielzahl verschiedener Antidepressiva, die unterschiedlich wirken und unterschiedliche Nebenwirkungsprofile haben. Eine amerikanische Studie hat nun gezeigt, dass ein EEG bereits im Vorfeld der Therapie Hinweise liefern kann, welches Medikament für einen Patienten am besten geeignet ist.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Für Betroffene ist das Restless Legs Syndrom häufig eine Qual. Sie leiden nicht nur unter den unruhigen, kribbelnden und zuckenden Beinen, sondern auch unter der daraus folgenden Schlaflosigkeit. Die Deutsche Restless Legs Vereinigung gibt Tipps, wie den Beschwerden entgegengewirkt werden kann.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.