Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
05.02.2016

Mittelohrentzündung: Antibiotika Ja oder Nein?

Mittelohrentzündungen (otitis media) sind bei Kindern bis zum Schulalter nicht selten. Bis zum Alter von drei Jahren erkranken zwei Drittel aller Kinder mindestens einmal daran. Doch wann ist die Verschreibung von Antibiotika nötig?
Der Arzt untersucht Babys Ohr mit dem Otoskop

Mittelohrentzündungen sind bei kleinen Kinder häufiger

Symptome der Mittelohrentzündung sind Ohrenschmerzen, Druckgefühl, schlechtes Hören, Fieber, bei kleineren Kindern können Bauchschmerzen oder Erbrechen dazukommen. Säuglinge sind unruhig, weinerlich und greifen sich häufiger ans das betroffene Ohr.

Am Beginn einer Mittelohrentzündung steht fast immer ein Infekt der Atemwege wie ein Schnupfen. Dieser wird durch Viren ausgelöst wie RS-Viren, Rhino-Viren oder Influenza-Viren. Das Mittelohr ist eine luftgefüllte Kammer, die durch das Trommelfell vom äußeren Gehörgang abgeschlossen wird. Sie ist über die Eustachische Röhre oder Tube mit dem Rachenraum verbunden. Die Viren sorgen nun für eine Entzündung der Schleimhäute der Tube und des Mittelohres.

Mittelohrentzündung: Sekret drückt aufs Trommelfell

Die Tube schwillt zu, das Mittelohr wird nicht mehr belüftet. Die Schleimhaut des Mittelohres produziert ein wässriges Sekret, das durch den verstopften Kanal nicht abfließen kann und aufs Trommelfell drückt. Dann können sich dort zusätzlich Bakterien ausbreiten, sie sorgen dafür, dass die Schleimhäute ein eitriges Sekret bilden, das einen noch größeren Druck auf das Trommelfell ausübt. Bakterien können aber auch der primärer Auslöser der Mittelohrentzündung sein, sie sind dann über die Tube aus dem Rachenraum eingewandert.

Bei Ohrenschmerzen sollten die Kinder auf jeden Fall dem Arzt vorgestellt werden. Über ein Ohr-Mikroskop kann er im Krankheitsfall die Rötung des Trommelfells und das dahinter durchscheinende wässrige Sekret sehen, das Trommelfell ist durch den Unterdruck im Mittelohr trichterförmig eingezogen. Hat sich eitriges Sekret gebildet, ist das Trommelfell stark gerötet und zum Gehörgang hin ausgewöbt. Wird viel eitriges Sekret produziert, das nicht abfließt, kann das Trommelfell reißen, das Sekret läuft in den Gehörgang. Der Arzt saugt es dann ab.

 

Mittelohrentzündung: Antibiotika in bestimmten Fällen

Zunächst werden meist abschwellende Nasensprays oder Nasentropfen verschrieben, damit die Tube abschwellen und das Sekret in den Rachenraum abfließen kann. Den Schmerz lindern schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Paracetamol oder Ibuprofen.

Studien zufolge heilt die Mittelohrentzündung dann meist von allein ab: In 60 Prozent der Fälle innerhalb von 24 Stunden, in bis zu 85 Prozent der Fälle innerhalb von 2-3 Tagen, in 90 Prozent der Fälle nach 4-7 Tagen. Auch ein möglicher Riss im Trommelfell heilt von allein wieder zu. Mit Verschreibung von Antibiotika sind die Kinderärzte vorsichtiger geworden, da die Gefahr von Resistenzen droht. Sie können Nebenwirkungen haben wie Übelkeit, Durchfall oder Hautausschläge. Außerdem stören Antibiotika in den ersten Lebensjahren die Entwicklung der Darmflora.

Es gibt Regeln, wann Antibiotika gegeben werden sollten: Wenn das erkrankte Kind unter sechs Monaten alt ist,  wenn beide Ohren betroffen sind und das Kind jünger als 2 Jahre alt ist, wenn das Fieber über 39 Grad ansteigt, wenn der eitrige Ausfluss anhält oder die Beschwerden nach 2-3 Tagen unvermindert bestehen. Wenn an der Mittelohrentzündung nur Viren beteiligt sind, nützen Antibiotika nichts.

Mittelohrentzündung: Paukenerguss kann bestehen bleiben

Bei den meisten Kindern bleibt nach der abgeheilten Mittelohrentzündung Sekret im Mittelohr, weil die Tube nach wie vor verengt ist, und das Trommelfell bleibt eingezogen. Dieser so genannte Paukenerguss ist bei 40 Prozent der Kinder noch nach vier Wochen vorhanden, bei 25 Prozent noch nach drei Monaten. Der Paukenerguss führt zu Druckgefühl und beeinträchtigt das Hören. Hält er länger an, kann das die kindliche Sprachentwicklung stören.

Um das Problem zu beheben, kann der HNO-Arzt einen kleinen Schnitt ins Trommelfell machen und ein Paukenröhrchen einsetzen, durch das das Sekret abfließen kann. Diese Drainiage bleibt ein paar Monate im Ohr. Leiden Kinder mindestens vier Mal im Jahr unter Mittelohrentzündungen, kann das Paukenröhrchen vorbeugend eingesetzt werden. Paukenergüsse lassen sich auch mit einem Nasenballon behandeln.

Wie Eltern einer Mittelohrentzündung ihres Kindes vorbeugen

Bei Kindern, deren Rachenmandeln entzündlich vergrößert sind, versperren diese den Eingang zur Tube, das Mittelohr wird nicht belüftet, Keime breiten sich aus. So kann sich eine chronische Mittelohrentzündung einstellen. In einigen Fällen werden die Rachenmandeln dann mit einer Operation entfernt.

Einer Mittelohrentzündung insbesondere bei kleinen Kindern vorbeugen könnten Stillen bis zum 6. Monat, das Abgewöhnen des Schnullers und das Vermeiden von Zigarettenrauch. Auch die für  Kinder empfohlene Pneumokokken-Impfung senkt die Rate. Die in Rohmilch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren sollen ebenfalls einen schützenden Effekt haben. Auch Erwachsene können an einer Mittelohrentzündung erkranken, meist in Folge einer schweren und langwierigen Erkältung.

Foto: Photographee.eu

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Mittelohrentzündung

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Zahnpflege ist wichtig. Auf lange Sicht natürlich zum Schutz vor Zahnausfall; aber auch, weil Entzündungen im Mund Krankheiten im gesamten Körper begünstigen können. Manche Lebensmittel aber schwächen beim Essen vorübergehend die Widerstandskraft des Zahnschmelzes. Deshalb gilt hier: Eine halbe Stunde warten. Oder die Zähne VOR dem Essen putzen – beim Frühstück vor allem.


Long-Covid stellt Ärzte vor ein Rätsel. Wegen der enormen Krankheitslast –- etwa jeder zehnte Covid-Patient ist betroffen – wird immerhin intensiv daran geforscht. Was Ärzte inzwischen über das komplexe Krankheitsbild wissen, hat Gesundheitsstadt Berlin Experten gefragt. Eine Zusammenfassung der aktuellen Erkenntnisse.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin