. Krankenhausinfektionen

Multiresistente Keime schlummern häufig im Darm

Multiresistente Keime werden oft als Krankenhauskeime bezeichnet. Dabei tragen immer mehr Menschen die gefährlichen Erreger in sich und bringen sie ins Krankenhaus mit. Die Charité setzt deshalb auf verstärkte Hygienemaßnahmen und auf das Screening von Risikopersonen.
Multiresistente Keime schlummern häufig im Darm

Multiresistente Keime sind nicht nur in Krankenhäusern zu finden. Auch Urlauber können sie unbemerkt mitbringen

Immer wieder schrillen die medialen Alarmglocken, wenn von gefährlichen Krankenhausinfektionen die Rede ist. Klar ist, dass das Krankenhaus ein besonders anfälliger Ort für Infektionen ist. Denn bei Operationen oder anderen invasiven Prozeduren können leicht körpereigene Bakterien in Körperbereiche gelangen, wo sie nichts zu suchen haben und dort Infektionen auslösen. Außerdem werden im Krankenhaus nun mal häufig Menschen mit einem geschwächten Immunsystem behandelt, etwa weil sie eine Krebserkrankung oder aus anderen Gründen einen schlechten Allgemeinzustand haben. Auch das begünstigt Infektionen, die bei Gesunden niemals ausgebrochen wären.

Nach Angaben von Professor Petra Gastmeier, Hygiene-Expertin der Charité, hat sich die Häufigkeit von Krankenhausinfektionen in Deutschland in den letzten 20 Jahren kaum verändert. Allerdings hat der Anteil der Infektionen mit multiresistenten Erregern zugenommen, also jenen Bakterien bei denen die meisten Antibiotika nicht mehr wirksam sind. „Vor etwa zehn Jahren wurden solche Bakterien noch überwiegend bei Krankenhauspatienten gefunden, inzwischen bringen sehr viele Patienten bereits bei Aufnahme in die Klinik multiresistente Erreger mit“, so Gastmeier. „Für die Charité wissen wir beispielsweise, dass etwa jeder zehnte Patient bei Krankenhausaufnahme bereits mit solchen Erregern besiedelt ist.“

MRSA viel seltener als multiresistente Darmkeime

Dabei handelt es sich der Hygieneexpertin zufolge weniger um MRSA (Methicillin resistente Staphylococcus aureus), die vor allem in der Nase und auf der Haut zu finden sind. Viel häufiger würden multiresistente Erreger beobachtet, die sich im Darm der Patienten aufhalten. Dass teilweise selbst keine Reserveantibiotika mehr wirkten, sei dramatisch und versetze die Ärzte in eine Situation wie vor dem zweiten Weltkrieg zurück, sagte sie.

Die Charité hat deshalb an allen drei Standorten Fachärzte für Hygiene beschäftigt, die sich um die Infektionsprävention kümmern. Hierzu gehören etwa Schulungen der Mitarbeiter, die von der richtigen Händedesinfektion bis zum Umgang mit Gefäßkathetern reichen. Außerdem legt das Universitätsklinikum besonderes Augenmerk auf Risikopatienten. Auf Keimbesiedlungen werden etwa Patienten untersucht, die aus ausländischen Gesundheitseinrichtungen, anderen Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Dialyseinrichtungen kommen. Auch Patienten mit chronischen Wunden werden an der Charité auf multiresistente Keime hin untersucht.

Antibiotikaresistenzen sind ein gesamtgesellschaftliches Problem

Trotz der vielfältigen Hygiene- und Präventionsmaßnahmen wird nach Ansicht von Petra Gastmeier das Problem der multiresistenten Keime von den Krankenhäusern allein nicht zu lösen sein. „Gesamtgesellschaftlich muss der Einsatz von Antibiotika reduziert und optimiert werden, um die Ausbreitung von multiresistenten Bakterien zu vermeiden“, sagte sie. Das betreffe sowohl die Landwirtschaft als auch die Humanmedizin. Hinzu komme, dass in den meisten Ländern der Erde multiresistente Erreger weit mehr verbreitet seien als in Deutschland. Das beginne schon im Mittelmeerraum. Gastmeier: „Damit besteht auch ein hohes Risiko, dass man während einer Auslandreise unbemerkt solche Erreger aufnimmt und diese sich im eigenen Darm für Wochen, Monate oder Jahre ansiedeln.“

Foto: Gennadiy Poznyakov / Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Krankenhausinfektionen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Cannabis als Schmerzmittel ist nur Ausnahmefällen erlaubt. Doch durch das neue Cannabis-Gesetz wird womöglich ein Bedarf kreiert, den es gar nicht gibt. Das jedenfalls kritisiert ein Schmerzmediziner.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.