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Multiple Sklerose zerstörerischer als bislang angenommen

Freitag, 23. März 2012 – Autor:
Mit einem 7-Tesla-MRT haben Forscher in Berlin nahezu doppelt so viele Läsionen im Gehirn von MS-Patienten nachgewiesen wie mit der Routine-Diagnostik. Die Erkrankung des zentralen Nervensystems ist offenbar zerstörerischer als bislang angenommen.
Multiple Sklerose zerstörerischer als bislang angenommen

Charité/MDC

Bei Multipler Sklerose (MS) wird die Isolationsschicht der Nerven an vielen Stellen von Entzündungszellen angegriffen und teilweise zerstört. Infolge bilden sich an diesen Entzündungsherden Vernarbungen. Die vernarbten Stellen, die so genannten Sklerosen, können mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) im Gehirn von MS-Patienten sichtbar gemacht werden. Die Anzahl und Ausprägung geben Auskunft darüber, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.

MS: Untersuchungen mit Ultrahoch-Feld 7-Tesla-MRT

Zur Diagnosestellung werden im Alltag üblicherweise MRT-Geräte mit einer Feldstärke von 1,5 oder 3 Tesla genutzt. In einer aktuellen Studie konnten Forscher des Exzellenzclusters NeuroCure und des Experimental and Clinical Research Centers (ECRC) in Zusammenarbeit mit der Berlin Ultrahigh-Field Facility bei 20 MS-Patienten mit einem Ultrahoch-Feld 7-Tesla-MRT untersuchen. Dabei fanden sie insgesamt fast doppelt so viele Läsionen (728) im Vergleich zur konventionellen Untersuchung bei 1,5 Tesla (399).

"Mit der verbesserten Auflösung des 7-Tesla-MRT konnten wir Läsionen sichtbar machen, die bislang nicht nachweisbar waren. Die strukturellen Schäden, die Multiple Sklerose im Gehirn der Patienten verursacht, scheinen somit sehr viel grösser zu sein als bislang angenommen. MS-Patienten sollten daher in Zukunft sehr viel früher und noch konsequenter behandelt werden", empfiehlt Prof. Friedemann Paul vom Exzellenzcluster NeuroCure und ECRC.

 

Untersuchungen erstmal auf die Forschung beschränkt

"Trotz der vorteilhaften Diagnoseeigenschaften werden Untersuchungen mit 7-Tesla-MRT-Geräten in naher Zukunft wohl dennoch nicht routinemässig eingesetzt werden, sondern auf die Forschung beschränkt bleiben", sagt Dr. Jens Würfel vom Exzellenzcluster NeuroCure. "Denn aufgrund der hohen Feldstärken ist mit zahlreichen Kontraindikationen zu rechnen, vor allem bei Patienten mit Prothesen, Zahnimplantaten oder Tätowierungen."

Seit 2009 steht am ECRC, das gemeinsam von Charité und dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) betrieben wird, ein Ultrahoch-Feld 7-Tesla-MRT.

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