Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
25.03.2021

Myrrhe lindert Entzündungen im Darm

Myrrhe gehört zu den Pflanzen, die am Längsten in der Menschheitsgeschichte medizinisch wie kultisch Verwendung finden. Studien bescheinigen ihr eine entzündungshemmende und krampflösende Wirkung sowie stabilisierende Effekte auf die Darmbarriere bei der Behandlung von chronischen Darmerkrankungen.
Myrrhebaum

Myrrhe ist das Gummiharz von mehreren Sorten Sträuchern aus der Familie der Balsambaumgewächse. Dieser bis zu drei Meter hohe, dornige Strauch wächst in Somalia.

Warum die drei Weisen aus dem Morgenland Gold mitbrachten, um das neu geborene Jesuskind zu beschenken, kann man sich ausmalen. Warum Weihrauch, vielleicht auch noch. Aber was, bitteschön, ist Myrrhe? Myrrhe besteht aus dem an der Luft gehärteten Gummiharz, das aus dem Myrrhenbaum durch Anschneiden der Stämme und Zweige gewonnen wird. Myrrhe gehört zu den ältesten bekannten sowohl medizinisch als auch kultisch verwendeten Pflanzen. Heute wird die Pflanze, die die meisten nur aus der biblischen Weihnachtsgeschichte kennen aufgrund ihrer vielfältigen Wirkweise bei verschiedenen Darmerkrankungen wie Durchfall, Reizdarm oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt.

Entzündungshemmend, krampflösend, schmerzlindernd

„Zahlreiche Forschungsarbeiten an deutschen Universitäten belegen, dass die Arzneipflanze entzündungshemmend, krampflösend, schmerz- und blähungslindernd wirkt und die Darmbarriere stabilisieren kann – ein Effekt, der bisher für kein anderes pflanzliches Arzneimittel in der Form wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte“, heißt es in einer Mitteilung der CGC Cramer-Gesundheits-Consulting GmbH. Die „Darmbarriere“ ist die Instanz im Körper, die entscheidet, was von außen in den Organismus darf und was nicht.

 

Warum die Darmbarriere so wichtig ist

Der Darm kommt im täglichen Leben ständig mit körperfremdem Material – in Form von Nahrung – in Kontakt. Die sogenannte Darmbarriere beschreibt einen Grenzübergang zwischen der Außenwelt und dem menschlichen Organismus. Hier muss entschieden werden, welche Stoffe der Körper aufnimmt, und welche nicht weiterverarbeitet werden. Voraussetzung dafür, dass die Darmbarriere wirksam und gesund funktioniert, ist eine optimale Besiedelung mit nützlichen Bakterien. Eine geschädigte Darmbarriere spielt umgekehrt bei der Entstehung verschiedener Darmerkrankungen wie Reizdarm oder Colitis ulcerosa eine Rolle.

Myrrhe: Meist verabreicht in einer Dreierkombination

Myrrhe wird von der Komplementärmedizin heute meist zusammen mit Kamille und Kaffeekohle, eingesetzt. In einer an den Kliniken Essen-Mitte durchgeführten Studie zeigte sich, dass eine diese Dreierkombination bei Colitis ulcerosa zur Erhaltung der schubfreien Zeit (Remission) vergleichbar wirksam war wie die Therapie mit dem chemischen Standardpräparat (Mesalazin). Für diese Verlängerung der beschwerdefreien Phase empfiehlt seit Mai 2018 auch die für Ärzte wichtige Behandlungsleitlinie zu Colitis ulcerosa das Kombi-Arzneimittel. Colitis ulcerosa ist eine vom Enddarm ausgehende chronisch-entzündliche Erkrankung Dickdarms mit den Hauptsymptomen Durchfall, Darmblutungen und schmerzhafte Krämpfe (Koliken).

Eine Beobachtungsstudie mit mehr als 1.000 Patienten zeigte zudem, dass die unterstützende Behandlung mit einer Myrrhe-Arznei zur Besserung des Gesamtbeschwerdebilds bei Reizdarm sowie chronisch- und akut-entzündlichen Darmerkrankungen führte.

Hypothese: Immunsystem greift die Darmschleimhaut an

In Deutschland leiden rund 400.000 Menschen an den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Trotz großer wissenschaftlicher Bemühungen sind die Ursachen für diese Krankheiten bis heute noch nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass das Immunsystem die eigene Darmschleimhaut angreift und dort eine dauerhafte Entzündung hervorruft. Auch spezielle entzündungsfördernde Oberflächenproteine, die Kontakte zwischen Zellen vermitteln, könnten entscheidend an den Entzündungsvorgängen beteiligt sein. Eine aktuelle Studie der Universität Regensburg deutet darauf hin, dass Myrrhe ein solches Protein hemmen kann. Diese Wirkung könnte auch bei Reizdarm eine wichtige Rolle spielen, denn hier werden in der medizinischen Fachwelt inzwischen sogenannte „Mikroentzündungen" als ein möglicher Auslöser diskutiert.

Myrrhe: „Arzneipflanze des Jahres 2021“

Aufgrund ihrer großen Bedeutung in der Kultur- und Medizingeschichte, der Forschung in der jüngeren Vergangenheit und dem Potential für die medizinische Nutzung wurde die Myrrhe vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ zur Arzneipflanze des Jahres 2021 gewählt.

Foto: AdobeStock/Vladimir Melnik

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Darmerkrankungen

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Alkohol ist ein Zellgift, das offenbar auch Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, dass sich selbst bei ansonsten gesunden Menschen das Risiko für Vorhofflimmern signifikant erhöht. Demnach haben schon kleine Mengen einen negativen Effekt.

Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin