Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.07.2020

Müssen Diabetiker nur noch einmal wöchentlich Insulin spritzen?

Gute Nachrichten für Diabetiker: Es könnte künftig ausreichen, sich nur noch einmal wöchentlich Insulin zu spritzen. Ein entsprechendes Präparat wird derzeit getestet.
Insulin-Injektion, Insulinpen, Insulin, Diabetiker

Ein neues Insulinpräparat, das derzeit getestet wird, muss nur noch einmal wöchentlich injiziert werden

Gute Nachrichten für Diabetiker: Es könnte künftig ausreichen, sich nur noch einmal wöchentlich Insulin zu spritzen. Ein entsprechendes Präparat wird derzeit getestet. Das erläutert Prof. Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Er berichtet vom diesjährigen Kongress der Amerikanischen Diabetesgesellschaft (ADA), auf der Julio Rosenstock von der University of Texas in Dallas die vielversprechenden Resultate einer Phase-II-Studie vortrug. An der nahmen Typ-2-Diabetespatienten teil, die ein basales Insulinanalog verwendeten, das nur einmal wöchentlich zu spritzen war.

Kein Unterschied bei HbA1c-Absenkung

Das Insulinanalog (Handelsname: Icodec, Hersteller: Novo Nordisk) weist eine Halbwertzeit von 196 Stunden auf. In der randomisierten, doppelblinden Vergleichsstudie bestand im primären Endpunkt, der HbA1c-Absenkung, gegenüber täglicher Glargininsulin-Injektion kein signifikanter Unterschied.

Eingeschlossen waren  247 Typ-2-Diabetespatienten, die zuvor noch kein Insulin eingenommen hatten. Ihre HbA1c-Werte lagen zwischen 7 und 9,5 Prozent trotz Metformin-Therapie. Etwa die Hälfte nahm auch einen DDP-4-Hemmer ein. Die Probanden waren im Schnitt 59,6 Jahre alt und litten seit 9,7 Jahren an Diabetes, so Schatz weiter.

 

Vergleichbare Absenkung bei Nüchternglukosespiegel

Der basale HbA1c-Wert lag im Mittel bei 8 Prozent und die Nüchternglukose bei 181 mg/dl. Innerhalb des Studienzeitraums von 26 Wochen wurde auf-  und abtitriert, um Glukosespiegel von 70-108 mg/dl zu erreichen.

In der Icodec-Gruppe sank der HbA1c-Wert um 1,33, unter Glargin um 1,15 Prozentpunkte. Die mittleren HbA1c-Werte betrugen für Icodec 6,75 Prozent und für Glargin 6,9 Prozent. Die Nüchternglukosespiegel sanken unter Icodec und Glargin um 58 beziehungsweise 54 mg/dl.

Es traten mehr Hypoglykämien auf

Die Selbstkontrollwerte waren unter Icodec signifikant niedriger, zufolge niedrigerer Werte nach dem Frühstück und Mittagessen. Die Gesamtinsulindosen während der letzten zwei Wochen mit Icodec und Glargin betrugen 229 beziehungsweise 284 Einheiten pro Woche. Die Gewichtszunahme war identisch (+ 1,5 kg versus +1,6 kg).

Hypoglykämien traten unter Icodec allerdings häufiger auf als unter Glargin: mild bei 53,6 Prozent versus 37,7 Prozent der Fälle, moderat oder klinisch bedeutsam bei 16 versus 9,8 Prozent der Fälle und schwer bei 1 Prozent versus 0,8 Prozent der Fälle.

Müssen Diabetiker nur noch einmal wöchentlich Insulin spritzen?

In einem Kommentar zu der Untersuchung hieß es, man müsse erst die Phase III-Studien abwarten, aber die vorliegenden Resultate seien vielversprechend. Das Insulinanalog Icodec könne vielleicht sogar zusammen mit dem GLP-1-Analog Semaglutid in einem Pen injiziert werden, zitiert Schatz. Müssten Diabetiker nur noch einmal wöchentlich Insulin spritzen, dürfte das die Compliance bei vielen erhöhen.

Foto: Adobe Stock/Goffkein

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Insulin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Diabetes

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.


Die einen werden kleingemacht, die anderen gepampert: „Toxische Führung“ in der Arbeitswelt kann Belegschaften spalten und schadet auch den Unternehmen. So paradox es klingt: Vom Chef oder von Vorgesetzten anderen gegenüber offen bevorzugt zu werden, kann für Mitarbeiter unerträglich werden und sie in die Kündigung treiben. Das zeigt eine Studie der privaten „Kühne Logistics University“.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin