Mobile Beatmung für Patienten mit COPD in Entwicklung

Patienten mit COPD müssen oft beatmet werden. Ein normales Leben ist dann nicht mehr möglich. Forscher wollen nun eine mobile Heimbeatmung entwickeln, die eine bessere Lebensqualität verspricht.
COPD, Heimbeatmung

So könnte die mobile Beatmung für COPD-Patienten aussehen: Das von Enmodes entwickelte Tragesystem Oxygenator

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung – COPD – ist eine schwere Erkrankung, die im weiteren Krankheitsverlauf oft eine künstliche Beatmung auf der Intensivstation notwendig macht. Bei etwa jedem fünften Patienten wird die Atemhilfe durch eine sogenannte Heimbeatmung fortgesetzt. Zwar können die COPD-Patienten somit wenigstens zu Hause sein, doch ihr Alltag ist erheblich eingeschränkt: Eine aktuelle Studie der Klinik für Pneumologie in Köln-Merheim hat gerade gezeigt, dass die Patienten durch das Beatmungsgerät und die Schwere der Erkrankung meist an die Wohnung gebunden sind, einen großen Teil des Tages liegend verbringen und sich auch innerhalb der Wohnung nur wenige Schritte bewegen können. Große medizintechnische Entwicklungen für diese Patienten hat es – anders zum Beispiel als in der Kardiologie – in den letzten Jahren nicht gegeben.

Versorgungslücke schließen

Diese Lücke wollen nun Wissenschaftler vom Krankenhaus Köln-Merheim, der Universität Witten/Herdecke gemeinsam mit dem Aachener Medizintechnik Start-up-Unternehmen enmodes schließen: Mit der Entwicklung eines transportablen Geräts für zu Hause. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt bis 2020 mit einem Gesamtvolumen von 1,65 Millionen Euro.

„Das neue Medizinprodukt soll COPD-Patienten ermöglichen, einen geregelten Alltag ohne permanente Fremdhilfe und ohne Luftnot zu führen“, sagt Prof. Christian Karagiannidis Leiter der Lungen-Intensivstation im Krankenhaus Köln-Merheim sowie Professor für Extrakorporale Lungenersatzverfahren der Universität Witten/Herdecke, – „ein ehrgeiziges Ziel, das Dank der erfolgreichen Kooperation jedoch möglich erscheint.“

 

Vorbild ist die Herz-Lungen-Maschine

Der Lungenspezialist Karagiannidis bringt seine Erfahrungen mit der ECMO-Therapie, einer künstlichen Herz-Lungen-Maschine auf der Intensivstation, in die Entwicklung des neuen Beatmungsgeräts ein. Diese Maßnahme  kann jedoch nicht dauerhaft eingesetzt werden, da das Blut Schaden nimmt. Um das zu vermeiden, wird in dem neuen Gerät ein neuartiger Gasaustauscher eingesetzt, bei dem das Blut gleichmäßiger verteilt wird, um weniger Blutbestandteile zu beschädigen. Außerdem soll das Gerät die rechte Herzkammer zusätzlich entlasten sowie leicht und kompakt sein. „Unser Ziel ist, ein mobiles Gerät zu entwickeln, das so unkompliziert in der Anwendung ist, dass es die Patienten alleine bedienen können“, verrät Karagiannidis.

Wenn sich Computersimulationen, Labor- und Tierversuche und anschließende weitere Untersuchungen zur Blutverträglichkeit als erfolgreich erweisen, wird das mobile Beatmungsgerät erstmals an Patienten im Rahmen einer klinischen Studie getestet werden. Darin wird es um die Sicherheit der Behandlung, die Verbesserungen des Krankheitsbildes und die Verringerung der Sterblichkeit gehen.

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung gehört zu den zehn häufigsten Todesursachen in Deutschland. Die ersten Symptome sind morgendliches Husten, leichte Atembeschwerden, die oft nicht ernst genommen. Wenn die Erkrankung jedoch fortschreitet, werden Strukturen der Bronchien und der Lunge unwiderruflich zerstört, die Patienten können nicht mehr richtig ausatmen, die Lunge bläht sich auf und der CO2-Gehalt im Blut steigt. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Krankheit nicht mehr geheilt werden; es können nur noch Symptome behandelt und der Krankheitsverlauf verlangsamt werden.
Grafik: Enmodes Tragesystem Oxygenator

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Lunge , Lungenerkrankungen
 

Weitere Nachrichten zum Thema COPD

| Vitamin-D-Mangel könnte bei der Entstehung von COPD eine größere Rolle spielen als bislang gedacht. Auch könnte das fehlende Sonnenvitamin das Fortschreiten der Lungenkrankheit begünstigen. Darauf weisen neueste Forschungserkenntnisse hin.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Eine akute Typ A-Aortendissektion muss sofort behandelt werden. Doch die Diagnose ist nicht immer leicht. Selbst Notärzte können die Erkrankung mit einem Herzinfarkt verwechseln – nicht selten mit tödlichen Folgen. Das „Aortentelefon“ des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) koordiniert die Behandlung und kann damit Leben retten.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.