Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
31.03.2021

Mundhöhlenkarzinom: Bessere Prognose durch Lymphknotenentfernung

Bei einem Mundhöhlenkarzinom sind oft die Halslymphknoten von winzigen Metastasen befallen. Die aktualisierte S3-Leitline empfiehlt nun eine prophylaktische Entfernung ausgewählter Lymphknoten. Die sogenannte selektive Neck-Dissection verbessert den Autoren zufolge die Prognose der Patienten.
Krebs in der Mundhöhle streut in jedem dritten Fall in die Hals-Lymphknoten

Krebs in der Mundhöhle streut in jedem dritten Fall in die Hals-Lymphknoten

In einem frühen Stadium entdeckt ist Krebs in der Mundhöhle oft noch heilbar. Tückisch ist jedoch, dass sich bei etwa 20 bis 40 Prozent der Betroffenen Metastasen in den Halslymphknoten ausbreiten und die Tumorherde für den Arzt oft nicht erkennbar sind. Die aktualisierte S3-Leitline „Mundhöhlenkarzinom“  empfiehlt darum eine prophylaktische Entfernung ausgewählter Lymphknoten, die sogenannte selektive Neck-Dissection. „Die Metastasen dort sind oftmals so klein, dass sie trotz einer genauen Bildgebung nur schwer diagnostiziert werden können“, berichtet S3-Leitlinien-Koordinator Professor Klaus-Dietrich Wolff. „Werden die Halslymphknoten prophylaktisch entfernt, ist die Prognose für den Betroffenen deutlich verbessert“, so der Mediziner vom Klinikum München.

Immuntherapie für unheilbar Kranke

Die Empfehlung zur prophylaktischen Halslymphknoten-Entfernung ist eine von 24 Änderungen oder Ergänzungen im Zuge der jetzt erfolgten Leitlinienaktualisierung zum Mundhöhlenkarzinom. Neu ist außerdem eine Empfehlung zur Immuntherapie. Unter bestimmten Voraussetzungen wird diese Patienten in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium empfohlen. „Unheilbar kranke Patientinnen und Patienten mit PD-L1-exprimierenden Tumorzellen und mit gutem Allgemeinzustand sollen eine Immuntherapie erhalten, eventuell auch in Kombination mit einer Chemotherapie“, erläutert Wolff. Patienten ohne PD-L1-Status soll eine Strahlen- oder Chemotherapie zur Linderung von Beschwerden angeboten werden.

 

Drei Risikofaktoren bekannt

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 10.000 Menschen an Mundhöhlenkrebs, wobei Männer öfter betroffen sind als Frauen. Das typische Erkrankungsalter liegt bei Männern zwischen 55 und 65 Jahren, bei Frauen zwischen 50 und 75 Jahren. Die Hauptrisikofaktoren sind Alkoholkonsum und Rauchen. Chronische Infektionen mit humanen Papillom-Viren (HPV) erhöhen ebenfalls das Erkrankungsrisiko. Der Anteil HPV-bedingter Mundhöhlenkarzinome ist in den letzten Jahren stark gestiegen – vermutlich wegen veränderter Sexpraktiken. HPV kommen typischerweise in der Genitalregion vor.

Foto: © Adobe Stock/pressmaster

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kopf-Hals-Tumore
 

Weitere Nachrichten zum Thema Mundhöhlenkarzinom

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Im Gegensatz zur Bundespolitik ist offenbar eine klare Mehrheit von Apotheken-Mitarbeitern in Deutschland für eine Legalisierung von sogenanntem Genuss-Cannabis – unter der Bedingung einer streng kontrollierten Abgabe. Das ergibt sich aus einer Studie des Berliner Marktforschungsinstituts Aposcope.

 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin