Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Mycoplasma genitalium – ein neuer Super-Bazillus?

Sonntag, 5. August 2018 – Autor:
Mycoplasma genitalium (MG) gehört bislang zu den unbekannten Geschlechtskrankheiten. Britischen Forschern zufolge könnte sich das bald ändern: Das Bakterium hat demnach eine höhere Prävalenz als gedacht - und könnte zum Super-Bazillus werden.
Mycoplasma genitalium, Chlamydien

Mycoplasma genitalium genauso häufig wie Chlamydien, werden bisher aber unterschätzt – Foto: ©Alexander Raths - stock.adobe.com

Britische Forscher warnen vor der sexuell übertragbaren Geschlechtskrankheit Mycoplasma genitalium. Das Bakterium könne zu einem Super-Bazillus werden, da bisher in der Regel nicht darauf getestet werde und viele Antibiotika nicht mehr wirkten, berichten die Forscher von der British Association for Sexual Health and HIV (BASHH) im Fachmagazin BMJ. „Mycoplasma genitalium wird bislang unterschätzt“, so das Team um Professor M.J. Pond. Zudem sei die Prävalenz höher als vermutet. 

Bei Männern äußert sich die Infektion durch eine schmerzhafte Harnröhrenentzündung. Bei Frauen können zudem Gebärmutter und Eileiter betroffen sein. Symptome sind Schmerzen beim Wasserlassen, dickflüssiger bis eitriger Ausfluss und eventuell Blutungen.

Frauen können unfruchtbar werden

Unbehandelt kann Mycoplasma genitalium (MG) bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führen. Da es ähnliche Symptome macht wie Chlamydien werden Betroffene in der Regel genau daraufhin behandelt. Laut den BASHH- Forschern kann die Fehldiagnose Antibiotikaresistenzen beschleunigen. Werde die Infektion mit Mycoplasma genitalium zu lange übersehen oder falsch behandelt, bestehe die Gefahr, dass keine Therapie mehr wirke, warnen nun die Forscher.

Grundlage dafür ist eine neue Studie aus England. In dieser Studie wurden in einer Londoner Klinik im Zeitraum von zehn Wochen 217 Männer, die sich mit Symptomen einer Harnröhrenentzündung vorstellten, auf Gonokokken, Chlamydien, M.genitalium und T.vaginalis untersucht. Dabei zeigte sich, dass M.genitalium genauso häufig war wie Chlamydien. 41 Prozent der MG-Infektionen wiesen eine Antibiotikaresistenz gegenüber Makroliden auf, in einem Fall wurde eine Resistenz gegenüber Fluorchinolonen nachgewiesen.

 

Häufiges Therapieversagen befürchtet

„Diese Befunde lassen uns aufhorchen, da mit der aktuellen Therapie für Chlamydien – die zum Teil empirisch erfolgt – gehäuft Therapieversagen bei Infektion mit M.genitalium zu erwarten sind“, kommentiert Dr. med Susy Ann Dietler-Shaw von der Klinik für Infektiologie am Kantnonsspital St. Gallen (Schweiz) die Studienergebnisse.

Die Studienautoren haben unterdessen eine neue Guidelines entwickelt, wonach bei entsprechender Symptomatik routinemäßig auf Mycoplasma genitalium (MG) getestet werden sollte. Die Diagnostik ist jedoch teuer.

Am besten kann man sich mit Kondomen vor dem neuen Super-Bazillus schützen. Mycoplasma genitalium wird fast ausschließlich beim Sex übertragen.

Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com

Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sexuell übertragbare Krankheiten , Antibiotika , Multiresistente Erreger
 

Weitere Nachrichten zum Thema Geschlechtskrankheiten

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Ein grippaler Infekt ist normalerweise harmlos – eine echte Grippe („Influenza“) ist es nicht. Schlimmstenfalls kann sie sogar tödlich verlaufen. Bestimmten Risikogruppen wird deshalb geraten, sich gegen Grippe impfen zu lassen – auch noch jetzt, zu Jahresbeginn. Kinder, Schwangere oder Mitarbeiter von Altersheimen sind nur einige Beispiele dafür.
 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin