. Curt Meyer-Gedächtnispreis

Mit T-Zellen den Krebs zersetzen

Krebs mit dem Immunsystem bekämpfen, ist ein vielversprechender Ansatz. Matthias Leisegang greift mit modifizierten T-Zellen bestimmte Mutationen eines Tumors an. Dafür hat der Charité-Wissenschaftler nun den Curt Meyer-Gedächtnispreis erhalten.
Martin Leisegang (3.v.li) erhält Curt Meyer Gedächtnis Preis für die Erforschung einer Gentherapie mit T-Zellrezeptoren

Martin Leisegang (3.v.li) erhält Curt Meyer Gedächtnis Preis für die Erforschung einer Gentherapie mit T-Zellrezeptoren

Ohne Immunsystem wären wir in kürzester Zeit tot. Denn Immunzellen sorgen dafür, dass fremde Eindringlinge wie Viren, Bakterien oder Pilze abgewehrt werden. Das Dilemma bei Krebs ist, dass das Immunsystem die bösartigen Zellen nicht als fremd erkennt und folglich nicht bekämpft. Einer, der das ändern will ist Dr. Matthias Leisegang vom Institut für Immunologie am Charité Campus Buch. Der Biologe ist fest davon überzeugt, dass sich T-Zellen – das sind Immunzellen – auch im Kampf gegen den Krebs wirkungsvoll einsetzen lassen, wenn man sie entsprechend manipuliert.

Krebsmutation als Angriffsziel

Leisegang nutzt bestimmte Mutationen als Zielscheibe. Dass das funktioniert hat er bereits gezeigt: Im vergangenen Jahr unternahm er erstmals den Versuch, menschliche Mutationen in einem Tiermodell als Angriffsziel anzusteuern. „Unsere Versuche haben gezeigt, dass eine Krebsmutation ein geeignetes Angriffsziel für die T-Zelltherapie sein kann. Eine einzige Veränderung im genetischen Erbgut kann zur Achillesferse eines Tumors werden, wenn wir es schaffen, diese Erbgutänderung zu identifizieren und T-Zellen auf sie auszurichten“, erklärte der Immunologe als er am Montag den Curt Meyer-Gedächtnispreis von der Berliner Krebsgesellschaft entgegennahm.

Die Basis für seine Arbeit wurde 1995 durch Prof. Hans Schreiber von der Chicago University gelegt, der heute die Berliner Arbeitsgruppe als Einstein Fellow leitet. Schreiber entdeckte, dass aus somatischen Mutationen einzigartige Antigene hervorgehen, die nur in Tumoren zu finden sind. Solche Mutationsantigene, meint Schreiber, müssten sich als Zielstrukturen für eine Therapie mit genetisch modifizierten T-Zellen besonders eignen.  

Wie die Forschungsarbeiten in der Zwischenzeit zeigten, trifft das auch zu, allerdings eignet sich nicht jede Mutation als Angriffsziel. „Das wissen wir nun auch“, sagte Leisegang. „Eine zentrale Aufgabe bleibt es deshalb, gute Angriffsziele zu identifizieren.“

 

Gentherapie mit T-Zellrezeptoren weltweit führend

Bisher ist das nur am Mausmodell möglich. Leisegang arbeitet jedoch an Alternativen. Künftig wolle er die Tierexperimente durch aussagekräftige Versuche in der Zellkulturschale ersetzen, erklärte der Preisträger.

Vorstandsmitglied Prof. Dr. Clemens A. Schmitt lobte in seiner Laudatio die Arbeiten von Leisegang als wegweisend: „Matthias Leisegang konnte am Tiermodell zeigen, dass therapeutische T-Zellen auf eine individuell ausgewählte Mutation ausgerichtet und mit einer enormen Treffsicherheit den Tumor zersetzen können“, sagte er. Die neuartige Technologie der Gentherapie mit T-Zellrezeptoren sei weltweit führend und für den Forschungsstandort Berlin ein enormer Gewinn.

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Krebsforschung , Immunsystem
 

Weitere Nachrichten zum Thema Immuntherapie

| Die Krebs-Immuntherapie hat den amerikanischen Krebskongress ASCO noch vor den zielgerichteten Therapien dominiert, wobei die beiden Bereiche immer mehr miteinander verschmelzen. Dieses Fazit zogen Krebsexperten der Charité auf einer Post-ASCO-Konferenz in der vergangenen Woche.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.